Daniel Burens Arbeit für die Ruhrfestspiele

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Daniel Buren im Ruhrfestspielhaus.

Von Marion Gay RECKLINGHAUSEN - Geheimnisvoll schimmern die Fenster bei Nacht, funkelnd und festlich. Am Tag bringt die Sonne den Innenraum zum Strahlen. Farbige Folien verwandeln die Glasfassaden der Kunsthalle und des Festspielhauses in Recklinghausen. Die Kunstausstellung der Ruhrfestspiele verlässt diesmal den musealen Innenbereich und widmet sich der Architektur.

Der international bekannte französische Künstler Daniel Buren, geboren 1938 in Boulogne-Billancourt, ließ die Fassaden beider Gebäude mit Transparentfolien bekleben, sodass eine Art großes Bild entsteht. Dabei geht es dem Künstler jedoch nicht darum, ein statisches Kunstwerk zu schaffen, sondern vor allem möchte er Zeitabläufe sichtbar machen. „Wie oft bei meiner Arbeit“, so Buren, „hängt das Werk nicht nur vom Ort ab, sondern auch von Klima und Licht, Sonne, Wolken, Regen usw. All diese Witterungszustände prägen das Werk, und es ist das Zusammenspiel ihrer verschiedenen Wirkungen, das letztlich das Werk ausmacht.“

Bereits Mitte der 60er Jahre radikalisierte Buren sein bildnerisches Vokabular und begann, die Grenzen der Malerei auszuloten. Als Arbeitsmaterial verwendet er vor allem 8,7 cm breite, farbige Streifen, die er sein „visuelles Werkzeug“ nennt. Es ist die ständige Variation des Immergleichen, eine „Malerei am Nullpunkt“, wie Buren es nennt. Seit den 80er Jahren setzt er sich intensiv mit Architektur auseinander. „Plötzlich mündete diese Malerei, die radikal anders und dennoch Malerei bleiben wollte, in eine Befragung des Ortes, an dem sich alles abspielte“, sagt Buren. Anlässlich der 5. Monumenta 2012 tauchte er den Grand Palais in Paris mittels Hunderter farbiger Kreise in grelles Licht, 2010 gestaltete er die Glasfassade des Neuen Museums in Nürnberg.

Daran schließen sich seine Arbeiten für Recklinghausen an. Die 28 Scheiben des zwei Stockwerke überspannenden Fassadenfensters der Kunsthalle wurden mit bunten Farbfolien beklebt und von innen beleuchtet. Die Arbeit kann nur von außen betrachtet werden und entfaltet vor allem bei Dunkelheit ihre eigentliche Wirkung.

Anders beim Festspielhaus, dessen Architektur (Planung Büro Auer + Weber + Partner) 2001 den Deutschen Architekturpreis gewann. Hier bringt das Sonnenlicht das Foyer zum Strahlen, die farbigen Flächen spiegeln sich auf den Wänden und dem Boden, je nach Wetter und Tageszeit ergeben sich andere Stimmungen. Die Farbfolien wurden rhythmisch angebracht, alphabetisch nach ihren Namen in deutscher Sprache gesetzt: Blau, Goldgelb, Grün und Rosa.

Wie die Arbeiten Christos sind auch Burens Werke temporär. Das Einzige, was bleibt, sind Erinnerungsbilder und die Erfahrung, wie Kunst die Wahrnehmung eines Ortes verändern kann.

Eröffnung am Samstag, 17 Uhr, Festspielhaus

Bis 26.7., Tel. 02361/ 501 935

www.kunst-re.de

Katalog 20 Euro

Quelle: wa.de

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