Christopher Brookmyres Krimi „Die hohe Kunst des Bankraubs“

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Der Thrillerautor Christopher Brookmyre

Von Ralf Stiftel Von so einem Bankraub haben Sie noch nicht gelesen. Fünf Clowns bieten eine perfekte Straßenchoreografie zu Musik von Madness. Mit der Show betreten sie die McLennan Bank in Glasgow, und es dauert eine Weile, bis die Leute überhaupt bemerken, was hier geschieht. Und dann stellt der Chef der Bande höflich „Ihre Bankräuber für heute Nachmittag“ vor, schickt alte und kranke Geiseln vor die Tür und betont, dass „unser Programm für Kinder nicht geeignet“ sei. „Leider“.

So elegant kann man Verbrechen beschreiben. Der schottische Autor Christopher Brookmyre hatte schon mit „Wer schlafende Hunde weckt“ einen ausgesprochen intelligenten Thriller vorgelegt. Sein neuer Krimi „Die hohe Kunst des Bankraubs“ hat verglichen damit zwischenzeitlich die Leichtigkeit einer Komödie. Die Gangster behandeln ihre Geiseln nett, damit sie brav dasitzen und warten. Vielleicht das perfekte Rezept für ein perfektes Verbrechen ohne unnötige Verletzungen.

Da kann selbst die knallharte Spezialermittlerin Angelique de Xavia nicht stören. Der Überfall ruiniert ihren Geburtstag, den sie eigentlich im Fußballstadion feiern wollte, beim Ligakracher Glasgow Rangers gegen den FC Aberdeen. Stattdessen soll sie sich in die Bank schleichen und in Bruce-Willis-Manier die Übeltäter stellen. Was nicht so klappt, wie sich die Polizei das vorstellt. Man verrät nicht zuviel, wenn man mitteilt, dass die Verbrecher mit einer fetten Beute davonkommen. Schon weil das „Wie“ hier zählt.

Brookmyre begnügt sich nicht damit, einen Überfall zu schildern, bei dem alte Damen vom „netten jungen Mann“ in der Clownsmaske schwärmen. Die Bankräuber um den smarten Mr. Jarry (jawohl, benannt nach dem surrealistischen Schriftsteller) sind hier gar nicht die Bösen. Und dem burlesken Überfall, bei dem man geneigt ist, mit den Tätern zu grinsen, folgt ein dramatischer zweiter Teil, bei dem längst nicht alle Beteiligten so viel Rücksicht auf die Unversehrtheit ihrer Mitspieler nehmen. Die wahre Klasse des 1968 in Glasgow geborenen, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Autors zeigt sich hier nicht in den hinreißenden Dialogen, im perfide perfekt ausgetüftelten Coup, in seiner präzisen Zeichnung gerade der weiblichen Figuren (neben Angelique spielt die Bankangestellte Michelle eine tragende Nebenrolle). Muss man erwähnen, dass die Ermittlerin und der Bandenchef einander wiedersehen werden? Dass es eine verrückte Liebesaffäre gibt in diesem Buch und dass selbst das intelligent eingebaut wird? Aber richtig toll wird dieser Krimi, weil es Brookmyre gelingt, von der Komödie wieder die Kurve zum richtigen Verbrechen zu finden. Denn es gibt hier auch ernsthaft böse Burschen, die vor keinem dreckigen Mord zurückschrecken. Einer von dieser Sorte empfängt den Leser vor dem „situationistischen Bankraub“ und stimmt ihn darauf ein, dass hier nicht nur gespaßt wird. Aber selbst da verkneift sich Brookmyre nicht einen kleinen Scherz und lässt diesen Harry sein persönliches Loblied auf den guten alten gekauften Blowjob singen. Auch ein knallharter Killer hat schließlich seine Hobbys.

Christopher Brookmyre: Die hohe Kunst des Bankraubs. Deutsch von Hannes Meyer. Galiani Verlag, Berlin. 383 S., 14,99 Euro

Quelle: wa.de

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