Frederik Kösters „Homeward Bound Suite“ auf CD und live in Hagen

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Klänge für das Sauerland: Trompeter Frederik Köster (rechts) mit seiner Band „Die Verwandlung“.

HAGEN - Wie klingt das Sauerland? Frederik Köster schenkt seiner Heimat eine weiche, melancholisch eingefärbte Melodie, die man mitsingen möchte, wenn die Geigen sie anstimmen. Ein Leitmotiv fast wie bei Smetanas „Moldau“.

Was hier beginnt, klingt nicht nur für die Eingeborenen im „Land der 1000 Berge“ gut. Jetzt ist eine Einspielung als CD erschienen, mit Kösters Band „Die Verwandlung“ und dem Philharmonischen Orchester Hagen unter Leitung des damaligen Generalmusikdirektors Florian Ludwig. 2016 wurde die „Homeward Bound Suite“ uraufgeführt. Das Festival Sauerland-Herbst hatte den Jazztrompeter Köster mit der Komposition beauftragt. Der 1977 geborene Musiker aus Olsberg, der mit zwei Jazz Echos, dem WDR-Jazzpreis, dem Westfalen-Jazz-Preis ausgezeichnet wurde, nahm die Aufgabe ernst. Das siebensätzige Werk erfindet den orchestralen Jazz nicht neu, aber es verbindet schön die Klangfülle des großen Ensembles mit dem Drive von Kösters Quartett. Das Hagener Orchester hatte schon Erfahrungen mit Crossover-Projekten, angefangen 2011 mit einer Kompositionsresidenz von Jon Lord, dem Organisten der Hard-Rock-Band Deep Purple.

Man kann die Suite als Neufassung eines barocken Formats verstehen, des Concerto grosso, bei dem sich auch ein Orchester und eine Solistengruppe gegenübertreten. Überhaupt verwendet Köster die Stilmittel der klassischen Tradition souverän, bezieht sich nicht nur auf die Programmmusik der Romantiker, sondern verfügt auch über die kantigen Töne eines Mussorgsky, lässt den rhythmischen Furor aus Strawinskys „Sacre du Printemps“ aufblitzen, und man findet ebenso Anklänge an die Soundtracks des Hollywood-Kinos. Heimatmusik, die ausgesprochen weltläufig daherkommt.

Kösters Komposition verzichtet auf folkloristischen Frohsinn. Er malt die Landschaft romantisch, indem er Naturlaute zitiert. Man lausche nur der wehmütigen Geige am Ende des Satzes „Wurzeln und Flügel“. Immer wieder setzt Köster sein Sauerland-Motiv ein, am Anfang des Satzes Satzes „Homeward Bound“ spielt er es federleicht über einen weichen Streicherteppich, und überlässt dann seinem Pianisten Sebastian Sternal das Feld für ein behendes Solo.

Kernstück der Suite ist der Satz „Kyrill“, der fast wie im Hörspiel vom Sturm erzählt, der 2007 besonders im Sauerland tobte. Hier setzt Köster auf schroffe Gegensätze: Erst beschwören lyrische Orchestermelodien ein Naturidyll, dann schlagen schroff Piano und Bass ein zwischen Olivier Messiaen und Free-Jazz, später ein wuchtiger Stakkato-Rhythmus und dramatische Orchester-Tutti. In die lauten Passagen setzt Köster immer auch ruhigere Momente. Und er selbst spielt ein intensives, angespanntes Solo. Die Live-Aufnahme aus Mülheim klingt ausgezeichnet. Es gibt aber wieder einige Aufführungen, morgen in Hagen, im Mai in Osnabrück.

Frederick Köster / die Verwandlung & Philharmonisches Orchester Hagen: Homeward Bound Suite (Traumton Records).

Live 18.1. Theater Hagen,

Tel. 02331/ 207 32 18, www.theaterhagen.de

17.5. Theater Osnabrück,

Tel. 0541 / 76 000 76, www.theater-osnabrueck.de

Quelle: wa.de

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