Gemälde von Tillmann Damrau in Beckum

Berührt mit grobem Pinselstrich: Tillmann Damraus Bild „The Archeologist“ (2011) ist in Beckum zu sehen. - Foto Gay

Von Marion Gay BECKUM - Die Frau scheint verwirrt. In der einen Hand hält sie ihr Handy, in der anderen eine Pistole. Ein Mann liegt bereits am Boden. Das Gebilde dazwischen könnte eine Blutlache oder eine lustige Comicfigur sein.

Das fröhlich-bunte und zugleich zornig-böse Bild „Hanna and the perils of history“ (Hanna und die Tücken der Geschichte) (2011–2014) gehört zur Ausstellung „Of Various Incidents Of Coincidence“ (Von verschiedenen Ereignissen des Zusammentreffens) des Stuttgarter Künstlers Tillmann Damrau im Stadtmuseum Beckum. Zu sehen sind 50 aktuelle Gemälde, Zeichnungen und eine Installation. Die Schau ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Kunstverein Eislingen.

In Damraus Bildern passiert Einiges. Da ist zum Beispiel die junge Frau, die eine männliche Figur in der Hand hält. Ein Mann versucht sie zu greifen, aber er wirkt hilflos dabei. Neben ihm kauert ein Bischof, aus einer Kiste ragen Kirchtürme. Am Bildrand formen sich aus dem Wort „Heinrich“ die Buchstaben INRI. Das Bild „Ausflug“ (2010) scheint eine rätselhafte Geschichte zu erzählen.

Ebenso geheimnisvoll ist der „Archeologist“ (2011). Er weiß nicht so recht, wer er ist, trägt eine Sporthose über Jeans, dazu ein Sakko mit Goldknöpfen, blickt entrückt in die Ferne. Mit den Stiefeln steht er in der Erde, mit dem Kopf ist er im Himmel – Die Wörter „Himmel“ und „Erde“ prangen in dicken Buchstaben. Anstelle von Äpfeln wachsen am Baum rote Kreuze. Meist kommen die Bilder wie Skizzen daher. Comicartig sind Zeichen und Buchstaben eingefügt, Gegenstände und Landschaften bewusst grob gemalt, mit dicken Pinselstrichen angedeutet, manchmal verschmiert oder komplett angestrichen. So gaukeln die Bilder eine berührende Authentizität vor. Immer ist der Mensch entwurzelt und verloren. Oft sieht man ihn zusammen mit Schiffen, die ohne ihn ablegen. Flugzeuge und Hubschrauber kreisen über ihm, Hochhäuser türmen sich um ihn, Rauchschwaden sind am Himmel und immer ist die Person falsch angezogen.

Fast hat man Mitleid mit Damraus Personen, sie scheinen ihre tragischen Geschichten nicht zu verstehen. Gleichzeitig wird man aber den Verdacht nicht los, dass sie selbst schuld an ihrer Misere sind. Ihre Blicke sind traumverloren, sie klammern sich an Püppchen, tragen Kindersachen, als wollten sie nicht erwachsen werden, nicht der Realität ins Auge blicken.

Manchmal montiert der 1961 geborene Künstler Metallteile oder Zettel in seine Gemälde. So im Bild „Box“ (2012–2014), wo kleine Stifte ein Schild fixieren. Die rot-gelben Muster erinnern an Zirkus. Dazu passt der junge Mann in seiner zu kurzen roten Jacke und der zu großen gelb-braunen Hose, mit den nicht zugeschnürten bunten Turnschuhen. Gelb-goldene Regentropfen fallen in die verlockende Zauberbox, dagegen ist die Landschaft schwarz und kahl.

Beklemmend auch die Installation „All you need“. Man braucht also einen Stuhl und zwei große Kanister voll Wasser. Dazu ein Tuch, Fußfesseln und jede Menge Klebeband.

Bis 4.1.2015; di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr; Tel. 02521/ 29264

www.beckum.de

Quelle: wa.de

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