Element Of Crime spielen in Bochum

+
Sven Regener spielt mit seiner Band Element Of Crime in Bochums Jahrhunderthalle.

Von Frank Zöllner BOCHUM - Welch ein netter Zug. Da erscheint Sven Regener auf der Bühne, um die eigene Vorband Apples In Space anzukündigen und anzupreisen. 35 Minuten später steht der Sänger schließlich mit seiner Band in der bestens gefüllten Jahrhunderthalle in Bochum vor seinem Publikum und wird weiter höflich bleiben. Seine Band begeht in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Denn 30 Jahre haben Element Of Crime nun auf dem Buckel als mal garstige oder mal schnurrende Katze.

Der zweistündige Auftritt im Rahmen ihrer Frühjahrstournee wird zu einer umfassenden Werkschau mit allen Facetten, die die norddeutsche Band auszeichnet – und dennoch mit klarem Schwerpunkt auf Liedern des neuen Albums „Lieblingsfarben und Tiere”. Die poetischen Texte sind meist lakonisch und oft schnoddrig. Es sind herunter gekühlte Beobachtungen und Gefühlsbeschreibungen, die in allen möglichen musikalischen Stilen dargeboten werden. Element Of Crime breiten dabei eine betörend-poetische Melancholie aus.

25 Lieder gibt es für die andächtig lauschenden Fans – wobei in jedem Konzert die Reihenfolge und Auswahl identisch ist. Regener, auch erfolgreicher Buchautor („Herr Lehmann, Neue Vahr Süd”), erzählt charmante kleine Anekdoten zu einzelnen Liedern und ihren Hintergründen. Dass so viele zuhören und die Band aus Bremen kommerziell erfolgreich ist wie nie zuvor, liegt eben auch am literarischen Werk des 54-Jährigen.

Der charismatische Frontmann ist ein formidabler Geschichtenerzähler. So führt er aus, dass er „Immer nur geliebt” vor 15 Jahren für einen Peter-Pan-Abend am Bochumer Schauspielhaus komponierte, aber den Song bis zu dieser Tour kaum spielte. Hier geht es um Captain Hook als großen Widersacher des kindlichen Helden, der Pan nach dessen finalem Sieg bildhaft („Tierfilmschauer, Sitzendpinkler”) ein Leben in Ödnis und Verzweiflung prophezeit. Und so inspirierte auch der Filmtitel „Liebe ist kälter als der Tod” von Rainer Werner Fassbinder zum gleichnamigen Song auf dem neuen Album mit der programmatischen Textzeile „Irgendwas ist immer” – es ist eine wiederkehrende Zustandsbeschreibung aus dem Regener-Kosmos. Dieses „So isses halt” – das ist die beiläufig erzählte Grundhaltung der vierköpfigen Band, die sich mit einem Gastmusiker am Saxophon verstärkt hat. Etwa in „Kaffee und Karin”, wo es ums „jammern und picheln” im Gartencafé geht.

Bei Element Of Crime steigt man auch erwartungsfroh in die „Straßenbahn des Todes” ein. „Delmenhorst” und „Lieblingsfarben und Tiere” sind auch so Lieder, aus denen in schwierigen Beziehungsphasen der Trotz nur so trieft. „Mehr als sie erlaubt” ist ein früher Hit (falls es für die Band so etwas gibt) – bekannt durch die Trompetenpassage Regeners, die Elke Heidenreichs Literatursendung „Lesen!” einleitete. Mit dem atmosphärisch-dicht vorgetragenen „Nightmare” und dem fast schon punkigen „Love And Happiness” (Regener: „Wir können auch anders”) erinnert Element Of Crime an die Anfänge in den 80er Jahren als englischsprachige Band.

Der musikalische Kaminabend mit wunderbar verschnörkelten Melodien umfasst weitere Richtungen wie Country („Dunkle Wolke”), Blues („Immer da wo Du bist bin ich nie”), Chanson („Immer nur geliebt”), Polka („Kaffee und Karin”) sowie einen reduziert vorgetragenen Schunkel-Shant („Vier Stunden vor Elbe 1“), in dem es heißt: „Scheiß doch auf die Seemannsromantik. Denn niemand ist gerne allein auf dem Atlantik”. Das ist der intensivste und später auch bejubeltste Moment des Abends, als Schlagzeuger Richard Pappik im Kunstnebel Mundharmonika spielt und die Bandmitglieder zu Schattengestalten werden – verloren wirkend auf weiter Fahrt. Und das wärmt die Herzen auch ohne den von Regener voller Herzblut vorgetragenen Kampfruf „Romantik!”

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare