Eklat bei Intendantensuche am Schauspielhaus

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Das Düsseldorfer Schauspielhaus.

DÜSSELDORF - Das Düsseldorfer Schauspielhaus kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Erst kündigt der Intendant wegen eines Burnout-Syndroms. Jetzt steht die Findungskommission für einen Nachfolger vor dem Aus. Grund sind lancierte Kandidatennamen.

Eklat bei der Intendantensuche für das Düsseldorfer Schauspielhaus: Vier prominente externe Mitglieder der Findungskommission kündigten am Montag ihre Mitarbeit, nachdem streng vertrauliche Kandidatennamen publik wurden. Der Arbeit der elfköpfigen Kommission droht damit das Aus. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) reagierte mit scharfer Kritik auf die Indiskretionen.

Ruhrtriennale-Chef Heiner Goebbels, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, und der Verlagsleiter Harald Müller beendeten ihre Mitarbeit in der Findungskommission "mit sofortiger Wirkung".

Grund sei, dass aus einer Sitzung "gezielt Interna und Namen" von mehreren Kandidaten der "Rheinischen Post" zugespielt worden seien, schrieb Goebbels am Montag an Düsseldorfs Oberbürgermeister und Kommissionsvorsitzenden Dirk Elbers (CDU). Es beschädige die Kandidaten und sabotierte alle weiteren Gespräche, wenn die Vertraulichkeit nicht mehr gesichert sei. Elbers äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Der bisherige Theaterchef Staffan Holm war Ende November nach nur 16 Monaten wegen eines Burnout-Syndroms zurückgetreten. In der Findungskommission sollten offensichtlich "durch Indiskretionen lokalpolitische Interessen lanciert" werden, kritisierte Goebbels. "Wir stehen dafür nicht zur Verfügung."

Die "Rheinische Post" hatte vergangene Woche die Namen von vier Theaterleuten genannt, mit denen die Kommission vertrauliche Bewerbungsgespräche geführt haben soll. Darunter sind der Oberhausener Theaterintendant Peter Carp und der Regisseur Falk Richter.

Ministerin Schäfer äußerte "großes Verständnis" für den Austritt der vier Theaterleute. "Gezielte Indiskretionen untergraben jedes Bemühen eines ernstzunehmenden Auswahlverfahrens und gefährden auch das Renommee der Kommissionsmitglieder", sagte Schäfer. "Damit ist für mich die Arbeit der Kommission gescheitert." Die Ministerin, die ebenfalls Mitglied des Gremiums ist und eine der fraglichen Sitzungen geleitet hatte, forderte eine sofortige Sitzung des Aufsichtsrats des Schauspielhauses.

Schäfer hatte bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung der Kandidatennamen einen Brief an die Kommissionsmitglieder geschrieben und sich verärgert gezeigt. "Man muss damit rechnen, dass mögliche Kandidaten sich aus dem Verfahren zurückziehen ...", schrieb sie in dem der dpa vorliegenden Brief.

Zur Findungskommission gehören auch der Vorsitzende des Freundeskreises des Schauspielhauses, zwei Mitarbeiter des Kulturministeriums, Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe sowie Elbers' Sprecherin Natalia Fedossenko. Normalerweise werden die Namen von Kandidaten streng unter Verschluss gehalten, um ihnen keine Chancen zu verbauen und sie vor Problemen mit ihren Arbeitgebern zu schützen. Dass gleich mehrere Namen lanciert werden, kommt in der Theaterbranche sehr selten vor.

Die Düsseldorfer SPD sprach von einem "Skandal, der die Suche nach einem geeigneten Intendanten nicht einfacher macht". Die Findungskommission sei "irreparabel beschädigt und kann eigentlich aufgelöst werden", sagte SPD-Bürgermeisterin Gudrun Hock. Das Düsseldorfer Schauspielhaus gehört zu den größten deutschen Sprechtheatern. Es wird von der Stadt und dem Land NRW finanziert. - lnw

Quelle: wa.de

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