Daniel Goldins Choreografie „Isola“ in Münster

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Menschen in Bewegung: Szene aus „Isola“ von Daniel Goldin in Münster. ▪

Von Edda Breski ▪ MÜNSTER–Ein Steg beherrscht die Wege der Tänzer. Wie Models auf dem Catwalk eilen und tänzeln sie herauf und hinunter. Doch langsam erobern sie den Raum neben dem Laufsteg, Begrenzungen fallen, bis ihnen die Welt als bunte Spielwiese zu Füßen liegt. Durchaus heiter ist Daniel Goldins neues Stück „Isola” gestimmt, das im Großen Haus in Münster zur Uraufführung kam. Aber Goldin wäre nicht Goldin, wenn nicht auch dieses Ballett melancholisch-reflexiv auf die Isoliertheit des Menschen verwiese.

Isola ist das italienische Wort für Insel. Goldin geht von der Definition einer Isola im physischen Sinne aus – ein isolierter Ort im Wasser – und auch von einer Insel im übertragenen Sinne, auf die man sich zurückzieht, die sich jeder Mensch selbst schafft. Den melodischen Fluss der italienisch vorgetragenen Definition überträgt Goldin direkt in flüssige, aber ritualisierte Bewegungsabläufe. Sie erinnern an die chinesische Meditationskunst des Tai Chi. Ständig während der anderthalb Stunden, die „Isola” dauert, wird er auf formalisierte Gesten und auf Bewegungsschleifen zurückgreifen. Der Mensch bleibt er selbst, trägt seine Prägung mit sich, auch wenn er sich neue Räume erschließt. Aus aneinander vorübereilenden Menschen werden Gruppen, wird ein Miteinander.

Goldin mischt Tanztheater von Bausch'scher Prägung mit Ballett, Modern Dance und Asiatischem zu einer ansprechenden, aber weitgehend unspektakulären Mischung. Reizvoll ist die Sequenz, in der das Ensemble, gekleidet in dunkelblaue, an japanische Kleidung erinnernde Hosen und Jacken (Kostüme: Gaby Sogl), mit Kirschblüten in den Armen einhertrippelt. Die Bühne (Matthias Dietrich) ist da noch minimalistisch gestaltet, mit dem braunen Steg, dessen Ende auch in einen See münden könnte, und einer Trennwand, aus deren Tür die Tänzer direkt auf den Laufsteg treten. Reinhard Huberts Lichtgestaltung setzt auf sanftgoldene Akzente auf Blau, auf ein Spiel von indirektem und Seitenlicht. Goldin und sein Team suggerieren asiatische Dezenz, der eine schön anzusehende, auch berührende, aber leicht vorhersehbare Entwicklung der Raumeroberung durch das Ensemble entspricht. Schließlich fällt die Trennwand, aus dem Hintergrund eilen die Tänzer nun ungeordnet. Kraftvolle Soli zeigen sie, besonders die elegante Hsuan Cheng und Ines Fischbach, die sich mit dem Selbstbewusstsein einer trainierten Kampfkünstlerin bewegt.

Aber der eben noch geweitete Raum wird blockiert: Figuren in Spurensicherungs-Overalls stellen halbgefüllte Plastikflaschen in Gruppen auf die Bühne, einer baut eine Reihe auf, die er wie Dominosteine wieder umschubst. Das wirkt nicht nur unvermittelt; Goldin schafft es auch nicht, eine klare Intention zu vermitteln: dezenter Klamauk, wo zupackende Regie notwendig gewesen wäre. So wird das Zusehen ungewollt zum Miträtseln. Das, obwohl Goldin schöne Einfälle hat. So tanzt Alice Cerrato mit einem „Tütü” aus glänzenden Plastikflaschen zu Charles Trenets „La Mer” - eine fröhliche Szene. Überhaupt gefällt die Musik: eine stimmungsvolle, zurückhaltende Mischung aus Weltmusik, Chanson und minimalistischen Klängen.

1., 10., 17., 23.6., 1., 9.7.,

Tel. 0251/ 5909 100,

http://www.stadttheater.muenster.de

Quelle: wa.de

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