Daniel Kahn & The Painted Bird: Bad Old Days. Neue CD bei Oriente Music

Daniel Kahn & The Painted Bird: Bad Old Days (Oriente Music). Die Nostalgie, mit der Daniel Kahn die „Good Old Bad Old Days“ besingt, hat doppelten Boden. Er erinnert sich an eine Liebe über die Mauer hinweg, mit Mikrophonen unter der Decke.

Aber war es, fährt er im schunkligen Walzertakt fort, nicht großartig, als die Welt einen Eisernen Vorhang und die Leute einen politischen Standpunkt hatten? Kahn, der als Jude aus den USA im Berliner Exil lebt, legt eine neue CD vor, die dunkler und leiser daherkommt, schon weil die großen Instrumentierungsgesten der Vorgänger fehlen. Keine fetzigen E-Gitarren-Soli. Hier musizieren neben ihm an Gitarre, Piano, Akkordeon der virtuose Geiger Jake Shulman-Ment, Hampus Mein am Schlagzeug und Michael Tuttle am Bass. Kahn singt jiddisch, englisch, deutsch, als heimatloser Weltbürger, und wieviel Melancholie legt er in Franz Josef Degenhardts „Die alten Lieder“. Schon den ersten Titel widmet Kahn dem „Meydl from Berlin“, die Stadt ist sehr präsent hier. Aber die Wucht hat er nicht verloren, macht aus Leonard Cohens „Story of Isaac“ einen ruppigen Marsch. Und Schumanns Vertonung von Heines „Die alten bösen Lieder“ beginnt bei Kahn gar als brachialen Rock, dann aber nimmt er sich immer mehr zurück und beendet den Titel am Piano mit purer Romantik. Er versagt sich dabei alle Geläufigkeit und ist doch ganz beim Thema. Die Platte ist ganz auf der Höhe ihrer Vorgänger, auch wenn sich ihre Qualitäten erst beim dritten, vierten Hören richtig erschließen. ▪ Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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