Festival „Ueber Mut“ mit Eröffnungsfilm „Antoine“

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Der blinde Antoine (vorne) meistert seinen Alltag. Szene aus „Antoine“, Eröffnungsfilm des Festivals. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ MÜNSTER – Lautes Atmen ist in einem dunklen Raum zu hören. Ein kleiner Junge steht an einer Fensterfront und tastet nach dem Rollo-Seil. Geschickt zieht er die Jalousien nach oben und öffnet in der nächsten Szene zielsicher das Fenster. Der sechsjährige Antoine muss jede seiner Bewegungen hören oder fühlen – er ist blind.

Der kanadische Film „Antoine“ aus dem Jahr 2008 ist der Auftakt des vierten bundesweiten Festivals „Ueber Mut“ der Aktion Mensch. Zehn internationale Dokumentar- und Spielfilme werden in den beteiligten Kinos gezeigt. Jeder beschäftigt sich inhaltlich mit dem Untertitel „Engagiert. Couragiert. Kontrovers“. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die sich für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen. Denn Mut hat verschiedene Gesichter wie im Film „Rough Aunties“, in dem Jackie sich im südafrikanischen Township für missbrauchte Mädchen einsetzt. Der Kampf um Unabhängigkeit eines junges Paares mit Down-Syndrom wird in „Monica und David“ thematisiert. „Fritz Bauer – Tod auf Raten“ handelt von der rückhaltlosen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik. Die 19 überregionalen und 3000 lokalen Kooperationspartner wie Amnesty International, Awo, Caritas und Unicef wollen mit der Filmauswahl Vorurteile überwinden. Sie wollen aber auch über eine gerechtere Gesellschaft diskutieren. Deshalb werden die Inhalte des Festivals barrierefrei umgesetzt. Die Filme sind für Hörgeschädigte mit Untertiteln ausgestattet, die nicht nur den Text, sondern auch Musik und Geräusche wiedergeben. Blinde Menschen können eine Audiodeskription nutzen. Im Rahmen des Programmes werden zu jedem Filmthema Gesprächspartner eingeladen.

Antoine ist von Geburt an blind und muss in seinem Alltag zahlreiche Hürden überwinden. Mit seiner lebhaften Fantasie schafft er sich seine eigene Welt, die, so scheint es für den Betrachter, auf eine ganz eigene Art farbig und lebendig ist. Regisseurin Laura Bari zeigt in Nahaufnahmen die unbeschwerte Natur des Jungen, der eine normale Schule besucht. Während seine Mitschüler mühelos mit einem Ball im Sportunterricht hantieren, braucht Antoine Unterstützung von einer Lehrerin. Und trotz der Hilfe meistert er anscheinend ohne Anstrengung die Aufgaben. Dem Zuschauer soll vermittelt werden, dass ein blinder Junge das Gleiche tun kann wie ein Sehender.

So macht Laura Bari Antoine zum Co-Autor ihres Films und entwickelt eine zweite fiktive Ebene. Als Privatdetektiv ist Antoine auf der Suche nach der mysteriösen Madame Rouski, die sich beim Duschen in tausend Tropfen aufgelöst hat. Zusammen mit zwei Freundinnen ermittelt der Blinde in diesem Fall. Die von Bari geschaffene Umwelt zeichnet sich durch ihre uneingeschränkte Gleichberechtigung aus. Antoine rennt, fährt Auto und malt wie ein Sehender. Die farbenprächtigen Naturaufnahmen, zum Beispiel eine Wiese übersät mit blühenden Löwenzahnpflanzen, spiegeln die Welt von Antoine. Sie sind Ausdruck seiner Wahrnehmung, die weder schwarz noch düster ist.

Das verspielte Abenteuer transportiert eine simple Botschaft: Was die Sinne nicht wahrnehmen können, ersetzt die grenzenlose Fantasie.

Das Filmfestival „Ueber Mut“ findet in Münster bis 7. April im Cinema & Kurbelkiste statt.

In Bielefeld ist das Programm bis 6. April im Cinemaxx zu sehen. In Paderborn zeigt das Cineplex die Filme ebenfalls bis 6. April.

http://www.uebermut.de

Quelle: wa.de

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