Die erste Werkschau auf den Maler Theodoor van Loon in Brüssel

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Fröhliches Treffen an der Krippe: Theodoor van Loons „Anbetung der Hirten“ ist in Brüssel ausgestellt.

BRÜSSEL - Hier feiert die barocke Sinneslust ein Fest. Diese „Anbetung der Hirten“ findet nicht abgelegen und leise statt, hier geht es laut zu. Der Himmel öffnet sich gerade im richtigen Augenblick, um den Soundtrack zu liefern.

Und Hirten? Hier ist eine Dorfgemeinschaft versammelt. Gewiss, der kräftige Herr links hält sein Schaf. Aber die Dame in Rot vorne, die ihr Kind zur Krippe blicken lässt, die ist doch zu elegant frisiert für eine Schäfersfrau.

Theodoor van Loon schuf dieses Gemälde, und wenn man es betrachtet, mag man kaum glauben, dass der Künstler all die Figuren samt Schaf, Ochse, Esel, Hund und Huhn auf einer gerade 60 Zentimeter hohen Leinwand unterbrachte. Dies ist nur die Skizze zu einem Altarbild, das wie andere Monumentalkompositionen des Meisters wohl drei, vier Meter hoch war. Die ausgeführte Fassung ist verschollen. Die Skizze aber, normalerweise im Pariser Louvre, kann man jetzt im Bozar, dem Palast der Schönen Künste, in Brüssel bewundern, in der Ausstellung „Theodoor van Loon. Ein Caravaggist zwischen Brüssel und Rom“.

Theodoor van Loon (1581/82–1649) war zu Lebzeiten so berühmt wie Rubens und van Dyck. In der Kunstgeschichte verlor sich dann freilich seine Spur. Seine pathetischen, dramatischen, übervollen Kompositionen waren zu sehr an den Zeitgeschmack gebunden. Doch seine opulenten Kompositionen, gerade in den reifen Jahren mit größter illusionistischer Sicherheit ausgeführt, sind eine Wiederbegegnung wert. Zumal sie zu den wichtigen Dokumenten der gegenreformatorischen Kunst zählen. Van Loon malte bevorzugt für Kirchen, seine Auftraggeber waren neben dem Hof der Erzherzöge Albrecht und Isabella in Brüssel vor allem Klöster. Rund 50 Werke sind ausgestellt, neben bedeutenden Gemälden eine Zeichnung und Druckgrafik des Meisters, aber auch Arbeiten von Zeitgenossen. Es ist die erste Ausstellung des Barockmeisters überhaupt, zweite Station ist das Musée national d‘histoire et d‘art in Luxemburg.

Geboren wurde van Loon im heute deutschen Erkelenz, damals Teil der spanischen Niederlande. Man weiß wenig über sein Leben, einiges ist durch Dokumente belegt. Sicher ist, dass er mehrmals nach Rom reiste, wo er die italienischen Meister studierte, allen voran Caravaggio, aber auch Federico Barocci und Ludovico Carracci. Wahrscheinlich wohnte er eine Zeit lang in Löwen. Er starb in Maastricht, wo er bei der Witwe des Bürgermeisters wohnte, der er die Hälfte seines nicht unbedeutenden Vermögens vererbte.

Von Caravaggio lernte van Loon das meisterliche Spiel mit Licht und Schatten. In einem großen Altarbild mit einer weiteren Anbetung der Hirten macht er das Christus-Kind zur einigen Lichtquelle des Gemäldes und modelliert aus dem nächtlichen Dunkel suggestiv die Figuren, so dass der Betrachter meint, sie in Bewegung zu sehen. Er übernahm durchaus auch Motive von seinem etwas älteren Kollegen Peter Paul Rubens. Aber er bleibt doch geprägt durch die Einflüsse italienischer Meister, die er phantasievoll umsetzte. Vor allem aber beschränkte er sich fast ausschließlich auf sakrale Motive: Szenen aus der Bibel und aus Heiligenlegenden, Darstellungen der Heiligen Familie, Porträts von Heiligen.

Hier allerdings trägt er richtig auf. Man beschaue nur seine Version des Martyriums des Lambertus. Da sieht man den bärtigen Heiligen vor dem Altar, wie er vor Schock und Schmerz die Arme in die Luft reißt, während zwei Landsknechte ihm die Lanzen in den Rücken rammen. Das Blut spritzt nach vorn. Aber auf Lambertus‘ Antlitz fällt eine Lichtstrahl aus dem Himmel, und ein Engel bringt ihm die Palme des Märtyrers. In einem Moment hat van Loon die ganze Geschichte erfasst und in eine überaus dynamische Komposition übertragen.

Ähnlich virtuos stellt er die Bekehrung des Heiligen Hubertus dar, wobei der die Perspektive geschickt so einrichtet, dass der Hirsch mit dem Kruzifix im Geweih den knienden Mann überragt, so als sei er der Jäger und Hubertus die Beute.

Aber am liebsten langt er richtig zu, wie in der mehr als dreieinhalb Meter hohen Himmelfahrt Mariens, die in einem Theater spielen könnte. Unten sieht man eine Art Brüstung, wie von einer Loge, freilich sitzen darauf einige trauernde Frauen. Die Gottesmutter sitzt auf einer Wolke, umwimmelt von einem Schwarm niedlicher Putti, und wieder setzt van Loonhöchst effektvoll das Licht ein, um den Blick zu lenken.

So bietet van Loon ein perfektes Beispiel für die barocke Kunst der frommen Inszenierung.

Bis 13.1.2019, di - so 10 – 18 Uhr, Tel. 0032 / 2 / 507 8200, www.bozar.be,

Katalog (nl./frz.), 49,95 Euro

Quelle: wa.de

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