Der 20. Geierabend auf Zeche Zollern in Dortmund

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Die „Wutbürger“ Siegfried und Roy beschäftigen sich mit dem Projekt „Hörde 21“, eine neue U-Bahnlinie in ihrem Stadtbezirk, und lösen es beim „Geierabend“ in Dortmund auf ihre ganz eigene Art. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ DORTMUND–Hieß es im Kulturhauptstadtjahr 2010 noch überall „Glück auf“, heißt es im Jahr danach „Lack ab“. „Die Millionen sind verprasst und die Invasion der Hochkultur ist vorbei“, meinen Maik Giesbert und Hans Martin Eickmann. Die Akteure des Dortmunder „Geierabends“ können ihre Pommes wieder genießen, ohne gleich einen Kulturauftrag erfüllen zu müssen.

„Pott to go“ heißt das dreistündige Programm der 20. Session auf Zeche Zollern II/IV. Im Jahr nach Ruhr.2010 zeigten sich der Steiger, die Awo-Opas sowie Siegfried und Roy ganz ohne Kulturhauptstadtjahr-Blues. Der Ruhrschnellweg wird nach dem Still-Leben auch wieder A 40 genannt – wegen der dort gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeit. Das alternative Karnevalprogramm beschäftigte sich kabarettistisch mit Themen aus Politik und Gesellschaft. Von Margot Käßmann über Guido Westerwelle bis zum Klimawandel zeigten die Schauspieler einen Jahresrückblick 2010, der mit den typischen Ruhrpott-Marotten gespickt war. Doch ganz auf die Utensilien aus der fünften Jahreszeit konnten die Macher des „Geierabends“ dann doch nicht verzichten. Am Eingang zum Saal wurden die Zuschauer mit einer kräftigen Konfetti-Dusche versehen.

Spätestens als die Awo-Opas, Martin Kaysh und Eickmann, das Lied der DDR-Rockband Karat „Über sieben Brücken musst du gehn“ anstimmten und es zum „Wutbürger“-Song „1000 Halbwertzeiten überstehn“ umtexteten, war auch dem Letzten klar, dass Atomkraft als so genannte Brückentechnologie keine dauerhafte Lösung ist. Denn: „Irgendwann wirst du die Asche sein, aber auch einmal der helle Schein“. Ganz andere Sorgen hatte der Landwirt aus dem sauerländischem Schnöttentropp, der mit dem Besuch eines Herrn „Google“ komplett überfordert war. Wollte „Google“ anfangs nur die schnöden Straßen des Dorfes für seinen neuen Internetdienst fotografieren, drehte er am Ende einen abendfüllenden Spielfilm namens „Zombies im Sauerland“. Dressierte Flughühner, Schützenbrüder und Landfrauen sorgten für ein heilloses Durcheinander, dem Herr „Google“ einfach nicht gewachsen war. Skurril, schräg und bildhaft schön erzählt.

Über das Ziel hinaus schoss Steiger Kaysh, der ankündigte, seine letzte Session zu bestreiten. Er erinnerte daran, dass der viel gelobte Schlichter von „Stuttgart 21“, Heiner Geißler, 1983 noch behauptet hatte, dass „der Pazifismus der dreißiger Jahre Auschwitz erst möglich gemacht hat“. Da blieb vielen das Lachen im Hals stecken, bevor Siegfried und Roy mit „Hörde 21“ ihr Problem, den Bau einer U-Bahnlinie im Stadtgebiet, humorvoller lösten.

Als die „Zwei vonne Südtribüne“ im Rampenlicht standen, warteten die Stammgäste schon ungeduldig auf den Schlagabtausch mit dem Fußball-Erzrivalen Schalke 04. Und trotz der bevorstehenden Schelte bekannten sich einige Schalke-Anhänger im Publikum mutig zu ihrer blau-weißen Leidenschaft. Doch auf die Frage von der Bühne hatten sie dann auch keine Antwort parat: „Wie ist Euer Dachschaden unter unsere Fahne gekommen?“

Der „Geierabend“ 2011 ist originell und mit einer gepfefferten Portion Selbstironie ausgestattet. Wenn am Ende die neun Akteure die BVB-Hymne „You'll never walk alone“ („Da biste nich‘ alleine“) anstimmen, wird sich so mancher im Publikum bereits auf den „Geierabend“ 2012 freuen. Die Zuschauer gehen jedoch nicht allein nach Hause. Sie werden von zahlreichen bunten Papierschnipseln im Haar und auf der Kleidung begleitet.

37 Aufführungen gibt es vom Geierabend. Gespielt wird bis 8. März auf Zeche Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen.

Tel. 02 31/16 29 820

http://www.geierabend.de

Quelle: wa.de

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