Freddy Langers Schlafbrillenfotos in Münster

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Freddy Langer fotografierte Joseph Beuys mit Schlafbrille – zu sehen in der Ausstellung in Münster. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Kokett lüpft Iris Berben die Schlafbrille und lächelt in die Kamera. Andy Warhol hält seine Schlafbrille mit spitzen Fingern vors Gesicht und lässt das Gummiband übers Kinn baumeln. Unter dem Titel „Lost Faces“ zeigt das Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster rund 200 Porträtfotografien, die der Frankfurter Freddy Langer in den letzten dreißig Jahren aufgenommen hat.

Langer leitet den Reiseteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Während eines New York-Aufenthaltes nutzte er die Gelegenheit, bei Andy Warhol in der Factory vorbeizuschauen. Der ließ sich überreden, für ein schnelles Foto die Schlafbrille aufzusetzen, nachdem Langer ihm ein Bild von Joseph Beuys mit eben dieser Schlafbrille zeigte.

Die Idee, Prominenten eine Schlafbrille aufzusetzen und sie damit zu fotografieren, kam Langer vor 32 Jahren. Zufällig lag auf dem Küchentisch eine Schlafbrille neben seiner Polaroidkamera. Seitdem treibt er sich auf Konzerten, Lesungen, Partys herum, bewaffnet mit Kamera und zwei Schlafbrillen. Einer hellblauen, die das Licht reflektiert, und einer dunkelkarierten, die das Licht schluckt. Damit sehen die Promis manchmal wie unkenntlich gemachte Verbrecher aus.

Langers Liste ist beeindruckend: Da sind Künstler wie Jenny Holzer, Friedensreich Hundertwasser und Meret Oppenheim. Schauspieler wie Hannelore Elsner, John Malkovitch und Claudia Cardinale. Unter den Schriftstellern tummeln sich Ken Follet, Margaret Atwood und Michel Houellebecq. Und es gibt Sportler und Musiker. Sie alle hängen getrennt nach Berufsgruppen in verschiedenen Räumen. Die Schriftsteller sind unter der großen Stoffmaske nur selten erkennbar. Ihre Gesichter sind in den Medien eben weniger präsent.

Routiniert kommen natürlich die Schauspieler und Sänger herüber. Einstudiert lächeln sie in die Kamera, wie etwa Roberto Blanco und Andrea Sawatzki. Manche versuchen, die Maske individuell zur Selbstinszenierung zu nutzen. So trägt Lilo Wanders die Brille schräg. Der Spielraum bleibt allerdings begrenzt, Überraschungen finden sich kaum, schnell hat man alles gesehen.

Langer fotografiert immer spontan und vereinbart keine Termine. Früher machte er lediglich zwei Polaroids, eins pro Schlafbrille. Seitdem es Polaroid nicht mehr gibt, lässt er die Digitalkamera „durchballern“, wie er es nennt, und wählt aus rund sechzig Bildern aus.

Schwierig wäre es nicht, die Erlaubnis für die Aufnahmen zu bekommen. Wenn es besonders schnell gehen muss, sagt er, es ginge um einen Partygag. Geweigert hat sich Günther Grass. Und Christo, den er bereits dreimal fragte. Auch von der deutschen Fußballnationalmannschaft gab es keine Einwilligung.

Ganz oben auf Langers Wunschliste steht Madonna. So lange er sie nicht in der Sammlung hat, wird er sein Projekt fortsetzen.

Bis 23.9., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 4144710,

http://www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Quelle: wa.de

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