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Bert Stern fotografiert Marilyn Monroe im Bel-Air Hotel sechs Wochen vor ihrem Tod

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Von: Achim Lettmann

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Bert Stern fotografierte den Filmstar im Juni 1962.
Ein Moment mit Marilyn Monroe. Bert Stern fotografierte den Filmstar im Juni 1962. © Bert Stern/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann, Hamburg.

Die Fotografien von Marilyn Monroe sind legendär. Der Filmstar traf den Fotografen Bert Stern für ein „Vogue“-Shooting 1962 in Los Angeles. Bilder dieser Begegnung sind in Dorsten zu sehen.

Dorsten – „Für mich war sie das Warten wert“, sagte Bert Stern. Der Fotograf wartete im Juni 1962 auf Marilyn Monroe. Statt 14 Uhr, wie verabredet, traf der Filmstar gegen 19 Uhr im Bel-Air Hotel in Los Angeles ein. Dann begann das Fotoshooting in der Suite 261, das erst um sieben Uhr morgens beendet war.

Bert Stern war ein einflussreicher Werbe- und Modefotograf in den USA. Dass einige Filmbosse die Monroe disziplinieren wollten, empfand er als kleinlich. Bei der Filmproduktion zu „Something’s Got to Give“ im April/Mai 1962 hatte sie sich zweimal krank gemeldet und 17 Drehtage verpasst. „Mir kamen sie vor wie Idioten“, urteilte Stern über Regisseur George Cukor und Produzent Henry T. Weinstein. Marilyn Monroe starb am 4. August 1962. „Something’s Got to Give“ sollte im Oktober wieder aufgenommen werden. Dazu kam es nicht mehr.

Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten stellt nun eine Auswahl von 76 Fotos aus: „Ein Foto-Shooting, das zur Legende wurde. Bert Stern und Marilyn Monroe“.

Anlass ist nicht nur der 60. Todestag des Filmstars und Sexsymbols. Fotograf Bert Stern war der Sohn jüdischer Einwanderer, geboren im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Er revolutionierte die Werbefotografie der 1950er Jahre und wurde mit den Monroe-Bildern weltbekannt. Dass die Filmschauspielerin 1956 zum jüdischen Glauben konvertierte, um die Ehe mit dem Dramatiker Arthur Miller einzugehen, mag ein weiteres Detail gewesen sein, diese außerordentlichen Fotografien auszustellen. Es gibt das Jüdische Museum Westfalen seit 30 Jahren.

Marilyn Monroe ist auch heute noch ein Phänomen. Nicht nur wegen der Porträt-Serie, die Andy Warhol geschaffen hatte, und die für Verkaufsrekorde sorgt. Ihre Schönheit überstrahlt die Wirkung vieler Sexsymbole, die es vor und nach ihr gegeben hat. Eine Umfrage des American Film Institute von 1999 nach der erfolgreichsten US-Filmschauspielerin ergab, dass Marilyn Monroe auf Platz sechs gewählt wurde. Ein Oscar war ihr nie zuerkannt worden. Zeitlebens hatte sie damit zu kämpfen, vor allem als kurvenreiche Blondine geschätzt zu werden, weniger als Filmschauspielerin. Sie gewann einen Golden Globe 1960 für „Manche mögen’s heiß“ als beste Hauptdarstellerin. Schon 1954 war sie nach New York gegangen und hatte eine Filmproduktionsfirma gegründet. Sie wollte von Hollywood unabhängiger werden. Mit Filmen wie „Niagara“, „Blondinen bevorzugt“, „Wie angelt man sich einen Millionär?“ (alle 1953) und „Das verflixte 7. Jahr“ (1955) war sie zum größten Star der US-Filmindustrie geworden.

Die Ausstellung in Dorsten bietet vergrößerte Fotoabzüge (Silber-Gelantine) zusammengestellt von Ina Brockmann und Peter Reichelt. Vor allem die siebenteilige Serie, auf der die Monroe mit einer üppigen Halskette spielt, schafft eine visuelle Illusion, als ob man dieser Frau tatsächlich gegenübersteht. Ihre Augen sind genau zu sehen. Ihre Aura ist spürbar, weil Fotograf Stern ganz nah ist. Und jede ihrer Gesten wirkt authentisch, weil sie eine Tiefe im Bild schafft – der Moment der Fotoaufnahme. Dies ist auch ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit mit Bert Stern. Das Bild „Portrait. Kette ausgebreitet“ (Unikat, Type C-Print) öffnet eine Leere in ihrem Blick.

