Dreharbeiten zu „Der Medicus“ mit Ben Kingsley

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Die Hauptdarsteller des „Medicus“ (von links): Stellan Skarsgård, Tom Payne und Oscar-Preisträger Ben Kingsley.

Von Alisa Kannapin ▪ KÖLN–Ein persischer Palast, verzierte Steinsäulen, bunt bestickte Sitzkissen. Eine Welt wie aus Tausendundeiner Nacht – mitten in Köln. In den MMC Studios ist eine orientalische Kulisse entstanden, in der zurzeit die Roman-Verfilmung „Der Medicus“ gedreht wird.

Doch nicht nur der Flair aus dem Morgenland liegt über Köln, sondern auch viel Hollywood-Glanz. Oscar-Preisträger Sir Ben Kingsley verkörpert den „Arzt der Ärzte“, Ibn Sina. Das Buch des amerikanischen Autors Noah Gordon hat er selbst aber nicht gelesen. „Ich hatte nicht die Zeit dafür“, sagt er. Er lebe stattdessen in dem Roman und lasse sich von seinen Schauspielkollegen inspirieren, erklärt er. Streng wirkt er in der gold glänzenden Robe des persischen Arztes und mit dem kahl rasierten Kopf. Die zahlreichen Fotografen können dem Hollywood-Star, der nach Gandhi und Lenin nun wieder eine historische Figur verkörpert, kein wirkliches Lächeln beim Pressetermin entlocken. Im Team heißt es, dass die Arbeit mit ihm sehr angenehm sei und professionell ablaufe. Professionell wirkt er, aber auch unnahbar.

Der historische Bestseller „Der Medicus“ des US-Autors Noah Gordon verkaufte sich allein in Deutschland sechs Millionen Mal. Die Geschichte von Rob Cole, der zunächst bei einem Bader in die Lehre geht, sich dort die ersten medizinischen Kenntnisse erwirbt und sich später ins ferne Persien aufmacht, um beim „Arzt aller Ärzte“, dem Ibn Sina, Medizin zu studieren, begeisterte die Menschen. Mit der UFA Cinema hat sich nun ein deutsches Unternehmen mit einem Budget von 26 Millionen Euro des Historienepos angenommen. Seit Mitte Juni laufen die Dreharbeiten, zunächst in Sachsen-Anhalt und Thüringen, jetzt am Rhein. Über 1000 Kostüme, Löwen und Pferde am Set – ein gehöriger Aufwand. In der 32 Meter hohen Produktionshalle in Köln ist der Palast des persischen Schahs und ein Krankenhaus aufgebaut worden. Kostenpunkt allein für die Kulisse: 800 000 Euro.

Tom Payne verkörpert den Medicus Rob Cole. Der Brite mit den eisblauen Augen gilt als Shootingstar und war bisher vor allem im britischen Fernsehen zu sehen, wie beispielsweise in der Rolle des Fußballers George Best im BBC-Film „Best: His Mother‘s Son“ (2009). Für den 29-Jährigen ist „Der Medicus“ nach „Miss Pettigrew lives for a day“ (2008) erst die zweite große Filmproduktion. Entsprechend aufgeregt wirkt er bei der Pressekonferenz, betont, wie gut ihm Köln gefalle, auch wenn er aufgrund der Arbeit noch nicht viel gesehen habe. „Aber das Event ‚Rhein in Flammen‘ war unglaublich“, erzählt er.

Payne reizt an seiner Rolle, dass Rob ein Charakter ohne Grenzen sei, jemand, der seine Ziele verfolgt und davon angetrieben wird, zu lernen und sich Wissen anzueignen. „Seine Ideologie ist beständig und die Geschichte von Rob ermutigt einen dazu, auch selbst weiter zu gehen und mehr zu erforschen“, sagt Payne.

Sein Schauspielkollege Stellan Skarsgård („Fluch der Karibik“, „Verblendung“) ist zum Scherzen aufgelegt. Er freut sich über seine Rolle des Baders, der erste Lehrmeister des „Medicus“ – vor allem, weil er sich mal wieder schmutzig machen durfte. „Das war der Grund, warum ich die Rolle angenommen habe“, sagt er schmunzelnd. „Der Medicus“ spielt unter anderem im mittelalterlichen England des 11. Jahrhunderts, wo man es mit der Hygiene noch nicht so genau nahm. Er sei in so vielen Rollen immer so reinlich, er hätte mal zur Realität zurück finden müssen, witzelt Skarsgård.

Für Regisseur Philipp Stölzl („Goethe!“) hat die Romanverfilmung eine besondere Botschaft. Seit dem Terroranschlag vom 11. September 2001 habe er das Gefühl, dass der Westen eine gewisse Arroganz gegenüber dem Orient hege und man abfällig auf ärmere Länder in Arabien schaue. „Ich finde es schön, dass der ‚Medicus‘ die Menschen daran erinnert, dass ein Großteil unserer heutigen Kultur aus dem Orient kommt“, erklärt er. Weihnachten 2013 soll der Film in die Kinos kommen. Eine längere Version wird zu einem späteren Zeitpunkt als Zweiteiler in der ARD gezeigt.

Quelle: wa.de

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