Esa-Pekka Salonen beginnt Residenz am Konzerthaus Dortmund

+
Esa-Pekka Salonen dirigierte zum Auftakt seiner Residenz in Dortmund Sibelius und Schumann. ▪

Von Edda Breski ▪ DORTMUND–Zuletzt hat man in Dortmund die Minuten und Sekunden bis zum ersten Taktschlag gezählt: Esa-Pekka Salonen, finnischer Stardirigent und Komponist, ist in Dortmund angekommen und beginnt in dieser Woche mit einer „Zeitinsel“, einem dreitägigen Minifestival, seine Residenz am Konzerthaus.

Bis 2013 hat sich der 52-Jährige als Exklusivkünstler in Dortmund verpflichtet. Mit einem musikalischen Countdown haben Musiker die letzten 24 Stunden vor Beginn des ersten Salonen-Konzertes am Dienstag begleitet. Man will auftrumpfen mit dem Stargast, der 17 Jahre Chef des Los Angeles Philharmonic war. Salonen wird ein Werk für Dortmund komponieren, und er plant Kooperationen mit Museen. Der nächste Auftritt im Konzerthaus ist laut Intendant Benedikt Stampa für November 2011 geplant.

Für seinen Auftakt hatte Salonen Schumann und Sibelius gewählt, also einen Brückenschlag zwischen deutschem romantischen Repertoire und dem spätromantischen finnischen Nationalkomponisten. Es spielte das Philharmonia Orchestra aus London, dessen Principal Conductor Salonen ist; den Solopart in Schumanns Klavierkonzert übernahm Antti Siirala, einst Junger Wilder in Dortmund, für die eigentlich vorgesehene, aber erkrankte Hélène Grimaud.

Robert Schumanns Ouvertüre zu „Genoveva“ eröffnete den Abend. Salonen begann behutsam und führte das Philharmonia Orchestra zügig durch die vorgestellten Leitmotive bis zu einem optimistischen, energievollen Schluss. Es deutete sich an: Salonen mag einen schönen Klang und bürstet strukturell gerne gegen den Strich. Temporückungen und unvermittelte Ritardandi vereinten sich mit Passagen, in denen Salonen im Streicherklang schwelgte.

So dirigierte er auch das Klavierkonzert: die Parts, in denen das Orchester das Motiv weitertrug, sangen und leuchteten. Dabei verdichtete sich der Streichersound, wurde ein wenig dick. Dagegen setzte Salonen die kammermusikalischen Passagen, die er behutsam ausführen ließ. Antti Siirala spielte seinen Part ebenfalls zurückhaltend, weich im Anschlag, zart und zurückhaltend in der Phrasierung. Ein wenig erinnerte das an die Art, in den 50er Jahren Mozart aufzuführen: schön, leuchtend und glatt.

Bis hierher: Die Lemminkainen-Suite von Jean Sibelius füllte den zweiten Teil des Abends aus. In Deutschland ist aus der Suite am ehesten „Der Schwan von Tuonela“ bekannt mit seiner klagenden Englischhornmelodie. Salonen ließ einen schwärmerisch-mythenhaften Tonfall spielen, ein zunächst vor allem süffiger Klang mit effektvollen Details. Durch die Sätze steigerte er sich zu enormer Wucht. Das Philharmonia Orchestra – übrigens das Ensemble, mit dem er in den 80er Jahren seinen internationalen Durchbruch feierte – gab ihm einen Breitwandsound, ein wie sandgestrahltes Blech und eine dynamische Vielseitigkeit, aus der Salonen Reibungspotenzial für den Sibelius erschloss: Mit Temporückungen und Akzentverschiebungen feilte er aus der Partitur Effekte heraus.

Den Abschluss machte das Sibelius‘sche Zugabe-Paradepferd: Die „Valse triste“, beschleunigt zum rauschhaften Tanz, mit zarten Pianoeffekten dazwischen.

Esa-Pekka Salonen setzt die „Zeitinsel“ heute mit Ravel, Debussy und Prokofjew fort. Freitag dirigiert er Wagners „Tristan und Isolde“ in einer halbszenischen Produktion in der Regie von Peter Sellars, mit Videoinstallationen von Bill Viola. Für beide Abende sind noch Karten zu haben.

Tel. 02 31/22 696 200

http://www.konzerthaus-dortmund.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare