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Bielefelder Kunsthalle wird generalsaniert

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Von: Achim Lettmann

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Die Bielefelder Kunsthalle aus rotem Sandstein wird generalsaniert.
Die Bielefelder Kunsthalle aus rotem Sandstein wird generalsaniert. © philipp ottendörfer

Wer übernimmt die Bauleitung? Die Bielefelder Kunsthalle wird nach 50 Jahren generalsaniert. Auf einem Symposium wird über eine Erweiterung des Museums diskutiert, das unter Platznot leidet.

Bielefeld – 2023 wird für die Kunsthalle Bielefeld ein Schlüsseljahr. Das Haus muss Zukunft planen. Die Generalsanierung des Gebäudes von Philip Johnson (1906–2005) steht an. Der US-Amerikaner hatte 1968 ein Tageslichtmuseum entworfen und eine Architektur-Ikone in Westfalen geschaffen. Seitdem ist das Haus nicht grundlegend saniert worden. Für den Architekturhistoriker Fritz Neumeyer (Berlin) gelang Johnson ein Vorgriff auf die Postmoderne. Ein kubischer Baukörper aus rötlichem Sandstein mit großen Glasfenstern und fließender Raumfolge wurden zum Wahrzeichen Bielefelds.

Erstmals in Deutschland gab es ein Museum mit Platz für Kunstvermittlung, die „Malstube“. Auch der Skulpturenpark zur Stadtseite hin entwickelte sich mit Plastiken von Henry Moore, Sol LeWitt, Olafur Eliasson und Thomas Schütte. Die Sammlung umfasst über 500 Gemälde, 200 Skulpturen und über 4500 Zeichnungen und druckgrafische Werke. Christina Végh, Direktorin der Kunsthalle, blickt mit ihren Ausstellungen Jahr für Jahr in die Sammlung. Zum Bestand zählen expressionistische Bilder, einzelne Positionen wie Käthe Kollwitz und Max Beckmann, lokale Größen wie Hermann Stenner, abstrakte Kunst aus den USA von Agnes Martin, Frank Stella, Kenneth Noland, Richard Serra bis Ellsworth Kelly sowie die deutsche Nachkriegsmoderne mit Willi Baumeister. Seit den 1970er Jahren wurden zeitgenössische Positionen gesammelt. Schon lange hat das Museum ein Platzproblem. Die Kunsthalle muss mindestens dreimal im Jahr wegen Ausstellungsumbauten geschlossen werden.

Mittlerweile hat der Rat der Stadt die Generalsanierung für 40,5 Millionen Euro gebilligt. Es steht eine Flächenoptimierung an. Lüftung, Licht, Verdunkelung, Sicherheit, Brandschutz, Klima- und Elektrotechnik zählen dazu. Das Depot im Untergeschoss ist zu klein, selbst die Zufahrt für Anlieferungen muss vergrößert werden. Die Lkw brauchen heutzutage mehr Platz.

Erstmal soll in diesem Jahr die Bauleitung für die Generalsanierung vergeben werden. Ab Juli 2025 bis Ende 2027 sollen die Arbeiten erfolgen. Vorher wird eine europaweite Ausschreibung vorgenommen. Darin werde ein räumlicher Mehrbedarf genannt, sagte Museumsdirektorin Christiane Végh, „für Ausstellungen sind zusätzliche Raumqualitäten nötig, um größere Formate/Installationen ausstellen zu können, im Bereich Bildung/Vermittlung und im Bereich Verwaltung sind mehr Raumkapazitäten unabdingbar.“ Végh möchte die zeitgemäßen Standards im Museumswesen erreichen.

In Bielefeld wird eine Erweiterung des Museums diskutiert. Die Frage nach einem Neubau gehört zur Geschichte des Hauses. Bereits 1992/93 war Frank O. Gehry angesprochen worden, ob er eine Idee für Bielefeld hätte. Der Architekt und Pritzker-Preisträger (1989) entwarf das Guggenheim Museum Bilbao (1997) und das Museum Marta in Herford (2005). Außerdem realisierte der US-Amerikaner, der für seine geschwungenen Dächer aus Titan bekannt ist, zwei Gebäude in Bad Oeynhausen: das Energie-Forum-Innovation (1995) und das Elternhaus der Kinder-Herzklinik (2001).

In Bielefeld gab es Widerstand. Gehrys kühne und postmoderne Bauweise fand nicht genügend Fürsprecher. Auch heute ist die Erweiterung der Kunsthalle ein politisch brisantes Thema. Für die Direktorin Végh gilt: „Ziel der Generalsanierung ist es, die Kunsthalle zukunftsfähig zu machen, womit ein zusätzlicher Raumbedarf unumgänglich ist.“

Ob und wie eine mögliche Erweiterung aussehen wird, hängt auch von der Qualität des Entwurfsvorschlag ab. „Es wird Aufgabe des Architekturbüros sein, den räumlichen Mehrbedarf, der durch die seit 1968 stark gewandelten Aufgaben von Museen gefordert ist, mit der Leitung der Kunsthalle auszuarbeiten und eine geeignete Form dafür zu finden“, sagte Direktorin Végh.

Die mächtige Gebäudeform der Johnson-Architektur gilt allerdings als unantastbar. Eine solitäre Erweiterung wird diskutiert und ein Einbau unter dem Skulpturenpark wäre eine Option.

Nach der Generalsanierung soll im Jahr 2028 wiedereröffnet werden. Die Kunsthalle bleibt über zwei Jahre geschlossen. Wo das Museumsteam unterkommt, ist noch offen.

Im Frühjahr soll ein dreiteiliges Symposium in der Kunsthalle starten, dass Aspekte und Fragen rund um die Generalsanierung mit internationalen Fachleuten erörtert. Zu den Experten zählen Architekturtheoretiker Stephan Trüby (Stuttgart) und der Kunsthistoriker Philip Ursprung (Zürich). Eingebunden ist die Stadtgesellschaft. Im Plenum kann mitdiskutiert werden. Und die Fachhochschule Bielefeld (Lehrgebiet Theorie und Gestaltung) schaltet einen Blog.

Dreiteiliges Symposium:

21./22.4., 1./2.9. und 27./28.10. Die Veranstaltungen sind hybrid geplant. Beginn jeweils Freitagabend mit einem Leitvortrag. Samstags folgen Impulsvorträge und Diskussionsrunden.

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