Ellen Schwinzer verlässt das Gustav-Lübcke-Museum Hamm

Die Frau, die das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm prägte: Ellen Schwinzer geht in den Ruhestand. ▪

HAMM – Nach 23 Jahren im Amt wird am Dienstag Ellen Schwinzer in den Ruhestand verabschiedet, die Leiterin des Hammer Gustav-Lübcke-Museums. In gewisser Weise war sie eine Gründungsdirektorin.

Von Ralf Stiftel

Sie übernahm 1993 den Neubau des Museums an der Bahnhofsstraße. Sie baute das Institut auf, das zuvor in einer Nebenstraße ein verstecktes, provinzielles Dasein geführt hatte. 826 000 Besucher kamen seitdem in das Haus. Eine Zahl, sagt sie, „auf die wir stolz sein können“.

Die Stadt am Ostrand des Ruhrgebiets stand vorher nicht auf der Landkarte der Kunstfreunde. Unter der Ägide von Schwinzer änderte sich das mit spektakulären und publikumsträchtigen Ausstellungen, sei es die Eröffnungsschau „Sennefer. Die Grabkammer des Bürgermeisters von Theben“ und „Leben und Tod im Alten Ägypten“ (1999), sei es die prachtvolle Altmeisterschau „Gärten und Höfe der Rubenszeit“ (2001), seien es Präsentationen zur klassischen Moderne wie „Esoterik am Bauhaus“ (2005) und der Malerfreunde Feininger und Klee (2009) oder auch die große Ausstellung mit Werken des britischen Malers David Hockney (2006).

Eine solche Themenfülle ist schwer unter einen Hut zu bringen. Hinzu kamen freilich noch die Stadtgeschichte und immer wieder auch Foren für die Künstler der Region. „Wir sind ein kleines Landesmuseum“, umschreibt Schwinzer die Mischung scherzhaft. Das Lübcke-Museum, eine Gründung von Bürgern im 19. Jahrhundert, ist das einzige Museum am Ort, vereinte so verschiedene Schätze wie die einzige Ägyptensammlung Westfalens, Grafik, Kunsthandwerk.

Die Vielfalt verstand die gebürtige Bambergerin als Herausforderung und Chance. Dabei ging sie die Arbeit eher leise und pragmatisch an. „Malerei fehlte in der Sammlung“, lautete ihre Diagnose, „welche Lücken konnte man schließen? Und was war noch bezahlbar?“ So richtete sie den Blick auf die Kunst der Nachkriegszeit und der Gegenwart. Schon zur Eröffnung des Neubaus hatte die Stadt nach einer langen und nicht immer fair geführten Debatte ein Hauptwerk von Gerhard Hoehme erworben, das Triptychon „Sebastianslegende“ (1986/87). Schwinzer zeigte Ausstellungen mit Künstlern des Informel wie Hann Trier, Emil Schumacher, Bernard Schultze. Sie knüpfte Kontakte, warb Zuschüsse ein, und vermittelte dem Haus Ankäufe und Schenkungen. So kam der Nachlass des Kölner Malers und Sammlers Jupp Lückeroth ans Haus, 164 Werke von 53 Künstlern. Heute verfügt das Gustav-Lübcke-Museum über eine der umfangreichsten und besten Sammlungen im Bereich der Malerei nach 1945. Der künstlerische Nachlass des Malers Hans Kaiser wird in Hamm verwahrt. Auch andere Bereiche wie die Ägyptensammlung und die Angewandte Kunst wurden entscheidend bereichert, wie man in der Ausstellung „Von der Mumienmaske zur Moderne“ noch bis 15. April sehen kann. Schwinzer musste stets mit kleinem Etat wirtschaften, fand aber Unterstützung zum Beispiel beim Museumsverein.

Die Zeiten werden nicht einfacher für das Museum: Geld für große Sonderausstellungen fehlt, die Besucherzahlen, die in den späten 1990er Jahren bei 50 000 lagen, gehen zurück. Es steht eine Renovierung des Baus der dänischen Architekten Bo & Wohlert an. Dem Quotendenken mancher Lokalpolitiker mag sich Schwinzer nicht anschließen. „Vielleicht sind die Ansprüche auch zu hoch?“ fragt sie und verweist auf weitere Aufgaben des Museums, auf das Sammeln, Forschen und Bewahren. Die vielen Tausend Objekte in den Depots, darauf weist sie hin, seien ja ein öffentlicher Reichtum. Da sei es wichtig, dass die Stadt das auch mittrage.

Quelle: wa.de

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