F.G. Klimmeks Roman „Asche und Staub“ im KBV-Verlag

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F. G. Klimmek ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Der Frührentner Karlheinz Schmidt ist wieder da, mit inzwischen 13 kg Übergewicht. F. G.

Klimmeks Roman „Asche und Staub“ ist der dritte Fall um den Misanthropen aus dem Ruhrgebiet, der eigentlich nur in Ruhe im früher schönen, heute durch Bausünden verschandelten Egmond an Zee sein Heineken und Jenever verzehren möchte. Aber nicht nur Riesenwindräder, Baustellen und HellsGrannies mit ihren Rollatoren aus der Seniorenresidenz verderben ihm die schöne Zeit. Da kommt auch ein Brief mit einem Foto, das Schmidt an seine Vergangenheit erinnert und stark motiviert, einen Auftrag anzunehmen, der einfach und gut dotiert erscheint. Er soll als Mittelsmann bei einer Verkaufsausstellung im Ikonenmuseum Recklinghausen eine eher unbedeutende Ikone erwerben, die aus dem Sperrgebiet von Tschernobyl stammt. Aber das Kunstwerk wird ihm vor der Nase gestohlen. Der Amateurdetektiv nimmt seine Ermittlungen auf – und stolpert bald über Leichen.

Der Amateurdetektiv Schmidt ist durchaus kein Anfänger. Aber er überschätzt zuweilen seine Gerissenheit und bereut: „Und ich Dämlack war schon zu viele Jahre aus dem Geschäft, um spätestens jetzt stutzig zu werden.“

Was Klimmeks Serie um Schmidt aus der grauen Masse von Regionalkrimis heraushebt, ist, dass sie sich eben nicht in Schauplätzen erschöpfen. Natürlich schildert er die Topografie korrekt, nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch im Libertypark von Overloon. Bei Waffen geht er vielleicht etwas zu sehr ins Detail, aber er kennt sich eben aus mit Walther SSP und Skorpion CZ. Und er versucht nicht, den korrupten Ortsvorsteher und den betrügerischen Bauunternehmer zum großen Kino hochzujazzen. Seine Schurken haben Format und gute Gründe für ihre Verbrechen, meistens im siebenstelligen Bereich. Im aktuellen Fall legt er eine Fährte zum Schauplatz der Nuklearkatastrophe in der Ukraine, er lässt russische Agenten auftreten und einen skrupellosen Kunsthändler. Man soll zunächst an einen verbotenen Deal mit radioaktivem Material denken. Doch in der Ikone steckt ein viel brisanterer Stoff.

Vor allem aber trifft Klimmek den richtigen Ton zwischen Ironie und Spannung, zeichnet seinen Anti-Helden glaubwürdig und hat ein Gespür für Timing. Und dann fallen ihm auch noch so hübsche Vergleiche ein: „Sein Erstaunen war das eines Priesters, der nicht fassen konnte, dass ein gerade entdeckter Indiostamm aus dem Amazonasdschungel noch nie etwas vom Papst gehört hat.“

F. G. Klimmek: Asche und Staub. KBV Verlag, Hillesheim. 262 S., 9,90 EuroORTSMARKE –

Quelle: wa.de

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