„Cowboys und Indianer – made in Germany“: Mitmachausstellung in Dortmund

Edler Wilder: Die Winnetou-Büste schuf der Bildhauer Vittorio Güttner um 1935 für das Karl-May-Museum in Radebeul. - Fotos: Stiftel

DORTMUND - Als im Mai 1891 Buffalo Bill mit seiner Wild West Show in den Fredenbaumpark nach Dortmund kam, da wussten die Veranstalter, was das Publikum zieht: „100 wilde Indianer, welche am letzten Aufruhr beteiligt waren und Kriegsgefangene wurden, begleiten Buffalo Bill mit besonderer Erlaubnis des Gouvernements der Vereinigten Staaten.“ Versprochen wurden „große Indianer-Gefechtsscenen“, wilde Pferde und natürlich führte auch Annie Oakley ihre „staunenswerten Leistungen im Gebrauche von Schießwaffen“ vor.

Erstmals kamen echte Vertreter des Wilden Westens nach Deutschland. Daran erinnert von Sonntag an die Familienausstellung „Cowboys und Indianer – made in Germany“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Die Schau, eine Übernahme vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, kombiniert Mitmachelemente mit einer kulturgeschichtlichen Präsentation. Und so sehen sich die jüngeren Besucher zunächst großen Stoffpferden, einer Felslandschaft zum Klettern, einer als Saloon gestalteten Wurfbude und einem Wagen mit Kostümen gegenüber, in denen sie den Indianer in sich herauslassen können.

Aber auch ältere Besucher dürfen in Erinnerungen schwelgen. Der Reiz des Wilden Westens ist ungebrochen. Je moderner die Zeiten, desto größer die Verlockung durch „edle Wilde“. Zirkus- und Zoo-Veranstalter wie Carl Hagenbeck in Hamburg und Hans Storsch Sarrasani ließen sich von Buffalo Bill inspirieren und brachten selber „Völkerschauen“ nach Deutschland, die überaus populär waren. 1910 lockten Oglala-Sioux 1 100 000 Besucher in Hagenbecks Tierpark.

Cowboys und Indianer wurden fester Bestandteil der Alltagskultur, erläutert Andreas Seim, Kurator der Ausstellung, bis hin zu Spruchweisheiten wie „Indianer kennen keinen Schmerz“. Und so kann der betrachtende Besucher einen materialreichen Streifzug durch die deutsche Wildwest-Geschichte unternehmen. Seim betont, dass die Schau nicht die Rolle der indigenen Völker in den USA thematisiere. Es geht darum, ein deutsches Phänomen nachzuzeichnen, Cowboys und Indianer als Imaginationsflächen für Freiheitsfantasien.

An Karl May kommt man nicht vorbei: Seine Romane um Winnetou und Old Shatterhand haben Generationen von Jugendlichen bewegt. Man findet in Dortmund nicht nur Regalmeter der berühmten grünen Bände. Man sieht auch Comics, Aufsteller, Plakate und Originalkostüme der Winnetou-Filme mit Lex Barker und Pierre Brice, Karl-May-Comics, eine Büste des edlen Apachen-Häuptlings und Material zu Bully Herbigs Parodie „Der Schuh des Manitou“. Und auch Gojko Mitic, dem „Winnetou des Ostens“, sind Vitrinen gewidmet. Freilichtaufführungen nach Mays Romanen freilich gibt es schon viel länger, unter anderem sind Plakate und Prospekte der Felsenbühne Rathen in Sachsen von 1940.

Erinnert wird an Tom Mix und Billy Jenkins, weitere Show-Größen, die seit den 1930er Jahren mit Cowboy-Darbietungen populär waren. Sie waren zugleich Helden eigener Romanserien, darin durchaus Karl May vergleichbar, wobei der seine Western selbst schrieb, während Mix und Jenkins nur als Helden figurierten.

Und auch eine echte Hollywood-Größe made in Germany ist zu bewundern: Marlene Dietrich war 1939 als resolute Barfrau Jenny Star im Westernfilm „Der große Bluff“.

Der Wilde Westen war allgegenwärtig im deutschen Alltag: Kinder spielten Cowboy und Indianer, nicht nur draußen, sondern auch im Spielzimmer mit Figuren. Zu sehen sind Elastolin-Figuren der Firma Hausser, die um 1910 gefertigt wurden, aber auch das „Fort Dearborn“, dessen Palisadenbauten und Figuren aus Plastik die Firma Big um 1970 in die Kinderzimmer brachte.

Ob Indianer-Vereine oder die vielen Schlager mit Wildwest-Bezug (von Gittes „Ich will nen Cowboy als Mann“ bis zu „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ von Gus Backus), die Schau bietet viele Überraschungen aus. Vorausgesetzt, man wird nicht zu sehr abgelenkt von wilden Rodeo-Reitern auf Stoff-Pferden.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr, bis 21.10., di – so 10 – 17, do bis 17, sa 12 – 17 Uhr,

Tel. 0231/ 50 25 522, www.mkk.dortmund.de

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