13.500 Fans begeistert

Umjubelter Tourauftakt von Fettes Brot in Köln

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König Boris, Dokter Renz und Björn Beton.

KÖLN - Er war umjubelt, der Auftakt zur Deutschlandtournee von Fettes Brot am Samstagabend in der Kölner Lanxess Arena. 13.500 begeisterte Fans in der nicht ganz ausverkauften Halle nahmen das Motto des aktuellen Albums und der Tour „Drei is ne Party“ zum Anlass, ebenfalls ausgelassen zu feiern.

Von Frank Zöllner

Die Konfetti-Pistolen geben den Takt vor. Als König Boris, Dokter Renz und Björn Beton mit ihren kleinen Kinder-Spielzeugen die riesige Bühne der Kölner Lanxess Arena betreten und ein wenig Konfetti in die Luft schießen, wird sofort das Motto des aktuellen Albums und der Deutschlandtournee vorgegeben: „3 is ne Party“. Und er ist umjubelt, der Tourstart in der Kölner Lanxess Arena.

Einen Tag zuvor hatten die Hamburger Rapper noch im kleinen Düsseldorfer Club Zakk vor 300 Zuschauern geübt. Nun lässt sich mit 13.500 begeisterten Fans eine ungleich größere Masse in der nicht ganz ausverkauften Halle von Beginn an von der ausgelassenen Stimmung mitreißen. Die Hamburger Rapper zeigen sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Mit „Wackelige Angelegenheit“ und dem potentiell neuen Feten-Kracher „Kannste kommen“ machen zwei Songs vom neuen Album den Auftakt – und auch bei den folgenden Nummern „Erdbeben“ und „Emanuela“ wird es nicht ruhiger. Die Brote haben ja durchaus schon melancholischere und nachdenklichere Phasen wie etwa mit dem Song „An Tagen wie diesen“ gehabt. Aber so etwas hat bei diesem Kölner Party-Marathon keinen Platz.

Und es ist eine kleine Wiedervereinigung, nachdem König Boris (Lauterbach) im vergangenen Jahr ein Solo-Projekt unter dem Namen „Der König tanzt“ verwirktlicht hatte. Zwar frotzeln die drei Rapper häufiger über ihr angeblich angespanntes Binnenverhältnis. Doch es ist ihnen in jeder Sekunde anzumerken, dass sie immer noch beste Freunde sind und sich gegenseitig künstlerisch befruchten.

Diese unwiderstehliche Partymaschine ist zudem ein Resultat harter Arbeit. Die launigen Ansagen, la ola mit den Fans und die Einlage, wer zuerst die Literdose dänisches Bier leer getrunken hat, sind punktgenau abgestimmt und waren so bereits im Sommer beim Rock am Ring zu sehen.

Genregrenzen verschwimmen sowieso bei diesen Wortakrobaten, die sich zwischen HipHop, Pop und Disco bewegen. Es ist auch ein optischer Nostalgie-Trip mit Liedern aus der mittlerweile über 20 Jahre dauernden Bandgeschichte. So schlägt das Trio auf in einem Einkaufswagen auf die Bühne gefahrenen Schrottinstumente-Ensemble ein. Auch das Bühnenbild um die Begleitband herum erinnert an eine leerstehende Fabrikhalle.

Schließlich legt eine fünfköpfige Breakdance-Crew bei zwei Liedern eine beeindruckende Choreografie hin – ganz so, als wäre man im New York der 80er Jahre, als Breakdance und Rap untrennbar verbunden waren. Ansonsten heißt es in Anlehnung an die Kollegen von Deichkind „Krawall und Remmidemmi“. Vom funky-flockigen „Nordisch by Nature“ aus dem Anfangstagen bis hin zu den fetten Elektro-Beats von „Bettina, zieh Dir bitte etwas an“ reicht das Spektrum.

Und auch „Jein“, ein lautstark mitgesungener Überhit aus dem Jahr 1996, kommt angesichts des heutigen Bombasts bei Fettes Brot nicht mehr mit der ursprünglich filigranen Trompete aus, sondern wird mit Bass, Schlagzeug und Gitarre den Fans entgegengeschleudert.

Ein weiteres Gimmick hat sich das immer noch wie kleine Jungs auftretende Trio für die erste Zugabe ausgedacht. Zur aktuellen Single „Echo“ tauchen sie am anderen Ende der Halle auf, lassen sich auf einer Extra-Bühne in die Höhe tragen und rufen ihrer Band eben einen Widerhall zu.

Zwei Stunden dauert das Konzert, bei dem niemand auf seinem Platz bleibt. Große Auftritte hat DJ Pauli, die Stammbesetzung seit Anfang 2000 am Plattenteller, etwa bei „KussKussKuss“. Ein wenig Zeitgeist-Kritik gibt es bei „Crazy World“, als Fettes Brot stakkatoartig Überschriften aus den Nachrichten aufzählen und sich über einen fast atem- und zusammenhanglosen Medienkonsum auslassen.

Zwei Solo-Auftritte bleiben zudem König Boris vorbehalten. Bei „The Grosser“ bewegen sich die Hände der Fans über den Köpfen in der Luft und bei „Lauterbach“ wird mit den Fans um die Wette geschrieen. Dazu gibt es ein Rap-Medley als Reverenz an wortakrobatische Kollegen wie Sido, Fanta 4, Seeed, eben Deichkind und Samy de Luxe.

Der Abschluss bleibt aber den „Schwulen Mädchen“ vorbehalten. Mit dem Song mokieren sich die drei Hamburger über die Kritik aus Kollegenkreis an ihrem Spaß-Hiphop. Vermutlich wären diese gerne genauso erfolgreich wie Fettes Brot.

Die weiteren Tourdaten im Überblick:

Mo, 30. Dezember, O2 World, Hamburg

Mi, 22.1.14, Seidensticker Halle, Bielefeld

Do, 23.1.14, Alter Schlachthof, Dresden

Mo, 27.1.14, Zenith, München

Do, 30.1.14, Westfalenhalle 1, Dortmund

Fr. 31.1.14, AWD Halle, Hannover

Sa, 1.2.14, Porsche-Arena, Stuttgart

So, 2.2.14, Emslandhallen, Lingen

Di, 4.2.14, Pier 2, Bremen,

5.2.14, Stadthalle Fürth

Do, 6.2.14, Haus Auensee, Leipzig

Fr, 7.2.14, Columbiahalle, Berlin

Die Setlist:

Wackelige Angelegenheit

Kannste kommen

Erdbeben

Emanuela

Für immer immer

(mit dem 1. Vers von Yasmin)

Rock Mic’s

Da draussen

KussKussKuss

Klaus & Klaus & Klaus

Josephine #Schreibaby

Toten Manns Disco

Mehr Gefühl

The Grosser

Crazy World

Jein

Unmusikalisch

Kalte Füsse

Lauterbach

Rap-Medley mit Reimmonster / Mein Block / Chabos wissen wer der Babo ist / Fremd im eigenen Land / Dickes B / Easy / Sie ist Weg / Weck mich auf / Türlich, türlich / Leider Geil / Rock On / Alles Neu / Rock Me Amadeus / Kids (2 Finger an den Kopf)

Nordisch by Nature (mit What Shall We Do With The Drunken Sailor?)

Echo

Dynamit & Farben

Bettina, zieh dir bitte etwas an

Schwule Mädchen

Quelle: wa.de

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