„Fledermaus“ als „Stadtoperette“ für Soest

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Glanzvoll in Soest: Szene aus der „Fledermaus“ mit Cornelia Fisch, Clemens Gnad und vielen Soestern. ▪

Von Bettina Boronowsky ▪ SOEST–Das schönste Geschenk zum 150. Geburtstag macht sich der Städtische Musikverein Soest am Wochenende selber: Johann Strauß’ „Fledermaus“, inszeniert als „Stadtoperette“. Am Samstag feiert die Gemeinschaftsproduktion von Profis und Laien Premiere in der Soester Stadthalle.

Die halbe Stadt ist seit anderthalb Jahren mit Planung und Vorbereitung beschäftigt, und die Offiziellen werden nicht müde, das „bürgerschaftliche Engagement“ zu loben. Da kümmern sich Beschäftigte von Sozialwerkstätten mit einem heimischen Bildhauer, Fachleuten und Hobbybastlern um Bühnenaufbau und Kulissen. Ehrenamtliche Schneiderinnen nähen Kostüme. Privatleute bringen in ihren Häusern Musiker und Sänger unter. Die Soester Tafel sorgt für die Verpflegung. Angehende Erzieherinnen aus der Berufsfachschule stellen einen „Fledermaus“-Familientag auf die Beine. Mancher Soester wird zum Hobby-Historiker, um fürs Rahmenprogramm die Entstehungsgeschichte des Vereins aufzuarbeiten und in Ausstellungen, Spiele oder Vorträge umzusetzen.

Für die Regie ihrer „Stadtoperette“ engagierten die Soester die junge Münchenerin Nilufar Münzing. Mit leichter Hand hat die trotz ihrer Jugend schon erfahrene Theaterfrau Profimusiker, Laiensänger und den Chor integriert. Sie lässt die „Fledermaus“ als turbulent-beschwingte Komödie über die Bühne flattern. Themen wie Wirtschaftskrise, Endzeitstimmung, soziale Konflikte, die gelegentlich aus dem „Fledermaus“-Stoff interpretiert werden, spielen keine Rolle. Im Gegenteil: Münzings volkstümliche Inszenierung reißt dank bewährter komödiantischer Tricks und vieler lokaler Anspielungen selbst solche Zuschauer mit, die beim Stichwort „Operette“ sonst nur abwinken.

Michael Busch, musikalischer Leiter des Soester Musikvereins, hat die Strauß-Partitur für die heimischen Gegebenheiten eingerichtet. Dabei gelingen ihm und dem gerade mal elfköpfigen Orchester das Kunststück, bei nur einfacher Stimmbesetzung den geforderten voluminösen Klang beizubehalten.

„Die Fledermaus“ ist bereits die dritte stadtübergreifende Inszenierung eines populären Großwerks. Auf die erfolgreichen Vorstellungen von Mozarts „Zauberflöte“ in der Kirche Neu-St.-Thomä im Jahre 2004 folgten drei Jahre später die „Carmina burana“ von Carl Orff, aufgeführt unter einer eigens errichteten Kuppel im historischen Stadtkern zwischen Dom, Petrikirche und Rathaus. Jedes Mal hatte der Musikverein Verbände, Vereine, Schulen und Einrichtungen einbezogen und die Veranstaltungen zum Event gemacht.

Die Strauß-Operette haben die Planer zum Jubiläum nicht nur wegen ihrer großen Popularität und Treffsicherheit ausgewählt, sondern auch weil sie zu der Zeit komponiert wurde, als sich der Musikverein gründete

1860 ins Leben gerufen, ist der Soester Verein einer der ältesten dieser Art in der gesamten Region. Heute engagieren sich hier rund 120 Mitglieder – die meisten als aktive Chorsänger. Unter dem Vereinsdach musiziert ein kleines Collegium musicum in Streicherbesetzung.

Der Verein ist auch Träger der Soester Musikschule mit über 1100 Schülern – eine in der weiten Umgebung einmalige Konstruktion. Während in den meisten Städten die Kommunen die Schulen komplett unterhalten, bekommt der Musikverein in Soest lediglich Zuschüsse für den Betrieb – ein Zustand, der allerdings gerade in Zeiten leerer Kassen immer wieder zu Problemen führt. Gleichwohl konnte die Schule die Schülerzahl in den vergangenen Jahren immer noch erhöhen, mit allgemeinbildenden Einrichtungen zusammenarbeiten und viele Projekte anstoßen.

17., 18., 21., 24., 25.4.

Tel. 02921/4253 oder 02921/666446

http://www.stadtopersoest.de

Quelle: wa.de

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