Florian Fischer inszeniert „Geister“ in Bochum

Szene aus „Geister“ mit Tiran Normanson, Ann Göbel, Karin Moog und Max Göran (von links). Foto: Nicole M. Wytyczak

Bochum – Einerseits bietet das Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz von Johan Simons immer wieder begeisterndes Schauspielertheater, wie gerade erst mit „Iwanow“. Andererseits öffnet es sich auch anderen Formaten, experimentiert mit den Genres, um neues Publikum anzusprechen. So eine Produktion sieht man in der Zeche 1 mit „Geister“. Florian Fischer, der mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis ausgezeichnete Regisseur, widmet sich darin den Unsichtbaren und Verkannten, zum Beispiel Müttern, deren Erziehungsarbeit nicht anerkannt wird, und den queeren Menschen.

Marilena Büld (Bühne) und Christopher Füllemann (Skulptur) gestalten die Spielfläche in der einstigen Weißkaue als sanft gehügelte Landschaft. Von ihr sieht man allerdings in der ersten Viertelstunde nicht viel. Kaum Licht, viel Kunstnebel. Dazu füllen Klanggebilde von Billy Bultheel den Raum. Im Dunkel erahnt man die vier Performer, die immer wieder das Wort ergreifen, oft auf Englisch.

Fischer stellt gleich seine Subjektivität aus, indem aus dem Dunkel ein Gespräch zwischen Schauspieler und Regisseur über einen Albtraum Fischers wiedergegeben wird. Es folgen Episoden wie die von den Babybildern aus der Frühzeit der Fotografie, als eine Aufnahme vier Minuten Stillsitzen verlangte. Die Mutter wurde dabei verhüllt und beruhigte das Kind. Im Scheinwerferlicht sitzt Karin Moog und hält ein Kissen, quengelt wie ein unzufriedener Säugling und beschwichtigt als Mutter. Unterdessen zählt Ann Göbel die Minuten, sagt alle dreißig Sekunden die Zeit an. Durchaus eine Erfahrung.

An Hexenverbrennungen erinnert ein aufflammendes Gestell. Choreograf Tiran Normanson, Max Göran und die Frauen formen im sich langsam erhellenden Raum, in dem sich auch die Schwaden lichten, immer neue Gruppenkonstellationen. Mal stehen sie im Kreis und tanzen einen Reigen, dann wirft sich einer auf einen Hügel und die anderen stellen sich in Triumphpose darüber. Es gibt zärtliche Zweierszenen, Momente der Aggression. Dann spricht Ann Göbel davon, dass sie eines Tages ein „Movie-Star“ sein wolle. Und es wird eine Rede des Schwulen-Aktivisten Vito Russo wiedergegeben, darüber, dass Aids ein Test für die Community sei. Ein Höhepunkt ist eine Szene, in der die beiden Männer Fahnen schwingen.

Diese Bildfolge lässt vieles im Assoziativen, im Bereich von Stimmungen. Großer Beifall bei der Premiere.

22., 23., 26., 30., 31.1., Tel. 0234 / 3333 5555, www. schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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