Fotoausstellung „Paris im Blick“ im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Die Farben der Verführung: Peter Cornelius nahm seine Nachtansicht der „Place Pigalle“ 1959 auf – zu sehen in Münster. - Fotos: Museum

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Ein Paar geht über die nächtliche Place Pigalle. Die Neonreklame von „Pigall’s“ spiegelt sich auf dem regennassen Straßenpflaster. Die Scheinwerfer eines Autos ziehen wegen der langen Belichtungszeit Linien. Peter Cornelius nahm das Foto in Paris im Jahr 1959 auf. Eine unerwartete Erfahrung in der Ausstellung „Paris im Blick“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster.

Die meistfotografierte Stadt der Welt ist im kollektiven Gedächtnis schwarz-weiß. Ob Cartier-Bresson oder Robert Doisneau, ob Rene Burri oder Willy Ronis: Die großen Meister zeigten die Seine-Metropole in dekorativen Grautönen. Peter Cornelius (1913–1970) aber zeigt die Farben der Stadt, als sie noch ein romantischer Wunschort für Sehnsüchte zwischen kultureller Größe und erotischen Fantasien war. Der Kieler Fotograf hatte von der Firma Agfa Ende der 1950er Jahre Filme gestellt bekommen. Und er nutzte sie für seinen Bildband „Farbiges Paris“.

Die Schau hat Hans-Michael Koetzle kuratiert, einer der führenden Fotohistoriker. Das Picasso-Museum zeigt mindestens einmal im Jahr eine große Fotoschau. Es lag nahe, einmal das Biotop zu spiegeln, das Picasso jahrzehntelang prägte. Und weil man beim Thema Paris allzuschnell im Klischee landet oder auch nur das Vertraute noch einmal reproduziert, wählte Koetzle als Thema Fotobücher und -mappen. Für solche seriellen Arbeiten mussten die Fotografen ein klares Konzept haben, führt er aus. So gibt es einen Streifzug mit rund 400 Aufnahmen von 51 Künstlern.

Zum Auftakt ist eine Daguerrotypie des Panthéon vom 12.7.1848 zu sehen. Louis Daguerre stellte seine Erfindung 1839 der Akademie der Wissenschaften in Paris vor. In der Stadt begann die Geschichte der Fotografie, erläutert Koetzle, und sie wurde auch das erste Motiv. Die Daguerrotypie hatte allerdings auch Nachteile, so gab es keine Abzüge, jedes Bild ist ein Unikat. Fotos konnten erst Ende des 19. Jahrhunderts gedruckt werden. Und so beginnt die eigentliche Ausstellung mit Eugène Atget, spannt sich bis zu Gegenwartsfotos.

Die Schau ist in acht Kapitel eingeteilt. In „Der imperiale Blick“ geht es um die Sehenswürdigkeiten der Stadt, um Eiffelturm, Sacré-Coeur, Notre Dame, die Seine-Brücken und die Boulevards. Hier begegnet man neben vielen Klassikern auch Emmanuel Boudot-Lamotte. Über den Mann war lange nichts bekannt, bis Koetzle einen Verwandten aufspürte und erfuhr, dass Boudot-Lamotte Lektor beim Verlag Gallimard war. Von ihm sind wunderbare Abzüge aus den späten 1930er Jahren ausgestellt, wobei alte Sehenswürdigkeiten wie die Moulin de la Galette ebenso vorkommen wie Beispiele damals moderner Architektur wie La Cité de Refuge, das Obdachlosenheim, das Le Corbusier 1929 errichtet hatte.

Die Schau arbeitet nicht nur mit Abzügen, sondern zeigt auch die Bildbände. Und um dem Besucher einen Eindruck zu vermitteln, wurden Reproduktionen von Doppelseiten angefertigt, so dass man zumindest einen Eindruck von Lay-Out und Bildsprache bekommt. Grandios ist das zum Beispiel beim Paris-Band (1931) von Moï Ver. Der litauische Fotograf druckte jeweils zwei Motive übereinander, wie in Doppelbelichtungen, und erreichte eine hinreißende Dynamik etwa in seinen Bildern aus Menschenmengen. Das Kapitel „Der politische Blick“ konzentriert sich auf die Zeit des Kriegs und der Besetzung der Stadt durch die Nazis. Roger Schall durfte die Besatzungstruppen fotografieren. Er schuf später den Band „Paris sous la Botte des Nazis“ (unter dem Stiefel der Nazis).

Auch der Aktfotografie ist ein Kapitel gewidmet. Erotische Bilder wurden lange als „Fotos de Paris“ bezeichnet, sagt Koetzle. In Münster sieht man zum Beispiel Aufnahmen aus einem Bordell von Brassaï. Und aktuelle, provokative Frauenporträts von Bettina Rheims.

Abgerundet wird die Schau durch eine Auswahl von Grafiken Picassos mit Paris-Bezug, düstere Stillleben aus der Besatzungszeit, aber auch Porträts seiner Galeristen.

Bis 12.7., di – so 10 – 18 Uhr, Tel.0251/ 414 47 10,

www.picassomuseum.de

Quelle: wa.de

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