„La fête“ ist eine vergnügliche Konzeptshow im GOP-Varieté-Theater Münster

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Ungleiches Paar auf Kunsträdern: Jacques Schneider (links) und Serge Huercio im GOP-Varieté-Theater Münster. ▪

Von Achim Lettmann ▪ MÜNSTER–Oh lala, ein französisches Dorf als Treffpunkt skurriler Gestalten. Sie tragen weder Hinkelsteine noch Wildschweine, aber sind so amüsant wie Asterix und Co. Das GOP-Varieté-Theater setzt seit geraumer Zeit auf Konzeptshows. Das heißt, der Conférencier hat adieu gesagt und ein Regisseur, oder zwei, arrangieren alle Kunststücke und komödiantischen Nummern in einer Geschichte. Zur Premiere der Show „La fête“ in Münster erzählen Detlef Winterberg und Serge Huerico vom Vorabend eines Festes, an dem Typen teilnehmen, die ein bisschen malade sind.

Die Figuren muss man sich erschließen. Hier taucht ein elegant gekleideter, gestenreicher Monsieur (Serge Huerico) auf, der bald das Kunstrad trittweise vorführt; dort verlässt ein junger Mann (Stephane Gentilini) die Bar Mistral, um mit großen Reifen zu jonglieren – Alltagspoesie. Es soll ein lauer Abend werden und vor dem großen Fest, zeigt jeder, was er kann und was ihn bewegt. Plötzlich taucht ein Rüpel mit langem Bart und kreischender Kettensäge auf. Jacques Schneider spielt den Waldschrat, der die Augen verdreht, dass es einen gruselt. Damen in der ersten Reihe müssen aufpassen.

Die neue Dramaturgie überrascht erstmal mehr als die risikoreichen Nummern, die man im Varieté erwarten darf. Wie die Rollschuh-Akrobatik von Julie und Antoine Carabinier Lépine, die ausgesprochen energiereich umgesetzt wird. Julie hängt an einer Schlaufe, die Antoine um den Nacken trägt, und sie schraubt sich um die eigene Achse, während er im Kreis auf Fahrt kommt – mit seinen Rollschuhen. Etwas Tempo nimmt Detlef Winterberg aus der Show, wenn er Christian Anders Schlagerschnulze „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ (von 1972) irrwitzig kommentiert. Ohne Worte, aber mit einem Mimenspiel das einfach baff erstaunt: Oberlippe, Augenwinkel, Stirnfalte – Winterberg scheint zu sprechen. Aus dem englischen Kinderlied „Old MacDonald had a farm“ macht er später ein Schattenspiel hinter einer beleuchteter Scheibe, dass zeigt, diese Kunstform ist nicht nur für die Kleinen ein Vergnügen ist. Herrlich.

Viel Raum bietet der Dorfplatz nicht im GOP-Theater. Aber für ein Trampolin reicht es. Die sechs Darsteller im Ensemble demonstrieren, was sie können oder besser nicht probiert hätten. Jacques Schneider macht mit dem Fahrrad einen Salto. Und die ausgestreckte Faust zeigt den übrigen Männern im Dorf, wer was auf sich hält.

Das weibliche Element übernimmt Claudel Doucet. Die Kontorsionistin beherrscht auch das Vertikaltuch, und im zweiten Teil steigt sie somnambul in die Abendröte, um zum Chanson „Ne me quiete pas“ (Verlass mich nicht) eine ernst wie verträumte Nummer zwischen Himmel und Erde zu geben.

„La fête“ ist nonverbal. Jeder kann die Show verstehen. Das GOP Varieté hat sie bereits auf einem Kreuzfahrtschiff vor internationalen Gästen vorgestellt.

Und es gibt viele Höhepunkte. Wunderschön auch, wie sich Julie C. Lépine und Jonathan Casaubon an den Strapaten drehen, wie sie schweben und sich nahe kommen. Das Publikum applaudierte in Münster trotz Höchstleistungen erst am Ende, weil die Zweisamkeit der beiden so ausdrucksstark war. Dazu ist Dan Mangans „The Indie Queens Are Waiting“ zu hören.

Zum Ende wird‘s doch noch eine Volksfest, weil die Kraftnummern handfeste Männerarbeit sind und Antoine Lépine im Cyr (großes Rad) eine behände Temponummer hinlegt. Applaus und Standing Ovations für ein großartiges Ensemble.

Termine

„La Fête“ im GOP Münster, bis 26. August. Mittwoch bis Sonntag, bis zu zwei Shows.

Tel. 0251 / 490 90 90

http://www.variete.de/de/spielorte/muenster

Quelle: wa.de

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