„Dortmund tanzt“ von Ballettdirektor Xin Peng Wang bietet Choreografien und einen Film

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Hinreißend: Das klassische Pas-de-deux von Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov in Dortmund ▪

Von Ursula Pfennig ▪ DORTMUND–Dortmund braucht sein Ballett, und das Ballett braucht Dortmund. Unter dem Titel „Dortmund tanzt“ wurde die Verbundenheit von Stadt, Kultur und Wirtschaft einddrucksvoll unterstrichen. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit von DSW21, den städtischen Infrastrukturbetrieben, und dem Ballett Dortmund. Ballettdirektor Xin Peng Wang schuf für einen exklusiven Ballettabend unter diesem Titel fünf Choreografien.

Gleichzeitig dienen sie als Grundlage für einen Dokumentations-Film, in dem das Ensemble an verschiedenen ungewöhnlichen Orten tanzt, zum Beispiel in einem Wasserwerk. Auch bei den Proben wird das Ensemble gezeigt, die Tänzer sprechen über ihr Leben und die Bedeutung, die der Tanz darin einnimmt. Neben dem Ballett Dortmund wirken HipHop-Weltmeister Pedram Zamani, die Munchmellow-Crew (Breakdance) und 220 HipHopper aus dem Ruhrgebiet an dem Dokudrama in 3D mit – und die Fans des BVB spielen ebenso eine Rolle wie der Phoenix-See. Die Regie führte Ivan Sertic.

Auch bei der Bühnenversion von „Dortmund tanzt“, die am Samstag im Opernhaus Dortmund uraufgeführt wurde, übernahmen die Breakdancer der Munchmellow-Crew einen Part. Doch geprägt wurde der Abend von den klassischen Choreografien Xin Peng Wangs. Den Auftakt machte Monica Fotescu-Uta mit einem Solo auf Beethovens „Mondscheinsonate“ unter dem Titel „Ich suchte mich, um dich zu finden ...“ Zart und zerbrechlich wirkt die Tänzerin, ihre Bewegungen zu der filigranen Klaviermusik lösen sich nur langsam vom Boden. Die Bühne ist leer bis auf den Flügel, die Projektion von einigen Stahlträgern vor blauem Himmel lässt die Tänzerin noch kleiner erscheinen.

Im nächsten Stück („Wenn ein Schatten auf uns fällt...“) ertönen elektronische Klänge von Robert Ashley: „She was a visitor“ aus seiner Oper „That Morning Thing“. Er schuf sie anlässlich des Suizids von dreien seiner engsten Freunde. Der Satz „She was a visitor“ wird immer wieder emotionslos wiederholt. Auch die Tänzer, drei Männer und eine Frau, alle schwarz gekleidet, wirken auf den ersten Blick gefühlskalt. Ihre Bewegungen sind abrupt, wie digitalisiert. Und doch spricht aus dem Miteinander und den Hebungen eine starke und kraftvolle Verbundenheit.

Sehnsucht ist das Motiv im „Chanson de la Folle au Bord de la Mer“, das Charles-Valentin Alkan für Klavier komponierte. Es erzählt von einer alten Frau, die jeden Tag an den Strand kommt, um ihrem Mann zuzuwinken, der vor dreißig Jahren nicht von einer Bootsfahrt heimkehrte. Risa Tateshi und Mark Radjapov setzten in ihrem Duett ausdrucksstark Liebe, Abschied und die Hoffnung auf einen Neuanfang in Szene. Wie auch alle anderen Stücke des Abends, bleibt die Choreografie abstrakt. Man kann sie als Metapher auf den Strukturwandel lesen, muss man aber nicht. Das kommt dem hohen künstlerischen Niveau zugute.

Zu Tschaikowskys Elegie aus der Bühnenmusik zu „Hamlet“ zeigen Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov noch ein berauschend schönes klassisches Pas-de-deux „Herz über Kopf in die Nacht...“, bevor die Breakdancer einen Kontrapunkt setzen und zum Finale mit dem großen Ensemble überleiten. Komplexe Rythmen von David Lang geben den Takt vor, die Atmosphäre ist kühl und modern. Große gekippte Spiegel im Hintergrund ermöglichen dem Publikum die Draufsicht auf die Bewegungen der Tänzer im Raum. Da schieben sich Viererreihen, Dreiergruppen ineinander, formieren Blöcke, Dreiecke, Kreise. Doch immer wieder lösen sich Individuen aus der Reihung, finden Paare in ausdrucksstarker Zweisamkeit zusammen. Xin Peng Wang beherrscht diese Auseinandersetzung mit dem Raum meisterhaft.

Schade wäre es, wenn die Choreografien dem Kreis des Premierenpublikums vorbehalten blieben.

Filmvorführungen („Kino im Stadion“) am 19. und 20. Juli, Tickets: http://www.signal-iduna-park.de

Quelle: wa.de

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