Familie Tetzlaff in Kurhaus Hamm zum Leben erweckt

HAMM – Wiedersehen macht Freude. Das gilt erst recht für Kultfiguren wie die Familie Tetzlaff aus Wolfgang Menge 70er-Jahre-Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“. Die feierte am Mittwochabend quasi Auferstehung auf der Kurhausbühne – in einer Bühnenversion des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel. Von Gisbert Sander

Regisseur Gert Becker legt größten Wert darauf, nah am Original zu sein – in diesem Sinne ist ihm größtmögliche Authentizität gelungen. Das beginnt bei der Ausstattung (Elke König) mit stilechtem Kunststoff-Küchenschrank in Blau-Gelb und den „Plöpp“-Bierpullen auf dem Wachstuch des Küchentisches, setzt sich nahtlos fort im Gelsenkirchener Barock des Wohnzimmers und den Kostümen der Darsteller.

Vater Alfred in typischer Schlabberhose, die von Hosenträgern über dem Feinrippunterhemd gehalten werden, Mutter Else im schlichten Kittel, Tochter Rita in aufreizendem, giftgrünem Minirock und Plateauschuhen, Schwiegersohn Michael in pobetonter Schlaghose.

Jürgen Mikol ist die Idealbesetzung für die Rolle des Ekels Alfred: Klein von Statur, leicht untersetzt und mit gestenreichem Gehabe kam er dem „Original“ Heinz Schubert extrem nahe.

Vesna Buljevic fand schnell in die Rolle der „dusseligen Kuh“, deren gemächlicher Sprachduktus bestens ausdrückte, wie schnell – oder besser: langsam – ihre Gehirnwindungen arbeiten.

Verena Held mimte ganz die dralle Tochter mit Sexappeal, wenn sie im Minirock beim Putzen mit den Hintern wackelte oder ihren Mann bezirzte. Den verkörperte Dennis Laubenthal als langer Schlacks und „Sozi“-Freund, dem es vor allem in der zweiten – mit einigen Slapstick-Einlagen angereicherten – Szene gelang, bei Schwiegervater Alfred solche Wutausbrüche zu provozieren, dass dieser „Stöpsel“ abging wie eine Rakete.

Es passte also alles in dieser Komödie aus vergangenen Zeiten – mit einer Ausnahme: Die „Sozis“ sind zurzeit eben nicht an der Regierung. Um die humorigen Hintergründigkeiten in vollem Umfang zu erkennen und aus vollem Halse lachen zu können (was häufig genug geschah), war eine Voraussetzung das Wissen über die jüngere deutsche Geschichte. Beispielsweise, als Else mit der Aufzählung der Bundeskanzler vergangener Tage überfordert war und Alfred seine – durch den verschütteten Punsch entstandenen – „Brand(t)wunden“ in der mit Wasser gefüllten Kartoffelschüssel kühlte.

Quelle: wa.de

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