„Der große Schwindel“ mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler im ZDF

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Elli (Mariele Millowitsch) macht Günther alias Georg (Walter Sittler) Vorhaltungen: Der Auftrag am Kölner Dom droht durch die Lappen zu gehen. Szene aus „Der große Schwindel“. ▪

Elli Sänger (Mariele Millowitsch) stößt beim Blättern in einer Zeitschrift auf einen Beziehungsfragebogen. Bei dem Punkt, wie oft ein Ehepaar den Beischlaf praktiziert, kreuzt sie verärgert „zwei Mal im Jahr“ an, reißt das Blatt aus der Zeitschrift und pinnt es an den Kühlschrank. Ihren Mann Georg (Walter Sittler) wird diese Botschaft jedoch nicht erreichen, denn er brennt gerade mit der Sekretärin nach Tibet durch. Seiner Frau hinterlässt er einen Steinmetzbetrieb und 90 000 Euro Schulden.

Von Judith Wedderwille

Das ist nur der Auftakt der ZDF-Komödie „Der große Schwindel“ mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler. Weitere Turbulenzen haben Andreas Knop und Dennis Eick in ihrem Drehbuch entwickelt. Es ist ein Film über das außergewöhnliche Chaos in einer Familie.

Elli wird es zuviel: Sie verliert ihr Gedächnis. Die letzten 25 Jahre sind weg – bis auf die Erinnerung an die Flitterwochen mit Georg. Und da sie sich nicht aufregen darf, muss ein Ehemann-Double her. Ihre Kinder wenden sich an seinen Zwillingsbruder Günther. Er soll die Rolle des Ehemannes übernehmen, ist damit aber überfordert.

Regisseur Josh Broecker zeigt Mariele Millowitsch in ihrem üblichen Rollenprofil. Eine taffe, bodenständige Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. An ihrer Seite Walter Sittler, mit dem sie sich schon in der RTL-Sitcom „Nikola“ katzbalgte.

Sittler ist in einer Doppelrolle zu sehen. Er spielt den Ehebrecher Georg und dessen Zwillingsbruder Günther, der versucht, sich als Georg auszugeben. Doch der Finanzbeamte kann nicht mal einen Korkenzieher benutzen und bricht sich beim Versuch, mit Hammer und Meißel zu arbeiten, den Daumen. Sittler beweist sich als Slapstick-Komiker, wenn er über Treppenstufen oder Stühle stolpert und dabei einen Blumenstrauß aus dem Fenster katapultiert.

Nicht nur Günther ist in seiner Rolle als Ellis Ehemann oft überfordert, sondern auch der Zuschauer angesichts der zahllosen Verwicklungen. Diverse Klischees werden abgeklappert: der steife Finanzbeamte, der keine Freunde hat und knausrig in einer tristen Wohnung haust. Die lüsterne Sekretärin, die ihre Finger nicht vom Chef lassen kann. Der abenteuerlustige Ehemann, der nicht irgendeinen Berg bezwingen will, sondern gleich den Himalaya. Ein realistisches Familienbild sollen die Sängers offenkudig nicht abgeben. Dafür hagelt es im Sekundentakt Probleme, der Lügenberg scheint sich bis ins Unendliche zu türmen.

Amüsant ist „Der große Schwindel“ dennoch, weil Regie und Drehbuch immer wieder komische Situationen und Dialoge parat haben. Zum Beispiel Günthers Antwort auf Ellis Frage, warum sie denn nur zwei Mal im Jahr Sex hätten. Ihm fällt nichts besseres ein als: „Naja – mein Geburtstag, dein Geburtstag!“

Außerdem scheint sich das Zusammenspiel von Millowitsch und Sittler einfach nicht abzunutzen. Kaum ein Schauspiel-Duo kann so gut ein zänkisches Paar darstellen mit einem so hohen Sympathiefaktor.

ZDF, 20.15 Uhr

Erfolgsduo

Mariele Millowitsch und Walter Sittler gelten seit der ZDF-Serie „Girl friends – Freundschaft mit Herz“ (1995-2005) als Komödien-Traumpaar des deutschen Fernsehens. Hier kebbelten sie sich als unbeholfene Sekretärin und arroganter Hotelmanager. Ähnlich war die Rollenverteilung in der RTL-Reihe „Nikola“ (1996-2005), wo sie sich als Chefarzt und Krankenschwester gegenüberstanden. Zuletzt waren die beiden 2010 in der ZDF-Komödie „Scheidung für Fortgeschrittene“ vor der Kamera ein Paar.

Quelle: wa.de

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