„Eine Sommernacht“ am Schauspiel Bochum

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Ein Paar hebt ab: Szene aus „Eine Sommernacht“ in Bochum mit Kinga Prytula und Henrik Schubert.

Von Edda Breski BOCHUM -  Helena ist eine verbitterte Rechtsanwältin, Bob ein heruntergekommener Kleinkrimineller. Nach allen Regeln der RomCom, der romantischen Komödie, müssen beide ein Paar werden. Wie, ist vergnüglich zu beobachten am Schauspielhaus Bochum. Im Theater unten ist das Stück „Eine Sommernacht“ zu sehen, eine Paar-Begegnung, die die Romantik von Shakespeares „Sommernachtstraum“ entlehnt und die Komik aus den Büchern von ChickLit-Autorinnen.

Wie Bridget Jones, die tollpatschige Heldin der Bücher von Helen Fielding, stolpert Helena in die Handlung. Sie hat eine Affäre und fürchtet, von ihrem nicht sehr engagierten Kerl schwanger zu sein. In einer Bar gabelt sie Bob auf, der Dostojewski liest, „zur Aufheiterung“. Die beiden erzählen ihre Geschichte wie ein Paar, das seine Kennenlern-Story schon oft zum Besten gegeben hat: „Das hast du gesagt“ – „Das hab ich nicht gesagt“ – „Das hast du aber gemeint“, so in etwa. Das Timing sitzt. Henrik Schubert als lässiger Halbunterschichtler und die katzenäugige Kinga Prytula bringen auch potenziell alberne Stellen gut rüber. Etwa wenn die beiden im Bett landen und ihre Gedanken im inneren Monolog gegeneinandergeschnitten werden. Merke: Für den modernen Mann im Bett ist Fred Feuerstein keine brauchbare Referenz. Selbst die Stelle, als Bob Helenas Kuschelhasen findet, wirkt komisch anrührend.

Carla Niewöhner, die das Stück von David Greig und Gordon McIntyre inszenierte, hat sich großzügig und geschickt an Filmtechniken bedient. Für ihre schnellen Szenenwechsel braucht es nicht viel: einen Spot, eine verschobene Bank. Auch einen Puck gibt es: Am Mischpult spielt Manuel Loos bei Bedarf SMS-Töne oder Clubmusik ein. Einmal setzt er sich eine pinke Pudelmütze auf und schlüpft in die Rolle von Bobs Penis, um ihm eine Standpauke zu halten. Bobs bestes Stück ist für Monogamie.

Helena und Bob beschließen, am Mittsommertag einmal komplett abzuheben, Bobs ergaunertes Geld auf den Kopf zu hauen und sich danach nie wiederzusehen. Sie tanzen durch die Nacht, erzählen unglaubliche Geschichten mit filmreifen, durchaus vorhersehbaren Wendungen, die sie aber immer charmant durchspielen, und finden sich beim Happy End wieder. Ein Einstünder, der Spaß macht und anrührt und einen fast wünschen lässt, man könne eine ähnliche Leichtigkeit mal in deutschen Kinokomödien erleben.

11., 17.4., 11., 25., 27.5.;

Tel. 0234/3333 5555, www.schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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