Stern hatte Monroe 1955 auf einer Party des Actors Studio in New York kennengelernt. Nach Magazin-Jobs und einer Zeit als Art-Director der Modezeitschrift „Mayfair“ publizierte die „Vogue“ eine Stern-Fotografie 1960 auf ihrem Titel. Nun ergab sich für Stern, der bereits Elizabeth Taylor, Sophia Loren, Audrey Hepburn und Brigitte Bardot fotografiert hatte, ein Shooting mit dem Filmstar für die „Vogue“. Vorher hatte die Monroe noch in „Nicht gesellschaftsfähig“ (1961) ihre erste Charakterrolle gespielt. Regie John Huston.

Bert Stern (1929–2013) hatte für ein Fotobuch des Schirmer/Mosel-Verlags 1982 berichtet, dass er sich wie „ein verstörter Liebhaber“ gefühlt hatte, nachdem das Shooting beendet war und sein Motiv nach Hause ging. „Es war ein einmaliges Erlebnis gewesen“, schwärmte er. In Dorsten sind die Fotos mit Ballkleid, Pelzmantel, Strukturkleid und in Hosen zu sehen. Die „Vogue“ wollte auch Modefotos, sodass es insgesamt zu drei Shootings kam. Und die Monroe lieferte. Glamour im „Porträt mit Hut und Schleier“, Erotik mit „Tuch im Mund haltend“, und sie war mädchenhaft im Bild „Streifentuch haltend“ oder einfach oben ohne. Unprätentiös, witzig, nachdenklich, verletzlich und provokant wie „Im Bett liegend, trinkend“ mit blankem Oberschenkel – Stern bekam, was er wollte.

Als nachteilig empfand der Fotograf, dass er nicht mit Tageslicht arbeiten konnte. So gab es zum Ende einige Blitzlicht-Aufnahmen („Portrait, liegend“) in Schwarz-Weiß. Insgesamt entstanden an drei Tagen über 2500 Fotografien. Wie fühlt sich eigentlich eine Frau, die einer Kamera so pausenlos ausgesetzt ist?

Am Ende war Bert Stern sogar wütend, als sein Fotomodell einige Bilder im Nachhinein ablehnte. Vor allem die durchgestrichenen Dia-Positive (mit Nagellack) ärgerten ihn. Sie waren unbrauchbar. Heute sind sie Kult. Stern hätte die Fotos gern mit Marilyn Monroe durchgesehen, gab er später zu. Aber sie traf ihn nie wieder. Und wahrscheinlich war es das, was den Fotografen kränkte – nach diesem Bel-Air-Abend. Welcher Mann fühlte sich in ihrer Nähe nicht aufgewertet? „Sie hatte nicht bloß meine Bilder durchgestrichen, sie hatte sich selbst durchgestrichen“, sagte Stern 1982 mit dem Wissen um ihren frühen Tod sechs Wochen nach dem Foto-Shooting.

US-Medien meldeten einen Selbstmord der Schauspielerin – mit einer Überdosis Schlaftabletten. Letztlich sind die Todesumstände vom 4. August 1962 nie ganz geklärt worden. Marilyn Monroe war im Bett ihrer Wohnung in Brentwood, Los Angeles, gefunden worden. Sie wurde nur 36 Jahre alt.

Geboren als Norma Jeane Baker, in Pflegefamilien und bei einer Fürsorgemutter groß geworden, arbeitete die junge Frau 1944 in einer Rüstungsfabrik, als ein Fotograf sie entdeckte und ihrem Leben eine Wendung gab.

Bis 11.9.; di – fr 10 – 12.30 Uhr und 14 – 17 Uhr;

sa/so 14 – 17 Uhr;

Tel. 02362/45279;

www.jmw-dorsten.de

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