Dong-Yeon Kims „schöne Angst“ im Kunstverein Dortmund

+
Das Straßennetz als Schriftzeichen im Raum: Dong-Yeon Kim im Kunstverein Dortmund. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Die glänzenden Kuppeln wirken wertvoll und handgemacht, stammen aber aus der modernen Massenproduktion. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass eine Form exakt der anderen entspricht. Dass die Technologie hier die Originalität verdrängt hat.

Unter dem Titel „Beautiful Fe@r“ präsentiert der Kunstverein Dortmund aktuelle Installationen und Wandarbeiten des koreanischen Künstlers Dong-Yeon Kim. Die „schöne Angst“ bezieht sich konkret auf Kims Ängste der Kindheit. Auf die Angst vor der Dunkelheit, vor den Schatten. Jetzt hat sich in die Angst etwas wirklich Beängstigendes geschlichen: das @ und seine technoiden Strukturen. Was macht es mit uns?

Der Künstler, der in Düsseldorf studierte und heute zwischen Seoul und Düsseldorf pendelt, hatte bereits 2005 eine größere Ausstellung in der Region. Damals zeigte er im Stadtmuseum Beckum Installationen aus provisorisch wirkenden Behausungen und in sich verknäulten Straßen.

Seine aktuelle, raumgreifende und begehbare Installation kann als Weiterentwicklung dieser Straßenlandschaften verstanden werden. Mithilfe von Google Maps kopierte Kim Teile des New Yorker Straßennetzes und übertrug sie auf Karton- und Aluminiumplatten. Zu sehen sind Autobahnkreuze und gekappte, verschlungene Straßenachsen, wie sie überall auf der Welt zu finden sind. Weiß oder metallisch lackiert und mit Drähten versehen baumeln sie von Stangen, die an die alten Bambusgestelle erinnern, an denen man früher in Asien Wäsche zum Trocknen hängte. Indem Kim sie aneinander reiht, werden die architektonischen Formen zu Ornamenten oder exotischen Schriftzeichen. Unlesbar, aber wunderschön.

Immer drehen sich die berührenden Arbeiten des 1960 in Seoul geborenen Künstlers um das Treffen von modernen Einflüssen auf fernöstliche Traditionen. Korea war Anfang der 60er Jahre noch ein Agrarland. Der Sprung in die Moderne kam abrupt und ist für Großteile der Bevölkerung schwer zu verkraften. Technologische Veränderungen trennen die Generationen und spalten die Gesellschaft, in den Straßennetzen der rasant gewachsenen Metropolen finden sich die Alten kaum noch zurecht. Von diesen Spannungen und Problemen erzählen die Arbeiten Kims. So steht zum Beispiel auf einem schlichten Holztisch ein traditioneller asiatischer Bambuskorb. Früher besaß jede koreanische Familie solche Körbe. Man verwahrte darin Lebensmittel. Heute sind sie selten geworden. Das Leben hat sich beschleunigt, davon zeugen auch die ausgeschnittenen Straßennetze, die Kim zusammen mit einem Stück festgezurrter Plane im Korb drapiert hat. Die Plane wiederum symbolisiert die Jurten, in denen die mongolische Bevölkerung lebte, bevor sie in Hochhäuser zog.

Bis 7.8., di – fr 15 – 18, sa 11 – 16 Uhr,

Tel. 0231/ 578 736, www. dortmunder -kunstverein.de

Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare