Eros Ramazzotti singt in Oberhausen Italo-Pop

OBERHAUSEN ▪ Die Hand steckt in der Hosentasche, die Gitarre baumelt um den Hals. Selbst bei den ganz großen Hits gibt sich Eros Ramazzotti betont lässig. Von Andreas Sträter

Der Schmusesänger muss nicht viel machen, um 9 000 Fans in der Arena Oberhausen glücklich zu machen. Selbst das Bühnenbild bleibt schlicht: Ein riesiger Schiffscontainer schwebt zu Beginn von der Decke auf die Bühne, dahinter türmen sich acht weitere graue Container in den Hallenhimmel. Die her-abgelassene Box öffnet sich: Vor einem Schreibtisch mit Lampe sitzt Eros Ramazzotti, der sich als Denker inszeniert und damit auf die Poesie seiner Texte anspielt. In seiner Welt ist der Himmel immer weit und die Panoramafenster, aus denen er stets mit leichtem Silberblick in die Ferne blickt, sind riesig.

Passend zum Wohlfühlsound wirken die Musiker wie gute Freunde. Und wenn sich Eros Ramazzotti durch die Powerpop-Nummer „Un Emotione Per Siempre“ wippt, dann fliegen dazu auf einer Leinwand Heißluftballons dem Sonnenuntergang entgegen. Zu „L‘Ombra del Gigante“ spritzen Scheinwerfer zuckend durch die Halle und die Container verwandeln sich zum Großstadt-Sound in Wolkenkratzer. Auf den größten Hit müssen die Fans bis zum Schluss warten: „Piu Bella Cosa“, den er seiner Verflossenen Michelle Hunziker gewidmet hat, ertönt erst in der Zugabe. Weibliche Verstärkung erhält er durch drei stimmstarke Background-Sängerinnen – blond, brünett und schwarzhaarig. Die Damen müssen Cher und Rockröhre Anastacia vertreten, mit denen Ramazzotti einst die Lieder „I Belong To You“ und „Chose Della Vita“ aufgenommen hat. Einen ganz starken Moment erleben die Zuschauer während des Songs „Una Storia Importante“, der sich von der ruhigen Popballade zur ganz großen Hymne erhebt, ebenso kraftvoll präsentiert er das programmatische, elfminütige Stück „Musica É“, das er im Original mit Andrea Bocelli aufgenommen hat. In jedem Stück steckt ganz viel Amore und so schwappt die Liebe zu den Fans über: „Ti Amo“ kreischt eine Frau voller Inbrunst, bevor sie ein weiteres Mal laut losjubelt – diesmal vor Freude über Ramazzottis alten Hit „Dove C’è Musica“, den alle melodie- und einige sogar textsicher mitsingen.

Dieser Mann hat lange Bühnenerfahrung: Seit 25 Jahren tritt er auf, die derzeitige Tournee quer durch Europa ist seine erste seit vier Jahren, und vor kurzem hat er mit „Ali E Radici“ (zu Deutsch: „Flügel und Wurzeln“) sein elftes Studioalbum veröffentlicht. Seit er 1981 seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben hat, hat er mehr als 50 Millionen Platten verkauft, denn er ist der unangefochtene Anführer des Italo-Pop. Er ist für die Italiener das, was für die Deutschen das Oktoberfest ist: populäres Kulturgut, von dem man im Ausland glaubt, man könne damit eine ganze Nation charakterisieren.

Die Arena freut sich über „Buona Sierra! Ciao Oberhausen!“ – und über kleine Spaßeinlagen. Seinen Saxofonisten fordert er mit einigen vorgesungenen Melodien heraus. Das ist garantiert eingeübt und etwas ölig, sitzt aber perfekt und kommt genauso locker rüber wie das Outfit des römischen Popstars. Auf seinem schlichten, schwarzen T-Shirt-Rücken wachsen ihm rote Flügel. Im Pophimmel angekommen, kann er auf Kleiderwechsel verzichten. Die Bühne verlässt er nach 20 Liedern so, wie er gekommen ist: Einfach so entschwindet Eros Ramazzotti im Frachtcontainer und wird nach oben gehievt. Die Lichter gehen an, ein italienischer Traum ist vorüber.

Die Tournee

Nach seinen Konzerten in Oberhausen und Köln am vergangenen Wochenende ist Eros Ramazzotti noch in Stuttgart (23. März, Hans-Martin-Schleyer-Halle), München (25. März, Olympiahalle) und – wieder in NRW – in Halle (Sonntag, 28. März, Gerry-Weber-Stadion) zu hören.

Quelle: wa.de

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