Gabby Young im Konzerthaus Dortmund

+
Gabby Young

Von Ralf Stiftel DORTMUND - Wer Gabby Young einmal gesehen hat, vergisst sie so schnell nicht. Im Konzerthaus Dortmund trug sie einen roten Turbanhut mit zwei gewaltigen weißen Federn, dazu ein relativ kurzes rüschiges Kleid im Zirkuszelt-Look. Die Optik gehört bei der britischen Sängerin dazu, als Entsprechung zu einer Musik, die sich allen Einordnungen entzieht. Und nach anderthalb Stunden standen die Besucher beim Applaus für die Diva und die fünf Mitglieder ihrer großartigen Band The Other Animals.

Solche Musik zwischen den Kategorien gab es immer mal wieder aus Großbritannien. Gabby Young wird gerade berühmt, darum war das Konzerthaus auch nur ungefähr zur Hälfte besetzt, aber man darf hoffen, dass sie bald wiederkommt. Fans von Annie Lennox und Kate Bush sollten sich mit ihren Klängen sehr wohl fühlen. Die Songs des Abends, überwiegend vom aktuellen Album „One Foot In Front Of The Other“, bedienten sich eklektizistisch überall, wo es interessant klingt.

Live kommt eine überwältigende Präsenz der Sängerin und ihres Lebensgefährten und Band-Gitarristen Stephen Ellis hinzu. Sie bewegen das Publikum zum Mitsingen, sie erzählen Geschichten, und natürlich sagt Gabby Young am Anfang auf Deutsch: „Guten Abend alle, wie geht’s?“ Der Zuschauer darf sich hier als Familienmitglied fühlen, und darum gab es auch ein Ständchen für Geigerin Milly McGregor, die an dem Abend gerade Geburtstag hatte. Und aus dem Zuschauerraum kamen zwei mit einer Torte...

Und dann sangen alle zusammen „Horatio“, diesen seltsamen Hybriden aus Chanson und Mariachi, und die Saalhälften wetteiferten, ob das „Huh!“ von links oder das „Hah!“ von rechts lauter käme, und man schmetterte das spaghettiwesternhafte „Lalalala“, über dem Gabby Young ihre Koloraturen ausbreitete.

Gabby Youngs Songs sind eingängig, aber kein Charts-Material. Und doch erschlossen sie sich sofort. Der bluesig-gospelige Titelsong des Albums, bei dem Ellis ans Piano wechselte und Jay Chakravorty die E-Gitarre übernahm. „Time“ kündigte Young als „This little tikki-tikki-song“ an, eine aufgekratzte Latin-Nummer zum Mitklatschen und -singen. Mit pathetischer Wucht trug sie „The Devil Has Moved In“ vor, ein Lied über die zerstörerische Macht der Gier. Aber sie kann es auch leiser, intimer, wie in ihrer gesungenen Liebeserklärung „Male Version Of Me“, bei dem sie sich anfangs selbst auf der Gitarre begleitete und ihr Mann Stephen später die zweite Stimme übernahm.

Von allem war etwas dabei: Rock, Folk, Zirkusmusik, Jazz, Chanson, und die Band fand sich mühelos auf allen rhythmischen und harmonischen Pfaden zurecht. Und darüber triumphierte Gabby Young mit ihrer kraftvollen Stimme, die selbst höchste Höhen spielerisch erklomm. Hinreißend.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare