„Die Rückkehr“ am Theater Rottstraße in Bochum

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Ringen um ihre Beziehung: Jean (Maximilian Strestik) und Gabrielle (Dagny Dewath) in einer Szene aus dem Stück „Die Rückkehr“ am Theater Rottstraße in Bochum. ▪

Von Edda Breski ▪ BOCHUM–Paare, die einander bühnenwirksam zerfleischen, gibt es viele: Katharina und Petruccio, Martha und George aus „Wer hat Angst vor Virginia Woolf” rasen, schlagen, schreien.

Jean und Gabrielle sind aus anderem Holz geschnitzt. Ihre Stimmen heben sich selten. Das Stück „Die Rückkehr” basiert auf einer Novelle von Joseph Conrad. Patrice Chéreau hat daraus vor sechs Jahren einen Film gemacht mit Isabelle Huppert in der Titelrolle der „Gabrielle”. Sie verlässt ihren Mann für ihren Liebhaber, hinterlässt einen Brief, kehrt aber nach wenigen Stunden zurück. Bei Chéreau ist der Fokus vom Ehemann auf die Frau verschoben. Die Theaterfassung verkürzt. Von den Filmsequenzen, in denen sich Gefühle wie Felsformationen in existenzerschütternden Beben aufwerfen, bleiben Brocken. Das Rottstraße 5-Theater in Bochum zeigt „Die Rückkehr” in der Regie von Charlene Mankow.

Einen Hinweis auf Gewalt trägt Dagny Dewaths Gabrielle am Bein: einen Verband unter der Strumpfhose. Eine kühle Frau, so wohlerzogen. Das bewundert Jean. „Was für ein Stil”, sagt er, während sie ihren Schmerz niederringt. Maximilian Strestiks Jean schwankt zwischen Gekränktsein und Selbstgerechtigkeit. Das Dienstmädchen Yvonne (Ariane Kareev) ist eine Unschuld mit Madonnengesicht und Gretchenzopf (Kostüme: Natalia Nordheimer).

Der aus dem Französischen übersetzte Text klingt – Stichwort Sprach-Kultur – leicht überhoben. Die beiden siezen sich, wie in den gehobeneren Schichten Frankreichs durchaus üblich. Jeans Monolog über den ersten Tag, an dem er Gabrielle gesehen hat, wirkt, als beschreibe er in pathetischer, an Maupassant erinnernder Sprache ein impressionistisches Gemälde. Damit ließe sich spielen. Gerade in dem kleinen Off-Theater, das unter einer Bahnstrecke eingerichtet ist.

Die Theatermacher von der Rottstraße kalkulieren natürlich mit dem Underground-Charme. Jean und Gabrielles Großbürgergehabe wirkt da noch dekadenter. Aber Mankow bebildert nur, was im Text steht. An der Oberfläche. Sie inszeniert weder eine Studie großbürgerlicher Befindlichkeit noch eine Reflexion über Liebesfähigkeit. Aber was da hinter der Fassade vor sich geht, kann doch gar nicht so lauwarm sein.

Clubatmosphäre entsteht durch die Lichtregie, ein Stroboskop blitzt. Emotionales Wetterleuchten. Jean und Gabrielle sprechen Beleidigungen und sexuelle Provokationen aus. Aber noch als Jean Gabrielle hinter einen Vorhang drängt, als sie an intimer Stelle blutend wieder herauskommt, selbst dann wirkt das noch irgendwie romantisch überhöht: als Suche nach Liebe, Anerkennung, Ruhe, all diesen Dingen, die sich schwer erreichen und noch unmöglicher vereinbaren lassen.

Jean verweigert sich dem Selbstopfer Gabrielles, der Rückkehr. Er könne damit nicht leben. Das ist ein bisschen zu edel als Ende dieser knallharten Konfrontation, und das wäre eine zwingende Vorlage für einen Regiekommentar. Stattdessen geht das Licht aus. Ein Ende für jene, die noch an ein Gutes glauben wollen. Und das ist keine Romantik mehr, das ist dann Kitsch.

25.8., Tel. 01 63 / 76 15 071, http://www.rottstr5-theater.deORTSMARKE

Quelle: wa.de

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