Elfriede Jelineks „Winterreise“ bei „Stücken“ ausgezeichnet

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Elfriede Jelinek ▪

Von Annette Kiehl ▪ MÜLHEIM–Elfriede Jelinek hat mit „Winterreise“ das beste Stück des Jahres geschrieben. Das entschied die Jury der 36. Mülheimer Theatertage „Stücke“ am frühen Mittwochmorgen nach einer öffentlichen Diskussion zum Abschluss des Festivals, bei dem sieben aus 119 neuen deutschsprachigen Theatertexten konkurrierten. Der Publikumspreis geht an „Verrücktes Blut“ des Autoren- und Regieduos Nurkan Erpulat und Jens Hillje.

Elfriede Jelinek erhält den mit 15 000 Euro dotierten Dramatikerpreis 2011 zum vierten Mal, insgesamt 15 Mal wurde sie in Mülheim bereits nominiert. Mit der Entscheidung für ihren Text „Winterrreise“, inszeniert von Johan Simons an den Münchner Kammerspielen, bestätigt die fünfköpfige Jury einmal mehr die große Nähe des Festivals zu der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin. Dabei war sich das Gremium aus Theaterexperten weitgehend einig: Als „gewaltigen Stoff“, der die Musikalität und die monologischen Elemente von Franz Schuberts gleichnamigen Liederzyklus aufgreife, würdigte es Jelineks Stück. Darin seziert sie gewohnt sarkastisch ihre persönliche Familiensituation, verhandelt aber auch Politisches wie einen skandalösen Bankendeal. Der Text sei eine „Reise durch Wortvegetationen“ und erforsche das Gefühl des Fremdseins am Beispiel eines Wanderers, beschrieb es Dramaturg Andreas Marber als Jurymitglied.

Das Stück „Verrücktes Blut“ spaltete hingegen die Diskussionsrunde und wurde mitunter als klischeereich kritisiert. Die Produktion der Ruhrtriennale und des Berliner Ballhaus Naunystraße konfrontiert in einer Klassenraumszene türkische Jungmachos – unter Androhung einer Waffe – mit Schillers Drama „Die Räuber“. Das Festivalpublikum war begeistert.

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Quelle: wa.de

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