Das Gemeentemuseum Den Haag zeigt Kunsthandwerk aus Asien

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Fein ziseliertes Silber: Das Betelset aus Indonesien (um 1928) ist im Gemeentemuseum zu sehen.

Von Ralf Stiftel DEN HAAG - Als die holländischen Seefahrer im 17. Jahrhundert nach Borneo und Java kamen, boten ihnen die einheimischen Geschäftspartner zur Begrüßung kleine Happen zum Kauen an. Etwas Betelnuss, ein bisschen Kautabak, mit gelöschtem Kalk (der die Wirkung verstärkt wie Backpulver die Wirkung von Kokain im Crack), eingerollt in ein Betelblatt. Die Niederländer blieben länger da, nimmt man die Kolonialzeit hinzu, fast 350 Jahre. Und sie kamen auf den Geschmack. Oder zumindest die einheimischen Frauen, die von Niederländern geheiratet wurden.

Das Kauen der Droge war recht gewöhnlich. Also veredelte man es. Die feine Dame in Batavia hatte auf dem Teetisch ein Silberset: Eine Schachtel für die Nüsse. Und einen Cuspidor, einen Spucknapf, um den Mund nach dem Genuss freizubekommen. Solche Sets aus Silber, Elfenbein, Ebenholz kann man im Gemeentemuseum in Den Haag bewundern. Es sind Meisterwerke der Feinschmiedekunst dabei, mit filigranen Ornamenten überzogen. Ein Statussymbol wie heute ein Sportwagen oder eine Nobeluhr. Und es ist vielleicht das bemerkenswerteste Beispiel dafür, wie zwei Kulturen zueinander fanden – europäische Händler und fernöstliche Oberschicht. Man fand eben Gefallen an Betel – wie auch an der schönen Gewohnheit, Besucher mit erfrischendem, duftendem Rosenwasser zu besprenkeln.

In der Ausstellung „Aziatische kunst en de nederlandse smaak“ arbeitet das Museum an Kunsthandwerk die Kolonialgeschichte der Niederlande auf. Es begann 1602 mit der Gründung der VOC, der niederländischen Ostindien Kompanie, die bis 1799 bestand. Handelsschiffe brachen in den Fernen Osten auf, um Güter wie Gewürze, Tee, Porzellan, Schmuck und andere Luxusgüter nach Europa zu bringen. Gegenüber dem konkurrierenden Portugal hatten die Holländer den Vorteil, dass sie nur auf Geschäfte aus waren und auf die Missionierung verzichteten. So vermieden sie Konflikte und durften sich niederlassen, wo die fanatischen Katholiken auf Widerstand stießen. Der vergleichsweise harmonische Austausch führte zu spannenden Mischungen: Asiatische Handwerker arbeiteten für den europäischen Markt, verwandten zum Beispiel christliche Motive in ihren Dekors. Aber auch die fremde Bildwelt fand großes Interesse in Europa. Umgekehrt übernahmen die Einheimischen Gewohnheiten von den Händlern, zum Beispiel das Sitzen auf Stühlen statt auf dem Boden.

Das Gemeentemuseum besitzt in seiner Sammlung eine Fülle von Asiatica. Die Ausstellung freilich wurde überwiegend aus der Sammlung von Jan Veenendaal bestückt, der auch als Kurator und Katalogautor fungierte. Obwohl man nun einen große Auswahl von Schmuck, Geschirr, Porzellan, Möbeln sieht, ist dies keine umfassende Übersicht. In elf Räumen bekommt man eher Eindrücke vermittelt, die freilich das Thema der gegenseitigen kulturellen Beeinflussung oft trefflich vermitteln. Fast 350 Jahre dauerte der Austausch, den Veenendaal im Katalog etwas euphemistisch mit einer Ehe vergleicht, die bei der Entkolonialisierung geschieden wurde.

Die Objekte in der Schau allerdings sind oft prachtvoll, seien es die filigranen Silberschmiedearbeiten, die an Spitzenklöppelei erinnern, seien es kunstvoll geschnitzte Sessel und Bänke aus Tropenhölzern. Man sieht Vitrinen voll mit Elfenbeinschnitzereien, zum Beispiel eine Bibelbox. Und man sieht einige der dekorativ geschwungenen Dolche, der „Kris“, die zum Beispiel auch in Gemälden von Rembrandt auftauchen. Die Griffe dieser Prunkwaffen sind regelrechte Skulpturen wie der „Raksasa“-Dämon bei einem besonders schönen Exemplar aus Bali (19. Jh.). Die meisten Objekte stammen aus Niederländisch Ostindien, dem heutigen Indonesien, und Ceylon, heute Sri Lanka, aber auch Objekte aus Japan und China werden ausgestellt.

Der koloniale Alltag wird nicht nur mit Möbeln und Kleidungsstücken vermittelt, sondern auch mit Gemälden von Jan Daniel Beijnon (1830-1877), einem Eurasier aus Batavia, der in europäischer Maltradition Bildnisse wohlhabender indonesischer Bürger schuf.

Bis 26.10., di – so 11 – 17 Uhr, Tel. 0032/ 70 / 33 81 111, www.gemeentemuseum.nl, Katalog (engl./nl.) 39,95 Euro

Quelle: wa.de

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