Filmplakate von Renato Casaro im Folkwang Museum Essen

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Renato Casaros Plakat zur Italo-Western-Komödie „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1969). ▪bella

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Es gibt sie nicht mehr, die guten alten Filmplakate. „Nur noch in Hollywood“, sagt René Gohnert. Der Leiter des Deutschen Plakat Museums in Essen meint das künstlerische Plakat, das rar geworden ist.

Heute setzten vor allem Grafikdesigner die Blow-up- und Info-Plakate am Computer zusammen, mit denen vor und in den Kinos für Filme geworben wird. Ihr digitales Material sind Setfotos und Filmbilder. In den 50/60er Jahren gab es dagegen einen künstlerischen Boom. Damals zeichnete sich die Entwicklung der internationalen Grafik auch auf dem Kinoplakat ab. Dennoch sollte die Werbefläche, die auf Litfasssäulen und Hauswänden zu sehen war, kein optisches Trendgeschäft werden. Damals demonstrierte der Italiener Renato Casaro, dass Filmwerbung malerisch sein konnte und mit erzählerischen Standards wie typisierten Stars erfolgreich war. Im Museum Folkwang ist dem letzten großen Kinoplakatmaler eine umfangreiche Ausstellung gewidmet.

„Gemalter Film – Plakate von Renato Casaro“ ist der Titel einer Schau, die mehr zeigt als bedrucktes Papier. Denn für Casaro war die Vorzeichnung das eigentliche Hauptwerk seiner Arbeit. Auf diesem kleineren Format lässt sich studieren, welche malerische Qualität den Italiener auszeichnete. Den großformatigen Drucken fehlte es im Detail an Intensität. Aber das Dramatische, die Bewegung und die inhaltliche Aussage transportieren auch sie vortrefflich. Zum Beispiel bettete Renato Casaro den Darsteller Terence Hill zum Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1969) auf eine Pferdepritsche auf dem Weg durch die Wüste. Er charakterisierte die provokante Figur des „Joe“ vortrefflich. Hill machte zusammen mit Bud Spencer, der den Haudrauf mimte, das klamaukige Genre zum Erfolg.

Renato Casaro konnte sich in die Filmhelden einfühlen und eine besondere Bedeutungstiefe erreichen. Er war ein Freund der Schauspieler und Bewunderer des Kinos. Mit seinen Plakaten hatte bereits der Italo-Western seit Beginn der 60er Jahre einen internationalen Siegeszug angetreten. Auch die komödienhafte Variante dieser knallharten Westernparodie kam ab 1968 beim Publikum an. Für „My Name is Nobody“ malte Casaro zwei Plakate. Das erste zeigte Terence Hill von hinter, und das zweite drehte sein Bildmotiv. Der Kinogänger konnte nun den Schauspieler von vorne sehen. Wenig später war das Motiv entschlüsselt, richtig sichtbar.

Casaro fand immer wieder ästhetische Lösungen für seine Auftragsfilme. Das Zentrum des Plakats wurde meistens vom Star dominiert. Dazu stellte Casaro Schlüsselszenen aus dem Film, die Spannung transportierten. Eine Reihe von Re-Editionen, die Hollywood in die europäischen Kinos brachte, wurden mit Casaro-Plakaten beworben. John Wayne ist 1970 auf einem Plakat groß zusehen, während Indianer am unteren Bildrand angreifen. „Panik am roten Fluss“ stammte von 1948. Für „Zwölf Uhr mittags“ (1952) malte Casaro nur Gary Cooper, weil 1958 die Story des Edel-Westerns um den einsamen Sheriffs längst bekannt war.

Renato Casaro, 1935 in Treviso (Norditalien) geboren, sollte schnell zum erfolgreichen Gebrauchsgrafiker werden. Bereits 1955 gründete er ein eigenes Studio in Rom und war Italiens jüngster Plakatmaler. Er arbeitete in der Glanzzeit des italienischen Kinos. Als der Neorealismus mit Roberto Rosselini und Vittorio de Sica von populären Nachkriegskomödien mit Sophia Loren und Gina Lollobrigida abgelöst wurde. Die Cinecitta-Studios bei Rom produzierten Kolossalfilme zur römischen Geschichte. International setzte sich Casaro durch, als er 1965 Dino de Laurentiis Film „The Bible“ bewarb.

Ab den 80er Jahren arbeitete Casaro auch regelmäßig in Hollywood. „Conan – Der Zerstörer“ (Arnold Schwarzenegger, 1984), „Angel Heart“ (Mickey Rourke, 1987) und „Der mit dem Wolf tanzte“ (Kevin Costner, 1990) sind vom Ausdruck kraftvoll, rätselhaft und pathetisch. Auch für deutsche Filme griff Casaro zum Pinsel („Didi – Der Doppelgänger“, „Die unendliche Geschichte“, „Der Name der Rose“).

Casaro spürte allerdings den Druck der US-Studios, die immer mehr Einfluss auf seine Plakatkunst nahmen. Bereits ab 1984 reiste er nach Asien und Afrika, um Motive für seine Malerei zu finden, die sich nicht mehr in den Dienst des Kinos stellte. Zu dem Film „Asterix und Obelix gegen Caeser“ malte er sein letzte Kinoplakat 1998.

Bis 15. April; di-so 10 bis 18 Uhr, fr bis 22.30 Uhr; Katalog 20 Euro

Quelle: wa.de

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