Erich Fröschl zeigt „Druckschichten“

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Erich Fröschl bot seinen Zuhörern eine kurzweilige und charmante Einführung in sein Werk. ▪

HAMM ▪ Schatten, Schemen, Farbstriemen und Konturen drängen an die Oberfläche von Büttenpapier. Hier gewinnt nicht der Stärkere: Ohne die Harmonie des Gesamteindrucks zu gefährden, konkurrieren und überlagern sich Alt und Jung, Buchstaben und Symbole.

Wichtigste Voraussetzung, um sich die Druckgrafiken von Erich Fröschl zu erschließen, ist ein Quäntchen Entdeckergeist. Die rund 40 Kunstfreunde, die gestern der Eröffnung der Ausstellung „Druckschichten“ in der Stadthausgalerie beiwohnten, brachten ihn mit. Und wurden dafür mit erhellenden Einblicken in das Kunsthandwerk belohnt: In dem Bestreben, Zeichen in der Zeit zu hinterlassen, bedient sich Fröschl vieler Techniken und Materialien. Fragmente aus alten Schriften, Stoffe, Bücher, papierne Blenden, die der Farbe zwar nicht vorgezogen, wohl aber vorgeschoben werden – wie Treibgut formieren sich Einzelelemente zu Motiven. Ein Linolschnitt hier, ein Holzschnitt da und unvermittelt taucht ein zeichnerisches Moment auf, dahingeworfen von leichter Hand.

Fröschl zeigt sich als Motiv-Fischer auf der Jagd nach dem, was im Strudel der Zeit verloren gehen könnte. Ein Moment seiner Arbeit, das Helmut Füller, zweiter Vorsitzender des gastgebenden Kunstvereins, in das Zentrum seiner herzlichen Begrüßung stellte. Er erlebe den österreichischen Künstler als sehr reflektierend, sehr denkend, so Füller. „Gehen sie bitte nah ran und lassen sie sich Zeit“, ermutigte er die Anwesenden zu intensiven Studien ohne Anstandsabstand. Gewalzt, gepresst, zerfasert, verätzt – die Materialien offenbaren vielfältige, teils gewaltige Kräfte, denen sie ausgesetzt wurden. Daneben wirkt der Versuch, Gedanken und Ereignisse schriftlich zu fixieren und zu konservieren fast schon rührend. „Er (Fröschl) kämpft mit der Zeit, er kämpft gegen die Zeit“, sagte Füller, der in einem der Bilder sogar ein Buchfragment aus dem Jahre 1825 aufspürte.

Fröschl selbst wählte bildhafte Vergleiche, um den Ausstellungsbesuchern sein Werk nahe zu bringen. Die Erinnerung an die gefüllten Wäscheleinen seiner Kindheit, die im Wind flattern, hat er ins Hier und Jetzt gerettet. Ähnlich wie das Auf und Ab der Wäschestücke, ihr wuchtiges Erscheinen, wenn sie sich bauschen, und ihr scheinbares Verschwinden, wenn der Wind dreht – so verhalte es sich auch mit der Geschichte.

Entscheidend sei der jeweilige Standpunkt, von dem aus Geschichte betrachtet und geschrieben werde. Das sich daraus ergebende Bild von Einstigem sei daher nie ein und dasselbe, obgleich jede Tat, jedes Wort und selbst die kleinste Geste Abdrücke in der Zeit hinterlasse. Der Anspruch, Geschichte aufarbeiten zu wollen, sei vor diesem Hintergrund schwierig, weil „die Bilder sich dem von uns gewünschten Wahrheitsgehalt entziehen“, betonte Fröschl, der seinen Vortrag selbstironisch beendete, indem er die anwesenden Kunstfreunde fotografierte.

Welche Spuren der Künstler in Hamm hinterlassen hat, können Besucher noch bis zum 21. März in der Stadthausgalerie prüfen. ▪ sf

Quelle: wa.de

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