„Echoes Of Swing“ spielen auf „Blue Pepper“ alten Jazz – und etwas neueren

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Die „Echoes Of Swing“ sind Bernd Lhotzky, Colin T. Dawson, Chris Hopkins und Oliver Mewes (von links).

Von Ralf Stiftel Werne -  Manche gute Idee stammt aus der Küche. Da hat Bernd Lhotzkys Frau gesagt, „Azzurro“ muss auch noch aufs aktuelle Album der „Echoes Of Swing“. Das sprengt zwar den engeren Bezugsrahmen des Quartetts, das sich stilistisch dem Jazz der 1920er und 1930er Jahre verschrieben hat. Aber es hört sich einfach verdammt gut an, wenn Adriano Celentanos Hit von 1968 auf einmal leichtfüßig daherkommt, als wär’s ein Stück von Duke Ellington.

Manches klingt anders auf der aktuellen, der sechsten CD der Band. „Blue Pepper“ wurde für das Münchner Act-Label eingespielt. Schon vorher hat das Quartett um den Bochumer Saxophonisten Chris Hopkins Erfolge gesammelt mit einer Musik, der das wenige zugetraut hätten, mit traditionellem Jazz. Frühere Einspielungen, die auf dem eigenen Label herauskamen, wurden von Downbeat, dem führenden Musikmagazin der USA, mit vier Sternen ausgezeichnet, erhielten den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und den Prix de l’Académie du Jazz in Paris. Der Vertrag mit Act ist ein Durchbruch. Labelchef Siggi Loch hatte die Band kontaktiert – er hatte ihre Arbeit seit längerem im Blick behalten. Nun sind „Echoes Of Swing“ in einem Katalog mit e.s.t., Nils Landgren, Bugge Wesselthoft. Die stehen für den modernen Sound aus Skandinavien. Act entdeckt gerade in einer neuen Reihe den „Good Time Jazz“.

Chris Hopkins, Trompeter Colin T. Dawson, Pianist Bernd Lhotzky und Schlagzeuger Oliver Mewes spielen „alten“ Jazz. Nicht als Nostalgiker. Sie nehmen die Kompositionen eines Fats Waller, Sidney Bechet, Ellington ernst, als komplexe und schöne Musik, als eine Art Klassik, wie Chris Hopkins erzählt. Gerade haben sie beim Jazzclub Werne gespielt, ein toller Erfolg. Nun plaudern wir über „Blue Pepper“.

„Bisher bildeten unsere CDs unsere Konzerte ab“, sagt Hopkins. Bei Act war das anders. Siggi Loch regte an, ein Thema, ein Motto für die Aufnahme zu wählen. Das wurde die Farbe Blau. „So etwas schränkt natürlich ein“, fährt Hopkins fort, „aber es gab uns auch einige Freiheiten.“ Zum Beispiel erweitern sie ihr Repertoire. „Azzurro“ ist die Rückübersetzung eines Schlagers ins Swing-Idiom. „Und der Komponist Paolo Conte ist ja jazzaffin“, meint Bernd Lhotzky.

Aber gleich das Titelstück, eine Komposition von Ellington, führt in die Bereiche des Modern Jazz. Bei „Blue Pepper“ klingt das Quartett wie eine Hardbop-Formation. Der Groove erinnert an Lee Morgans „The Sidewinder“, ist ein wenig funky, und Dawson treibt die Trompete in expressive Höhen. Und in seiner Komposition „Blue & Naughty“ verbeugt sich Hopkins vor Charlie Parker, zitiert in der getriebenen Melodik den großen Bebop-Pionier. Die Band erweitert behutsam ihr Spektrum. „Wir beziehen Swing nicht unbedingt auf den Stil, sondern verstehen darunter eher eine Eigenschaft, die den Jazz allgemein auszeichnet“, erklärt Hopkins. Insoweit swinge eben der frühe Ragtime von 1910, aber selbst ein Stück des Freejazzers Ornette Coleman.

So weit treiben sie es auf „Blue Pepper“ nicht. Aber sie mischen munter Material von der sentimentalen Popballade „Blue Moon“ bis zum mexikanischen „La Paloma Azul“, das sie über weite Strecken als Bolero spielen. Aber auch Traditionalisten werden zufrieden sein, die „Echoes Of Swing“ bleiben erkennbar mit Stücken wie Sidney Bechets „Black Stick Blues“ und Wallers „Wild Cat Blues“. Am Ende ist dies ihre reifste Platte. Noch immer erkennt man den Ansatz, den alten Jazz als Kunstform des 20. Jahrhunderts zu respektieren, die zeitgleich mit Picasso, Strawinsky, Schönberg entstand, eine Musik, die nicht veraltet. Man merkt, dass hier klassisch ausgebildete Instrumentalisten am Werk sind, die mit ihren dichten Arrangements einen orchestralen Sound erreichen. Dass kein Bassist dabei ist, merkt man kaum, das gleicht der Stride-Pianist Lhotzky mit links aus.

Seit 16 Jahren spielen die Vier in dieser Formation. So lange war kaum ein anderes Ensemble des Jazz zusammen. Bei den „Echoes Of Swing“ zählt der Teamgeist. Jeder schreibt Arrangements, schlägt Stücke vor, macht im Konzert Ansagen. Sie spielten schon in New York, Melbourne, Paris, Tokio. Aber sie sind immer wieder auch gern in der Region, bei engagierten Jazzclubs in Lippstadt, Werne und im Ruhrgebiet.

www-echoes-of-swing.de

Quelle: wa.de

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