„Das, was man hat“: Das Kunstmuseum Ahlen präsentiert seine Sammlung

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Ein Beispiel für die Malerei der Nachkriegszeit: Heinrich Siepmanns Gemälde „Komposition“ (1951) ist in der Ahlener Ausstellung zu sehen.

Von Marion Gay AHLEN - Die Wand flimmert und spiegelt den Raum in vielen kleinen Splittern. Das beeindruckende Objekt von Adolf Luther besteht aus 285 konvexen und quadratischen Spiegeln, je nach Blickwinkel verändert sich das Motiv.

Zu sehen ist es in der Ausstellung „Das, was man hat. No. 2“. Darin gibt das Ahlener Kunstmuseum Einblick in die Bestände der eigenen Sammlung. Die rund 200 Arbeiten spiegeln die Vielschichtigkeit der deutschen Avantgarde am Beginn des 20. Jahrhunderts sowie aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Vertreten sind vor allem Künstler aus Westfalen und dem Rheinland. In Dialog dazu treten etwa 60 künstlerische Interventionen des Künstlers, Sammlers und Kurators Christoph Dahlhausen im Rahmen des Projekts „Dahlhausen viral“.

2005 begann der Aufbau der Sammlung, ein Jahr später präsentierte man bereits eine Auswahl daraus. Inzwischen ist der Bestand auf über 2000 Werke von 240 Künstlern angewachsen. Zu den Ankäufen der Theodor Leifeld-Stiftung kommen Arbeiten aus dem Besitz des Förderkreises sowie Dauerleihgaben und Schenkungen privater Sammler.

Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Werken von Vertretern des „Rheinischen Expressionismus“. Zu sehen sind beispielsweise farbintensive Landschaften und Stillleben von Wilhelm Wieger und Marie von Malachowski-Nauen und das 1914 entstandene Bild „Drei Badende im Park in Dilborn“ von Helmuth Macke. Die Schau offenbart die künstlerische Verflechtung der Künstler untereinander und zu anderen europäischen Avantgarde-Künstlern. Ablesbar auch die Entwicklung vom Spätimpressionismus zu den dynamischen Werken des Expressionismus.

Die Künstler des sogenannten „Westfälischen Expressionismus“ verbindet ihr Bezug zur ländlich geprägten Region. So zeigt „Landschaft mit Waggons und Kirche“ von Wilhelm Schabbon ein Dorf, das trotz bunter Wohnwagen bedrückend trostlos wirkt. Das Stillleben von 1910 von Hermann Stenner kombiniert Gartenblumen mit Bananen.

Als Bindeglied zwischen Berliner Künstlerszene, Rheinischem und Westfälischem Expressionismus fungiert Christian Rohlfs. Seine flirrend-luftige „Herbstlandschaft“ (1910) scheint von Van Gogh inspiriert. Als überraschend vielseitiger Grenzgänger zeigt sich der Breslauer Künstler Hans Bloch mit seinen Porträts und filigranen Tierstudien.

Der zweite Ausstellungsschwerpunkt liegt auf dem Kunstgeschehen nach dem zweiten Weltkrieg. Zu sehen sind abstrakte Kompositionen von Fritz Winter, Willi Sandforth und Heinrich Siepmann neben konzeptuellen Arbeiten von Künstlern der 1958 gegründeten Düsseldorfer „Zero“-Gruppe wie Heinz Mack, Günther Uecker und Adolf Luther.

Viele der Werke widmen sich dem Thema „Licht“. Das Neonlicht-Objekt „Zwei, zu zweit“ (1989/ 2008) von Timm Ulrichs besteht aus drei Neonröhren: die beiden Zahlen „2“ umrahmen eine Herzform. Im Licht-Wechsel leuchten mal nur die Zahlen, mal das ganze Objekt.

In diesem Kontext steht auch die Lichtinstallation „Kaskade“ des in Berlin lebenden, isländischen Künstlers Egill Saebjörnsson (geboren 1973). Die vier aktuellen Videoarbeiten spielen mit geometrischen Formen und Alltagsgegenständen, die durch Licht angestrahlt das Auge verblüffen. So quellen farbige Wülste aus rosa Stiefeln, die im grellen Scheinwerferlicht zu tanzen scheinen. Eine andere Installation projiziert sich immer wieder neu stapelnde Kästen auf die Wand. Plötzlich öffnet sich einer der Kästen und gibt eine Banane frei.

Zwischen den Exponaten tummeln sich die „Kunst-Viren“ des Projektes „Dahlhausen viral“ als oft unauffällige, kleine Irritationen. Kleine Knetpüppchen räkeln sich unter Bildern, ein rot-weißer Kasten liegt wie vergessen unter dem Fenster. Eine transparente Schallplatte hängt über der transparenten Hülle an der Wand.

Bis 25.1.2015,

di – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Quelle: wa.de

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