Craig Russells Krimi „Lennox – Der dunkle Schlaf“

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Der schottische Autor Craig Russel ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Den schottischen Autor Craig Russell kennt man hierzulande vor allem wegen seiner Krimis um den Hamburger Kommissar Jan Fabel. „Wolfsfährte“ wurde inzwischen sogar für die ARD verfilmt. Daneben schreibt Russell auch eine Reihe um den Privatdetektiv Lennox, der seine Fälle im Glasgow der 1950er Jahre löst. Und das sind gut geglückte Hommagen an die Klassiker des Genres, wie „Der dunkle Schlaf“ belegt, der dritte Band der Reihe, der schon im Titel auf Chandlers „The Big Sleep“ (Der große Schlaf) anspielt.

Lennox, ein Kanadier und Veteran des Weltkriegs, hat sich halbwegs eingerichtet in der schottischen Metropole, wo es mit dem Kapitalismus besonders hoch hergeht, eine „wimmelnde, dicht bevölkerte, qualmende, laute, grelle Industriestadt“, in der es drei Bahnhöfe für Züge aus London gibt, und an jedem Bahnhof ein „riesiges Grandhotel“. Wo alle Branchen blühen, da geht es auch der Unterwelt gut, haben doch drei Bosse, die „drei Könige“, die Stadt unter sich aufgeteilt. Sie tragen sprechende Namen wie Willie Sneddon, Michael Hammer Murphy und Jonny Cohen, der „Schöne Jonny“. Lennox hat für jeden von ihnen schon Aufträge erledigt. Selbstkritisch notiert er: „Während Sherlock Holmes also mit Intellekt und Deerstalker-Hut seine Fälle knackte, setzte ich eher Muskeln und Gummiknüppel ein.“

In jenem September 1955 aber wirbelt ein Schwimmbagger vom schlammigen Grund des Clyde die sterblichen Reste einer Legende auf, die Knochen von Gentleman Joe Strachan, jenem legendären Boss, der 1938 den Überfall auf die Empire Ausstellung organisierte. Seine Zwillingstöchter glauben allerdings nicht an seinen Tod, denn sie kriegen monatlich einen fetten Scheck. Lennox soll das überprüfen. Und steckt bald schon wieder zwischen allen Fronten von Unterwelt und korrupter Polizei. Nebenbei muss er noch die Erpressung eines schwulen Filmstars klären. Und seine Beziehung zu seiner Vermieterin Fiona White.

Das ist rasant erzählt mit viel Sinn für Zeit- und Lokalkolorit und mit trockenem Humor, der von der Kenntnis der Klassiker zeugt. So schildert Russell die Kulisse, als Lennox einen Gangsterboss besucht: „Das Büro war riesig und mit einem polierten exotischen Hartholz vertäfelt, bei dessen Anblick man dachte, es wäre billiger gewesen, die Wände mit Fünfpfundscheinen zu tapezieren.“

Craig Russell: Lennox – Der dunkle Schlaf. Deutsch von Dietmar Schmidt. Bastei Lübbe, Köln. 365 S., 8,99 Euro

Quelle: wa.de

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