Festival „Mord am Hellweg“ eröffnet

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Lesen und erzählen in Unna: Schauspielerin Iris Böhm, Moderatorin Antje Deistler und Autorin Helene Tursten ▪

Von Carmen Möller-Sendler ▪ UNNA–„Wenn du in dieser Welt hier aufwächst, Sweet Mister, dann musst du hellwach sein!“ So lautet der Rat, den US-Autor Daniel Woodrell die vom Leben und den Männern gebeutelte Mom ihrem 13-jährigen Sohn mit auf den Weg geben lässt, dem übergewichtigen Protagonisten seines Krimis „Der Tod von Sweet Mister“. Sie ist zu allem bereit, um den Kleinen vor den Übergriffen seines Stiefvaters zu schützen.

Woodrells Geschichten spielen in einem Milieu, in dem man sich irgendwie durchs Leben schlägt, zur Not gegen das Gesetz. Die Figuren findet er vor seiner Haustür. Als die Verfilmung seines Werks „Winters Knochen“ für vier Oskars nominiert wurde, „war ich doch sehr froh, dass meine Nachbarn mir das nicht übel genommen haben“, verriet er bei der Eröffnung des sechsten Festivals „Mord am Hellweg“ in Unna.

In der Tanzschule Kochtokrax stellten er und drei Kollegen ihre Werke vor, musikalisch aufgelockert vom Jazz-, Rock- und Pop-Ensemble des Landespolizeiorchesters NRW mit Krimi-Themen vom „Alten“ über „Die Straßen von San Francisco“ bis zum „Tatort“. Kulturministerin Ute Schäfer lobte die Veranstaltung als „gelungene Verbindung von internationaler Ausstrahlung und regionaler Verankerung“.

Neben Woodrell las auch Viveca Sten aus „Die Toten von Sondhamn“. Die Chef-Juristin der schwedischen und dänischen Post hat die Figur des Kommissars Thomas Andreasson erfunden. Und der, erzählte sie, sei so sympathisch, dass Leserinnen anriefen und seine Telefonnummer haben wollten. Dabei war auch Rita Falk, bayrische Erfinderin des deftigen Alpen-Krimis und des Dorfpolizisten Franz Eberhofer, mit „Schweinskopf al dente“, und die Schwedin Helene Tursten, die Unna bereits von den Recherchen zu ihrem Anthologie-Beitrag 2010 kennt.

Bekannte Schauspieler unterstützten die Autoren: Folker Banik las Woodrell auf Deutsch, mit Viveca Sten kam Peter Lohmeyer auf die Bühne, und mit Helene Tursten die Frankfurter Tatort-Gerichtsmedizinerin Iris Böhm. „Im Schutz der Schatten“, Turstens neuer Krimi über organisiertes Verbrechen, erschien erst nach seiner Verfilmung: Die Nachfrage nach der nächsten Folge um Ermittlerin Irene Huss war so groß, dass Tursten erst das Drehbuch liefern musste, bevor sie das Buch fertig schreiben konnte.

Die Hellweg-Region hat jede Menge Krimi-Größen zu Gast – von Joy Fielding bis zu Donna Leon. Es gibt eine deutsch-polnische Kriminacht, Lesungen in Gefängnissen, beim Bestatter und auf dem Firmengelände des Abfall-Entsorgers Remondis, einen Crime Workshop für Selbstschreiber.

Heute wird in Hamm die sechste Auflage der Krimi-Anthologie vorgestellt, die zum Festival erscheint. Die Geschichten im „Kalendarium des Todes“ spielen nicht nur an einem bestimmten Ort, sondern auch an einem bestimmten Tag. Erstmals schrieben fachfremde Autoren mit: So stellen heute Tenor René Kollo und „Tatort“-Darsteller Joe Bausch ihre Geschichten vor.

Buchvorstellung Bistro Hafen 82, Hamm, heute, 19.30 Uhr,

H.P. Karr, Herbert Knorr & Sigrun Krauß (Hgg.): Kalendarium des Todes. Grafit Verlag, Dortmund, 351 S., 11 Euro

Beim größten europäischen Krimifestival gibt es 180 Veranstaltungen mit 125 Autoren. Für den Euriopäischen Krimi-Preis, der am Abschlussabend in Unna verliehen wird, sind Veit Heinichen, Petros Markaris und Fred Vargas nominiert.

Bis 10.11.,

Tel. 02303/ 96 38 50,

http://www.mordamhellweg.de

Quelle: wa.de

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