Fritz Winter: Große Ausstellung in Ahlen

Leichtes Spiel der Malgesten: Fritz Winters Gemälde „Schwarze und rote Linien“ (1953) ist in Ahlen zu sehen. ▪ Foto Gay

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Die roten Zacken erinnern an einen Kamm oder an Industrieabfälle. Eingebettet von schwarzen Formen entfaltet das Rot seine magische Leuchtkraft. Das Bild von 1949 gehört zur umfangreichen Ausstellung mit Werken von Fritz Winter (1905–1976). Zusätzlich zur ständigen Präsentation seiner Arbeiten im Erdgeschoss zeigt das Fritz-Winter-Haus in Ahlen rund 50 Werke in den oberen Ausstellungsräumen. Die Ölgemälde und Papierarbeiten stammen aus den Beständen des Hauses, einige werden erstmalig gezeigt.

Die sehenswerte Schau umfasst das gesamte Oeuvre des Künstlers, angefangen mit Werken aus den frühen dreißiger Jahren wie zum Beispiel das kleinformatige „Sternbild I“ von 1932. Zu sehen sind weiße Schlieren auf dunklem Grund, dazu zwei rote und ein blauer Kreis. Beim Bild von 1936 verzichtet Winter auf den Titel, dennoch assoziiert man die Komposition aus silbergrauen Linien und Formen mit dem Nachthimmel, meint Wolken, Sterne und Planeten zu erkennen.

Im Jahr darauf erhielt Winter Mal- und Ausstellungsverbot und wurde 1939 zum Kriegsdienst einberufen. Erst 1949 kehrte er aus russischer Gefangenschaft zurück. Aus diesem Jahr stammen einige der großformatigen Ölgemälde wie beispielsweise „Der Apfelbaum“: In den grauen und schwarzen Formen schlängeln sich gelbe Linien, kleine gelbe Formen leuchten wie Sonnenflecken, zaghaft deutet sich Grün an. Auch wenn man den Apfelbaum vergeblich sucht, strahlt das Bild etwas Frühlingshaftes aus.

Ab 1950 wandeln sich Winters Arbeiten. Die Formen werden großflächiger, klarer. Kraftvoll prangt die schwarze Zackenform im Bild „Das Zeichen“ (1950), hebt sich entschlossen vom Grau-Blau-Schwarz des Hintergrundes ab, korrespondiert mit der geometrischen roten Form. Leicht und spielerisch dagegen die Arbeit „Schwarze und rote Linien“ (1953). Linien umtanzen die Formen, alles scheint in Bewegung und bleibt doch in Balance. Beeindruckend auch das Ölgemälde „Abschrift der Gesetzestafeln“ (1958). Hier überlagern blaue und rote Linien die dunklen Formen, wirken wie unlesbare Schriftzeichen. Auf wenige Farben konzentrieren sich die Bilder aus den frühen siebziger Jahren. Schwarze Linien und Formen legen sich wie ein lockeres Gitter auf die grauen Hintergrundformen.

Sieben Jahre ist es her, seit das Gustav-Lübcke-Museum, Schloss Cappenberg, das Ahlener Kunstmuseum und Fritz-Winter-Haus zum 100. Geburtstag des Künstlers eine große Ausstellung präsentierten. So wurde es Zeit, die großartigen Werke erneut zu zeigen, erklärt Helga Gausling, Leiterin des Fritz-Winter-Hauses. Wenn auch die meisten der Bilder bekannt sind, sorgt die gelungene Hängung für Überraschungen. So verwandelt das 2,5 Meter mal 1 Meter große Ölgemälde „Licht“ (1934), der Original-Entwurf für den Essener Minnebrunnen, den Nebenraum in einen fast sakralen Andachtsraum, in dem die frühen Sternenbilder ihre geheimnisvolle Intensität entfalten.

Eröffnung Samstag, 19 Uhr. Bis 30.6., di, mi, sa 15 – 18, so 11 – 18 Uhr; Tel. 02382/ 61 582;

http://www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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