Claudia Terstappen zeigt im DKM Duisburg ihre Ausstellung „Tanz, Tod und Beschwörung“

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Claudia Terstappen fotografierte in Mexiko diesen Opfertisch. „Alicia‘s Altar“ ist im DKM in Duisburg zu sehen. ▪

Von Annette Kiehl ▪ DUISBURG–Das prächtig aufgefächerte Gefieder eines Vogels, der Kakadu mit stolz geschwelltem Kamm, eine Fledermaus mit ihrer faszinierenden Gestalt. Claudia Terstappen porträtiert diese Tiere in ihrer ganzen Schönheit, ihrem Stolz und ihrer Energie. Nach dem Tod. Die Künstlerin hat die Kadaver am Straßenrand aufgesammelt, sie von Unfallspuren und Schmutz befreit, hergerichtet und dann fotografiert. Die Serie „Roadkill“ soll diesen Tieren, den kaum beachteten Opfern des Autoverkehrs, ein Stück ihrer Würde zurückgeben.

Mit solchen Arbeiten verleiht Claudia Terstappen dem Tod, dem Verschwinden und der Abwesenheit ein Gesicht; sie nähert sich der Bedeutung des Nicht-Seins. Ihre Schau „Tanz, Tod und Beschwörung“ im Duisburger Museum DKM ist keine Leichenschau und kein Gruselkabinett. Vielmehr untersucht sie am Beispiel von Tod und Trauerkultur ganz aufmerksam und immer wieder auch freudvoll und ironisch das Verhältnis von Mensch und Natur. Stets spürt man den persönlichen Blick und die Haltung der Künstlerin.

Terstappen, 1959 in Arnsberg geboren und in Menden aufgewachsen, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und lebte einige Jahre in Großbritannien. Seit 2004 lehrt sie bildende Kunst im australischen Melbourne, so dass ihre Werke mittlerweile stärker in Museen und Galerien im Ausland als in Deutschland vertreten sind. Im Museum DKM mit seinem Sammlungsschwerpunkt auf ostasiatischer Kunst fügt sich ihre Auseinandersetzung mit Tod und Spiritualität gut ein, setzt in der meditativen Atmosphäre des Hauses gleichzeitig aber einen frischen Akzent.

Aus vielen langen Reisen speisen sich Terstappens Kunst und auch diese Ausstellung. So blickt sie in Objekten, Fotos und Videos auf den unterschiedlichen Umgang mit Tod und Trauer in Mexiko, Asien, Spanien und Australien. Die deutschen, christlich geprägten Rituale spricht sie hingegen nicht direkt an. Die Installation eines Studierzimmers mit angestaubtem, altmodischen Schreibtisch und in Gläsern aufgereihten Tierkörper-Präparaten mag man als ironischer Kommentar zum wissenschaftlichen und rational geprägten Umgang mit dem Tod verstehen: Allein als ordentlich aufgereihte Forschungsobjekte sind die Tiere dem Menschen nützlich.

Auf das ritualisierte Töten blickt Claudia Terstappen mit der raumfüllenden Arbeit „Sacrifice“ (2011). Fünf ausgestopfte Stierköpfe montierte sie auf die blutrot gefärbte Wand. Die Tiere der Rasse „Torros Bravos“, die ausschließlich für den spanischen Stierkampf gezüchtet wird, strotzen mit ihrem glänzenden Fell, den mächtigen Hörnern und großen Augen selbst nach ihrem Tod noch vor Kraft und Leben. Ihrer Präsenz und Ausstrahlung kann man sich kaum entziehen.

Auch wenn solche Installationen die Ausstellung dominieren, hat doch gerade das Foto eine besondere Bedeutung im Werk Terstappens. Die Künstlerin beschreibt diese Arbeiten als eine Art Speicher, der die Erinnerung an die Toten und Abwesenden lebendig hält: „Ein Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart, den Lebenden und den Toten, uns selbst und der Umwelt“ – so schreibt sie sinngemäß auf ihrer englischsprachigen Internetseite.

Eben für diese Verbindungen interessiert sich Claudia Terstappen. Das zeigen ihre Fotografien von Kirchenaltären und symbolhaften Orten in der Natur. Einen wunderbaren Kontrast dazu bilden ihre Aufnahmen von kuriosen Erinnerungsstellen am Straßenrand: Einen Vogelkäfig vor einer pink bemalten, schmutzigen Mauer sieht man, darunter einen verschwindend kleinen Opfertisch. „Alicia‘s Altar“, ebenfalls in Mexiko fotografiert, zeigt einen überschwänglich mit Heiligenbildern, Blumen und Obst dekorierten Altar, der anscheinend in einer Art Garage steht. Der Tisch mit der Blumendecke wurde neben einem mit Eimern bestückten Regal improvisiert, doch dieser Ort wirkt gar nicht lächerlich oder ärmlich, sondern strahlt Großzügigkeit und Freude aus.

Die Schau

Was zwischen Leben und Tod spürbar ist.

Claudia Terstappen: Tanz, Tod und Beschwörung im Museum DKM Duisburg.

Bis 19. März 2012. Geöffnet Freitag bis Montag, 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Tel. 0203 / 93555470,

http://www.museum-dkm.de

Quelle: wa.de

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