Feine Sahne Fischfilet begeistern in Dortmund

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Gab alles für einen starken Abend: Sänger Jan „Monchi“ Gorkow von Feine Sahne Fischfilet in Dortmund.

DORTMUND - Glückselige und verschwitzte Gesichter, ein energiegeladener Rausch mit größtem Körpereinsatz bei verzerrten Gitarren, polterndem Schlagzeug und jaulenden Trompeten. Die derzeit angesagteste deutsche Punkrockband „Feine Sahne Fischfilet“ machte im Rahmen ihrer „Alles-auf-Rausch“-Tour ihren Auftritt in der ausverkauften Phönixhalle in Dortmund für die rund 3000 Besucher und für sich selbst zu einem ekstatischen Erlebnis.

Dafür wurde die Punkrock-Ska-Band aus Mecklenburg-Vorpommern frenetisch und bis zur völligen Erschöpfung gefeiert. Wobei Sänger Jan „Monchi“ Gorkow sogar noch kurz vor dem Konzertende behauptet: „Ihr schwitzt ja gar nicht. Jetzt geht’s hier rund.“ Das war nur Koketterie, damit die ohnehin klebende und wogende Masse noch eine Eskalationsstufe zulegt bei diesem räudigen und biestigen Abend von einem Konzert. Es war ein rauschendes Fest: Die Agitpunks „Feine Sahne Fischfilet“ feierten mit ihren Fans, als gäbe es kein Morgen mehr. Der massige Sänger Jan Gorkow spritzt vom ersten Moment an Bier ins Publikum und verteilt ohne Unterlass Bierflaschen an die wild tanzenden Fans. Sein rotes Hemd ist früh komplett durchnässt von Bier und Schweiß.

Die Mischung aus Rock, Punk und Ska der sechsköpfigen Band wird von einem hyperaktiven Drummer angetrieben und von zwei Bläsern angeheizt – auf den Getränkebechern bezeichnen die Jungs von der Ostseeküste ihren Musik als „antifaschistische Bierzeltmusik“.

Mit ihrem Anliegen, sich lautstark gegen ausländerfeindliche und neonazistische Umtriebe zu positionieren, sind sie so etwas wie die Band der Stunde. Sie waren im Vorprogramm der Toten Hosen, werden auf großen Festivals spielen und durften ihre Ansichten auch in den „Tagesthemen“ darlegen.

„Egal ob auf dem Dorf oder in der Stadt. Bei euch ist es auch nicht viel besser als bei uns. Hier ist genauso viel Scheiße“, sagt Gorkow mit Blick auf die starke Neonazi-Szene in Dortmund. „Angst frisst Seele auf“ ist ein Song, mit dem die Band aus Mecklenburg-Vorpommern auf das Lied einer Nazi-Band reagiert, in dem dazu aufgefordert wird, die linke Politikerin Katharina König umzubringen, die im NSU-Untersuchungsausschuss sitzt.

In „Suruc“ erzählt Gorkow davon, wie die Band im Rahmen eines Hilfstransportes nach Syrien ein Selbstmord-Attentat mit 31 Toten und über 70 Verletzten miterlebte. Wie das zu ertragen sei, hatte Gorkow einen Familienvater gefragt, der dabei zwei Kinder verlor: „Wir sind für das Leben, die sind für den Tod“, sagte der mit Blick auf den Anschlag durch den Islamischen Staat.

Doch diese dezidiert antifaschistische und solidarische Haltung wird keinesfalls bierernst vorgetragen, wie schon Liedertitel wie „Für diese eine Nacht“ und „Alles auf Rausch“ zeigen. Früh geht in der wilden Menge vor der Bühne ein Bananenboot über die Köpfe, auf das drei Fans klettern. Zu ihrer Hymne „Komplett im Arsch“ begibt sich Gorkow in die wilde Fanmeute. Aus einem mannshohen Tank werden Schläuche mit Freischnaps („Pfeffi“) ans Publikum verteilt, den Schnaps gibt es auch zum Vorzugspreis an den Getränkeständen. Auch auf vielen von der Band verkauften T-Shirts steht: „Niemand muss nüchtern sein.“ Ihre Verwurzelung in der Provinz wird auch mit dem Lied „Geschichten aus Jarmen“ gewürdigt, in dem sie von ihrem jährlichen Dorffest singen. Ergreifend ist die Ballade „Warten auf das Meer“, in dem es um Tod eines Freundes geht.

Quelle: wa.de

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