Chickenfoot begeistern bei einzigem Deutschlandkonzert

Sammy Hagar ▪

DÜSSELDORF–Er schüttelt den Kopf und die schulterlangen Haarkringel proben Tsunami. Sammy Hagar spielt gern mit der Sonnenbrille, lupft sie mit dem Finger an, schubst sie ins Kraushaar, nur um seine Augen Sekunden später wieder dahinter zu verstecken. Der einstige Van-Halen-Frontmann lässt die Hüften kreisen, lässt den mittlerweile recht propper gewordenen Körper swingen und bewegt Hände und Arme zu eigenwilligen Spontan-Choreografien, die besagen: „Nehmt mich nicht so ernst, ich tu es auch nicht.“

Von Sabine Fischer

Die Bass-Drum bürstet die Armhärchen gegen den Strich, die Gitarre jault und singt, tarnt und täuscht, kommt mal als Keyboardsound, mal als liebestoller Kater daher und umgarnt das Bassfeuer mit neckendem Gelächter. Mit seiner Band Chickenfoot füllte Hagar beim einzigen Deutschlandkonzert die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf. Ein enthusiastisches Publikum feierte die Supergroup knapp zwei Stunden und bescherte dem WDR-Rockpalast einen gelungenen Konzertmitschnitt.

Hagar hat Spaß an der Spielfreude seiner Bandkollegen und an der Kommunikation mit dem Publikum. Schrill-spitz sind seine Kreischparts. Das muss man mögen – aber wer sagt, dass der Besuch von Rockkonzerten Wohlklang garantiert? Manches Mal nimmt Hagar im Überschwang auf der Tonleiter einige Sprossen zu viel, lacht und rutscht auf die richtigen.

Hagar, Van-Halen-Bassist Michael Anthony und Gitarrist Joe Satriani spielten am Rhein mit dem Schlagzeuger Kenny Aronoff, der mit Einfallsreichtum begeisterte. Hagar mag sein Publikum, plaudert gern, zum Beispiel über die Erfahrungen, die die Band mit dem Düsseldorfer Altbier gesammelt hatte.

Musikalisch gab es das volle Pfund der beiden Chickenfoot-Alben, veredelt durch etliche Solo-Einlagen von Satriani. Der lässt sein Instrument für sich sprechen. Die Posen nimmt ihm Sammy Hagar ab, der mehr als einmal durch Gesten deutlich macht, dass er Satriani für einen abgedrehten Genius hält.

Mit „Lighten up“ stieg das Quartett kraftvoll ein. „Alright, Alright“ sang mancher bereits mit, und bei „Big Foot“ kippten bereits die ersten Hüften in Wippstellung. Die Texte beschränken sich nicht auf rockige Worthülsen, sondern entfalten Wirkung – so im sozialkritischen „Three and a half letters“. Und sie erzählen Geschichten wie „Up next“. Es ist dem jüngst gestorbenen Band-Manager John Carter gewidmet. „Man stirbt nicht mitten in der Produktion eines Chickenfootalbums“, habe man John noch hintergerufen, erzählt Sammy Hagar und singt den bei aller Trauer schwarzhumorigen Song.

Besonders starke Wirkung entfalteten die langsameren Nummern der Formation, etwa Sammy Hagars Lieblingssong des ersten Albums „Future in the past“ oder die Ballade „Come closer“ die dem Konzert nach etlichen Zugaben ein furioses Ende setzte.

Quelle: wa.de

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