„Die Schöne und das Biest“ im Musical-Dome Köln

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Annäherung in Rosa: Belle (Mara Kekkovacs) und das Biest (Zsolt Homonnay) verlieben sich über einem Buch. ▪

Von Edda Breski ▪ KÖLN–Was für ein Kerl, der Gaston! Breitbeinig stolziert er einher, will sich Belle, die Schöne des Dorfes, an seinen Herd holen. Er ist für Lacher gut in der Musicalfassung des Disneystoffs „Die Schöne und das Biest“, derzeit zu sehen in einem Gastspiel des Operettentheaters Budapest im Musical-Dome Köln: eine schnelle, lustige Show mit üppiger Ausstattung und den Szenen fürs Herz, die der Zuschauer aus dem Zeichentrickfilm von 1991 kennt.

Die Musical-Version des Belle-Stoffes wurde 1994 aus der Taufe gehoben. Die Musik von Alan Menken wurde um weitere Lieder ergänzt; so hat das Biest eigene Songs bekommen, in denen es über seine unglückliche Liebe zu Belle sinniert. Truppen, die den Stoff aufführen, bekommen von Disney strenge Vorgaben. In Köln wurde eine Drehbühne aufgebaut, die Winkel des Biest-Schlosses dem Blick eröffnet: die Bibliothek als schwebender Fensterrahmen; den gruseligen Westturm, in dem das Biest, das von einer Hexe verzaubert wurde, seine magische Rose behütet. Fällt das letzte Blütenblatt, ist das Biest auf immer verloren, es sei denn, es hat zuvor die wahre Liebe gefunden. Die Ausstatter haben eine wilde Mischung aus Rokoko, Gothik und Barock auf die Bühne gezaubert und mit Glitzerlichtern verziert.

Sehenswert sind die Kostüme: Madame de la Grande Bouche, der verhexte „Schrank“ aus Belles Zimmer, trippelt in einer roten Kommodenkreation. Madame Pottine steckt in einem Tulpenrock mit „Porzellan“-Malerei und hat eine Tülle als Ärmel. Das Lied „Sei hier Gast“ ist eine Zugnummer: Lumière (Ádám Bálint), der Kerzenleuchter, dirigiert Tassen, Teller und tanzende Obstplatten, bis sich auf der Bühne alles dreht, alles funkelt. Viel Spaß macht der Gasthaus-Auftritt Gastons: Der Rüpel hat einen Korb bekommen und schmollt, bis die Dorfbewohner gemeinschaftlich sein Loblied singen und dabei über Tische und Bänke purzeln.

Die Szenen, die ans Herz gehen sollen, wirken routiniert, weil direkt aus dem Film kopiert. Belle schwebt im goldenen Tanzkleid zu zuckersüßen Orchesterklängen an der Seite des Biests daher, die beiden verlieben sich. Doch das Biest lässt sie gehen, weil die Dörfler unter Führung Gastons ihren Vater in eine Irrenanstalt verfrachten wollen. Der letzte Kampf vollzieht sich auf dramatisch abgedunkelter Bühne. Gaston fällt, das Biest, tödlich verletzt, hört im letzten Moment Belles Liebesgeständnis und hebt ab: buchstäblich, denn die Verwandlung zum Prinzen vollzieht sich schwebend.

Das Ensemble besteht aus Operettenakteuren, die solide Musicalerfahrung haben. Über schwer verständliche Sätze der Ungarn kann hinweggehört werden. Vor allem die Nebenrollen sind gut besetzt: Laszlo Santa als koboldhafter LeFou; Tamas Földes als von Unruh und Lilla Polyák als liebenswürdige Madame Pottine. Als Biest darf Zsolt Homonnay fauchend über die Bühne fegen. Die Sopranistin Mara Kekkovacs ist stimmlich nicht so mädchenhaft, wie eine Belle sein sollte. Ein Highlight ist Attila Németh als Gaston, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch.

6.-11., 13.-18.12., sa, so jeweils zwei Vorstellungen,

Tel. 02 21 / 28 01,

http://www.musical-dome.de

Quelle: wa.de

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