Frank Beermann und Herbert Schuch eröffnen den Klassiksommer Hamm mit Brahms

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Lebhaft interpretierten Pianist Herbert Schuch und Dirigent Frank Beermann Brahms in Hamm.

Von Edda Breski Hamm - Auf Beethoven folgt Brahms: Der Hammer Klassiksommer widmet sich in dieser Saison dem Neuschöpfer der Sinfonie nach dem übergroßen Beethoven und findet damit eine sowohl ästhetisch als auch musikwissenschaftlich logische Fortsetzung. Die sinfonischen Konzerte ersetzen die konzertante Oper. Die Nordwestdeutsche Philharmonie unter dem Leiter des Festivals, Frank Beermann, eröffnete den Klassiksommer 2013 mit einem Doppelschlag: dem Klavierkonzert Nr. 1 sowie der Sinfonie Nr. 1.

Beermanns Brahms ist geprägt durch einen dunklen, fokussierten Ton und eine straffe Durchführung. In den besten Momenten legt er die musikalische Struktur offen, etwa im Fugatoteil des vierten Satzes der ersten Sinfonie. Federnd und straff klingt das, musiziert mit großem Überblick, klar und bei aller tragischen Emphase nie überschwänglich, sondern konzentriert. Nicht alles an dem Abend in der Alfred-Fischer-Halle war ganz so gelungen.

Das Klavierkonzert zerfasert, vor allem im ersten Satz. Der Kopfsatz mit seiner mehrfach gebrochenen Motivik hat keinen roten Faden, die Musik stürmt und drängt, aber die Themen gehen ins Ungefähre. Der Solist Herbert Schuch unternimmt eine romantische Selbsterkundung; er legt weniger Wert auf die Parts, die virtuose Brillianz verlangen, sondern spürt den atmosphärischen Wechseln nach, etwa als er nach der machtvollen Wiederaufnahme des Hauptthemas sich wieder zurücknimmt und die Fragmente des Motivs dunkel zwischen die Streicherfiguren tupft. Die Übergänge wirken bei ihm allerdings oft zu harmlos. Bei seiner introvertierten Geradlinigkeit bleibt Schuch auch, als Beermann im Satzfinale ein beeindruckendes Tongebirge aufschichtet.

Der zweite Satz gehört dem 33-jährigen Schuch, der ihn als langsamen Strom spielt, so behutsam, dass Ansätze der Orchesterstimmen hart dazwischen klingen können. Als Schuch zu seinem zweiten Solo ansetzt, spielt er das Thema so, als spräche da einer, der etwas so dringend sagen will, dass er die Worte zusammendrängt und fast über sie stolpert – ein wunderbarer Moment. Der dritte Satz ist fokussierter, Solist und Dirigent haben enger zusammengefunden.

Die Sinfonie Nr. 1 ist, bei gediegenen Tempi, dichter musiziert; hier ist auch wieder Beermanns klare Strukturarbeit zu hören, die im letzten Jahr während des Beethoven-Zyklus zu erleben war. Er hält den Puls der Musik streng durch, vom nobel ausschwingenden Anfang der Sinfonie bis zur Verarbeitung im Finale; gerade der letzte Satz zeigt, wie Beermann dieSymbiose zwischen einem dunklen, „deutschen“ Ton und disziplinierter Strukturarbeit beherrscht.

Festival bis 26.7.,

www.klassik-sommer.de

Quelle: wa.de

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