Gesangbuch Gotteslob macht dem Bistum Paderborn Probleme

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Das sah gut aus: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann beim Andruck für das neue Gotteslob am 31. Januar mit Vertretern der Druckerei C.H.Beck.

Von Elisabeth Elling Paderborn/Münster -  Werden die katholischen Kirchgänger im Erzbistum Paderborn am 1. Dezember, dem ersten Advent, aus dem neuen Gotteslob singen? Die Chancen stehen schlecht. Denn Paderborn zählt zu den mindestens neun Diözesen, deren neue Gesangbücher schlecht lesbar sein sollen. Der Grund: zu dünnes, durchscheinendes Papier. Rund 1,2 von 3,6 Millionen Exemplaren sind nach Informationen des Bayerischen Rundfunks „unbrauchbar“. Der Schaden: vier Millionen Euro.

Thomas Throenle, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn, möchte nichts zum Stand der Dinge sagen. Nur so viel: „Es muss nichts eingestampft werden“, die Paderborner Ausgabe sei noch gar nicht gedruckt. Momentan verhandelten die Bischöfe mit der Druckerei, und er hoffe „auf eine gute Lösung“. Vielleicht lasse sich der 1. Dezember ja noch einhalten.

Davon geht man andernorts nicht mehr aus: Das Bistum Regensburg, dessen Bücher zur unbrauchbaren Charge gehören, teilt auf seiner Website mit, dass sich die Auslieferung „auf das kommende Jahr“ verschiebt. Das das gelte auch für „weitere Diözesen“. Die Deutsche Bischofskonferenz bestätigt das, verhüllt diese Botschaft allerdings in Glanzpapier: „Das Gotteslob wird wie geplant ab dem 1. Advent 2013 in den ersten Gemeinden Deutschlands ausgeliefert.“

Zu diesen „ersten Gemeinden“ zählen die des Bistums Münster. Dessen 150 000 Exemplare – so viele werden in den Kirchen ausgelegt, weitere kommen in den Buchhandel – sind auf einem anderen, besseren Papier gedruckt worden, sagt Pressesprecher Stephan Kronenburg.

Das Papier ist also das Problem. 3000 Tonnen in Thin-Opaque-Qualität wurden für die erste Auflage bestellt, 800 Lkw-Ladungen. So beziffert die Druckerei C.H. Beck aus Nördlingen den „größten Auftrag“ ihrer 250-jährigen Geschichte. Diese ungewöhnliche Menge wurde von zwei Lieferanten bezogen. Beide Sorten seien von der Kirche genehmigt worden, heißt es von C.H. Beck. Die Bischöfe melden hingegen „Meinungsverschiedenheiten zwischen der Druckerei C.H. Beck und den Bistümern in Bezug auf das zu verwendende Papier“. Darüber gebe es „konstruktive Gespräche“. Die werden nach Angaben des Paderborner Bistumssprechers von Anwälten geführt. Die Druckerei, die zum renommierten Münchner Verlag gehört, erhielt den Auftrag wegen ihrer Expertise im Dünndruck. C.H. Beck ist Marktführer bei Gesetzessammlungen und juristischen Standardwerken: Tausende eng bedruckte Seiten auf dünnstem Papier, oft um ein Vielfaches dicker als das Gotteslob mit seinen 1300 Seiten. 1000 Seiten hat der in allen Bistümern identische Stammteil, hinzu kommen die Bistumsanhänge.

Die Vorarbeiten zum neuen Gotteslob, die der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann leitete, zogen sich zwölf Jahre hin. Kircheninterne Kritik entzündete sich daran, dass – anders als beim ersten Gotteslob 1975 – Laien kaum an der Auswahl der Texte und Lieder beteiligt wurden. Dass sich die Bischöfe das Gesangbuch auch noch vom Vatikan absegnen ließen, lehnte die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ als vorauseilenden Gehorsam ab. Einige ihrer Befürchtungen haben sich aber nicht bestätigt: Lieder des niederländischen Dichters Huub Oosterhuis („Ich steh’ vor Dir mit leeren Händen Herr“) kamen doch ins neue Gotteslob, ebensowie Titel aus der NGL-Bewegung (Neues Geistliches Lied) der 1960er/70er Jahre, etwa Peter Janssens’ „Unser Leben sei ein Fest“.

Das Fest zum neuen Gotteslob soll wie geplant am 1. Dezember stattfinden. Im Mittelpunkt steht ein Fernsehgottesdienst (ZDF) live aus dem Freiburger Münster mit Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Bistumskonferenz. Ob dort dann das neue Gotteslob ausliegt, ist fraglich. Auch die Freiburger Bücher wurden auf dem falschen Papier gedruckt.

Quelle: wa.de

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