Dropkick Murphys in Bielefelds Ringlokschuppen

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Stimmungsmacher: Sänger Al Barr von den Dropkick Murphys im Bielefelder Ringlokschuppen. ▪

Von Tim Griese ▪ BIELEFELD–Die Vorband hat gerade die Bühne verlassen, da schallen schon die ersten „Let’s go, Murphys!“-Chöre aus dem Publikum. Lange warten auf ihre Helden, die Bostoner Punkband „Dropkick Murphys“, brauchen die Zuhörer im Bielefelder Ringlokschuppen nicht. Als der schwarze Vorhang mit einem Ruck auf den Boden fällt, hält die Masse nichts mehr.

Rund 100 Minuten reiten die Musiker durch 15 Jahre Bandhistorie. Zeit zum Verschnaufen gibt es bei der Mischung aus Hardcore- und Punk-Stücken und eigenen Versionen bekannter irischer Volkslieder wie „The Irish Rover“ und „Johnny, I Hardly Knew Ye“, kaum. Immer dabei: Fidel, Banjo, Mundharmonika und ganz besonders der Dudelsack.

Mit ihren keltischen Wurzeln und dem Bewusstsein von Einwanderer-Familien der Arbeiterklasse abzustammen, singen sie in Ed Pickfords „Worker’s Song“ über Männer, die in Fabriken, Häfen und Minen schuften. Und es sind Männer, die man als erste entlässt, wenn die Arbeit knapp wird. In „State of Massachusetts“ erzählen sie von Müttern, die unter häuslicher Gewalt leiden und denen die Kinder weggenommen werden. Und sie berichten von einem feucht-fröhlichen Kennenlernen im Pub mit anschließendem und unfreiwilligem Babyglück in „Spicy McHaggis Jig“.

Apropos Pub: Nahezu jeder Song ist kneipentauglich und wird textsicher vom Publikum mitgesungen. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Fremde liegen sich in den Armen, Getränke – von denen der eine oder andere mehr intus hat, als er verträgt – werden umher gereicht. Und dann ist da auch noch die Band, der die Nähe zu ihren Fans immer wichtig gewesen ist. Das merken die Zuschauer auch bei diesem Konzert. Immer wieder reckt Sänger Al Barr seinen Arm, klatscht mit den Fans ab, springt von der Bühne, lässt sich umarmen und hält das Mikro in die Menge.

Hin und wieder eine kurze Ansage, etwas Smalltalk von Barr, dank seiner Wurzeln auf Deutsch, dann tigert der rastlose Sänger wieder auf und ab und schreit ins Mikrofon. Ken Casey, der immer wieder auch den Gesang übernimmt, bearbeitet unermüdlich den Bass, Tim Brennan spielt das Akkordeon ekstatisch wie eine elektrische Gitarre. Und auch die übrigen Mitglieder sind sehr präsent. Immer wieder ändert die Band aufgrund der vielen verschiedenen Instrumente die Konstellation auf der Bühne.

Überraschungen aber bleiben aus. Die Show ist routiniert und tadellos. Mehr will hier aber auch niemand. Das ist es, was die Zuhörer erwarten. Obligatorisch endet dann auch das Konzert. Als Zugabe holt das Septett die Zuschauer zu sich und spielt die Schunkelhymne „Kiss Me, I’m Shitfaced“. Die Bühne ist voll, die Menge tanzt ausgelassen und die Musiker sieht man gar nicht mehr. Jetzt sind sie alle eins geworden, eine Bande wie im Song „The Gang’s All Here“.

Quelle: wa.de

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