Erzählungen von Hilary Mantel: „Die Ermordung Margaret Thatchers“

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Hilary Mantel

Von Ralf Stiftel -  Schon der Titel provoziert. „Die Ermordung Margaret Thatchers“. Damit macht man sich in Großbritannien keine Freunde, selbst wenn es viele Kritiker der „Eisernen Lady“ gibt. Hilary Mantel, zweifache Gewinnerin des Booker Prize und bekannt für voluminöse Historienromane, legt einen Band mit Kurzgeschichten vor. Die Titel-Erzählung bildet den Abschluss. Es ist eine abgründige Rachefantasie.

Eine Dame in einer der besseren Gegenden Londons erhält 1983 Besuch, den sie bloß einlässt, weil sie denkt, es sei der Klempner. Es ist Brendan, Ire, Terrorist, mit einem „Witwenmacher“ und guten Manieren. Das Frivole liegt im konventionellen Ton, in dem das Attentat verhandelt wird. Die Ich-Erzählerin macht sich zur Komplizin, kocht dem Gast Tee, zeigt ihm einen Fluchtweg.

Tatsächlich ist Margaret Thatcher, die am Ende an Demenz litt, ja erst 2013 friedlich entschlafen. Hilary Mantel hat sich eine alternative Wirklichkeit ausgedacht. „Die Geschichte hätte immer auch anders sein können“, schreibt sie. Sie schlägt einen Bogen von politischer Gewalt zum Attentat: „Freuen Sie sich“, hat Thatcher zum Falkland-Krieg gesagt. „Freuen Sie sich“, meint Brendan am Ende, vor seinem Schuss.

Mantel erweist sich als Meisterin leiser Töne. Eine Erzählung spielt in Saudi-Arabien, autobiografisch grundiert – Mantel lebte dort vier Jahre lang. Sie fordert mitdenkende Leser. Die allerdings können alltäglichen Horror erleben. Zum Beispiel in „Winterferien“, wo es um den Transfer vom Flughafen zum Hotel geht und wo der Taxifahrer kein Rehkitz überfährt, sondern etwas anderes, und wo der Unfall mit der lieblosen Beziehung des Paares korrespondiert, das wohl traurige Tage erleben wird.

Hilary Mantel: Die Ermordung Margaret Thatchers. Deutsch von Werner Löcher-Lawrence. DuMont Verlag, Köln. 158 S., 18 Euro

Quelle: wa.de

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