„Dirty Dancing“ als Bühnenshow in Oberhausen

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Die Posen stimmen: Jenny Bach als Baby und Dániel Rákasz als Johnny in der Bühnenshow von „Dirty Dancing“ in Oberhausen. ▪

Von Tim Griese ▪ OBERHAUSEN–Die neueste Produktion am Oberhausener Metronom Theater spielt in einem Familienresort. Dort sind Frances (Jenny Bach), von allen nur Baby genannt, und ihre Familie im Urlaub.

Nachts verrät ihr ein Melonen schleppenden Angestellter, was die Tanz-Animateure nach getaner Arbeit tun: Ganz unter sich bewegen sie sich, wie es ihnen gefällt. Baby staunt, als sie plötzlich mittendrin ist und sich knapp bekleidete Körper zu leidenschaftlichen Rhythmen aneinanderschmiegen. Unter den Tänzern ist auch Johnny Castle (Dániel Rákasz). Zwischen ihm und Baby knistert es schnell – und eine schon lange kultisch verehrte Geschichte nimmt ihren Lauf: Die Show „Dirty Dancing“ bleibt ganz nah dran am Film mit Patrick Swayze von 1987.

Genauso wenig wie dieser ein Musik-, sondern ein Tanzfilm ist, ist auch die Produktion in Oberhausen weniger ein Musical als mehr eine Theatershow, in der viel getanzt wird. Den wenigen Gesang übernehmen einige Nebendarsteller, zum Beispiel im Finale mit „(I’ve Had) The Time of My Life“. Musikalisch treten stattdessen Dirigent Martin Gallery und die Band des Metronom Theaters in den Vordergrund. Mambo und Cha-Cha-Cha sind genauso allgegenwärtig wie die hippe Musik der 60er Jahre. Ganz in diesem Stil sind auch die Darsteller gekleidet – hautenge Polohemden, streng geschnittene Badeanzüge und Bundfaltenhosen überall.

Während in der ersten Hälfte die Geschichte des Films vorangetrieben wird, präsentiert Autorin Eleanor Bergstein im zweiten Teil auch neu entworfene Szenen, die vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen weiter ausarbeiten sollen. Dadurch verliert sich die anfangs straffe Produktion zum Ende hin leider in Nebensächlichkeiten. Für den Zusammenhalt des Stücks sorgen indes die vielen beeindruckenden Tänze des Ensembles, mal in kurzen Outfits, mal in Abendgarderobe. Zur Atmosphäre trägt auch die Kulisse mit einer vielseitig eingesetzten Videowand im Hintergrund bei. Besonders beeindruckend wird die bekannteste Dirty-Dancing-Szene umgesetzt, in der Baby und Johnny eine Hebefigur auf einer Wiese und im Wasser einstudieren. Hinter einem halb durchsichtigen Vorhang, auf den Gräser und Gewässer projiziert werden, wirken die Darsteller, als seien sie tatsächlich in der Natur mit Grillengezirpe und Wassergeplätscher.

Jenny Bach gibt das Mauerblümchen Baby schüchtern und gespielt unsicher. In der Welt der Animateure wirkt sie fehl am Platz. Tapsig macht sie sich an ihre ersten Tanzschritte, reift, auch menschlich, nachvollziehbar heran und zeigt sich schließlich als elegante Tänzerin und Kämpferin für ihre Liebe. Optisch ist Bach dabei ein fast perfektes Gegenstück zu Jennifer Grey im Film – im Gegensatz zu Dániel Rákasz. Der überzeugt dafür mit körperlichen Vorzügen: Wenig bekleidet lässt er gerne die Muskeln spielen. Durch sein charismatisches Auftreten ist er schnell als Anführer der Animateure zu erkennen. Dem Bild des tanzenden Rebells wird er erst im Verlauf des Stücks gerecht, dafür ist er zunächst zu brav. Dann aber spielt er den Johnny mit viel Gefühl. Für Lacher sorgen gewitzte Dialoge und Szenen mit Matthias Bollwerk als Neil, der ungelenke Annäherungsversuche bei Baby startet, und Johanna Spantzel als Frances‘ Schwester Lisa, die im Bastrock und Hula tanzend mit schräger Stimme ein eindeutig zweideutiges Lied einstudiert.

Ganz klar, die zeitlose Welt von „Dirty Dancing“ setzt auf eine spritzige Show mit viel Einfallsreichtum, grellen Farben, bunten Kostümen und guter Laune. Wie im Film. Wiedererkennungswert inklusive.

Start am 21. Oktober; di, mi 18.30 Uhr, do, fr 19.30 Uhr, sa 15/20 Uhr, so 14/19 Uhr; Tel. 01805/44 44; http://www.stage-entertainment.de

Quelle: wa.de

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